Kaffee weckt den Teamgeist

Verena Elson Medizinredakteurin
Eine Tasse Kaffee vor dem Meeting führt zu besseren Ergebnissen, zeigt eine US-Studie
Eine Tasse Kaffee vor dem Meeting führt zu besseren Ergebnissen, zeigt eine US-Studie © AleksandarNakic/iStock

„But first, coffee“. Diesen Sprüche-Klassiker, der so manche Büroküche ziert, sollten wir uns zu Herzen nehmen: Denn ein Kaffee vorweg macht die Teamarbeit konstruktiver – und die Ergebnisse besser.

Kaffee hat sich in den vergangenen Jahren einen Ruf als Superfood erarbeitet: Er schützt vor Krebs, beugt Diabetes vor, reinigt die Blutgefäße und stärkt das Gedächtnis. Doch Kaffee macht uns nicht nur gesünder, er macht uns auch leistungsfähiger – zumindest, wenn wir im Team arbeiten.

Zu dieser Erkenntnis kamen Wissenschaftler der Ohio State University in zwei Versuchen. Zu dem ersten luden sie 72 Studenten ein, die sich selbst als Kaffeetrinker bezeichneten. Sie bekamen die Anweisung, vor dem Experiment keinen Kaffee zu trinken.

 

Mit Kaffee „gedopt“ in die Teamarbeit

Die Hälfte der Probanden bekam zunächst den Auftrag, an einer „Kaffeeprobe“ teilzunehmen, bei der sie Kaffee trinken und dessen Geschmack bewerten sollten. Nach einer dreißigminütigen Beschäftigung mit anderen Aufgaben, in der der Kaffee seine Wirkung entfalten konnte, wurden die Teilnehmer zu Gruppengesprächen in Teams von je fünf Personen gebeten. Sie lasen sich in ein kontroverses Thema (die Occupy-Bewegung) ein und diskutierten dann darüber in der Gruppe. 

Die andere Hälfte der Probanden nahm erst nach der Gruppendiskussion an der Kaffeeprobe teil. Anschließend sollten alle Probanden ihre eigenen Gesprächsbeiträge und die ihrer Teamkollegen bewerten.

Kaffee macht nicht nur wach am morgen, sondern beugt auch Krankheiten wie Gallensteine oder Diabetes vor
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Das Kaffee-Wunder

 

Die Motivation kommt mit dem Koffein

Die Auswertung ergab: Teilnehmer, die vor dem Gruppengespräch Kaffee trinken durften, bewerteten sich selbst und ihre Teammitglieder besser als solche, die den Kaffee erst nach der Diskussion bekamen.

Das zweite Experiment lief ähnlich ab. Dieses Mal tranken jedoch alle 61 Teilnehmer zu Versuchsbeginn Kaffee – die Hälfte mit, die andere Hälfte ohne Koffein. Diejenigen, die den koffeinhaltigen Kaffee getrunken hatten, bewerteten sich selbst und ihre Teammitglieder positiver als Probanden, die entkoffeinierten Kaffee bekommen hatten.

 

Kaffee macht aufmerksam und konstruktiv

Zusätzlich zu der Bewertung der Gesprächsbeiträge sollten alle Teilnehmer auch ihre Aufmerksamkeit während der Diskussion einstufen. Probanden, die den koffeinhaltigen Kaffee getrunken hatten, stuften sich im Schnitt als wacher und aufmerksamer ein als solche, die keinen oder entkoffeinierten Kaffee getrunken hatten.

Doch das Koffein verbesserte nicht nur das subjektive Empfinden der Teilnehmer. Die Forscher analysierten in dem zweiten Versuch, wie oft sich jedes Teammitglied zu Wort meldete und wie viel einzelne Beiträge qualitativ zu der Diskussion beitrugen. Sie beobachteten, dass Probanden, die koffeinhaltigen Kaffee getrunken hatten, insgesamt mehr redeten – und gleichzeitig besser auf das Thema fokussiert blieben und relevantere Beiträge lieferten.

Sogar den Teamgeist konnte der Kaffee stärken: Diejenigen, die koffeinhaltigen Kaffee getrunken hatten, äußerten häufiger den Wunsch, erneut mit ihrem Team zusammenzuarbeiten. 

Quelle:
Vasu Unnava, Amit Surendra Singh, H. Rao Unnava (2018): Coffee with co-workers: role of caffeine on evaluations of the self and others in group settings, in: Journal of Psychopharmacology.

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