Kaffee-Mythen aufgedeckt

Eine Frau steht am Fenster und trinkt Kaffee
„Ich brauche jetzt erstmal einen Kaffee“: Wer diesen Satz morgens als erstes sagt, hat wahrscheinlich Entzugserscheinungen – denn Kaffee macht tatsächlich abhängig © Fotolia

Ohne Kaffee geht morgens gar nichts: Der Kopf schmerzt, die Laune ist im Keller und Denken funktioniert jetzt überhaupt nicht. Doch ist das wirklich so oder bilden wir es uns nur ein? Praxisvita macht den Faktencheck.

 

Kaffee ist ungesund

Koffeinjunkies können aufatmen – das stimmt nicht, solange der Kaffee in moderaten Mengen konsumiert wird. Dann ist er sogar gut für die Gesundheit: Studien haben gezeigt, dass drei Tassen Kaffee täglich vor Diabetes, Nierenkrebs, Asthmaanfällen und Demenz schützen – wer vier Tassen am Tag trinkt, beugt zusätzlich Hautkrebs vor. Menschen mit empfindlichem Magen empfehlen Mediziner allerdings höchstens zwei Tassen pro Tag, da Kaffee die Magensäureproduktion anregt. Patienten mit Herzproblemen sollten ihre tägliche Kaffeedosis mit ihrem Arzt besprechen.

 

Kaffee macht wach

Das ist richtig: Kaffee hindert einen biologischen Müdemacher, das sogenannte Adenosin, an der Arbeit. Dieser Botenstoff sammelt sich im Gehirn an, wenn es einige Zeit aktiv war. Die Aufgabe von Adenosin ist es, für Denkpausen zu sorgen, damit das Gehirn nicht überlastet wird – dazu dockt es an spezielle Rezeptoren an. Die Folge: Wir werden müde. Koffein dockt an dieselben Rezeptoren im Gehirn an und blockiert sie für das Adenosin – so wird seine müdemachende Wirkung unterbunden. Es stimmt allerdings nicht, dass Kaffee eine sofortige Wirkung hat – das Koffein braucht rund 20-30 Minuten, um seine Wirkung zu entfalten. Darum empfehlen Experten für den ultimativen Wach-Kick, nach dem Kaffee ein 20-minütiges Nickerchen einzulegen. Beim Aufwachen setzt dann die Wirkung des Koffeins ein und man ist doppelt erholt.

 

Kaffee dehydriert

Diese Annahme haben zahlreiche Studien als Mythos entlarvt. Tatsache ist, dass das Getränk bei „untrainierten“ Kaffeetrinkern harntreibend wirken kann – doch dieser Effekt geht schnell vorbei und wirkt sich nicht negativ auf die tägliche Flüssigkeitsbilanz aus.

 

Kaffee macht abhängig

Wenn einer Ihrer Mitmenschen mal wieder über Entzugserscheinungen wegen Kaffeemangels jammert, hat er wahrscheinlich Recht – die gibt es wirklich. Denn unsere Nervenzellen gewöhnen sich mit der Zeit daran, regelmäßig mit Koffein versorgt zu werden. Bleibt es plötzlich aus, sind Kopfschmerzen und Müdigkeit die Folge. Eine Studie ergab sogar, dass Kaffee seine wachmachende Wirkung bei Vieltrinkern mit der Zeit verliert. Sie brauchen die morgendliche Dosis allein, um ihre Entzugserscheinungen zu bekämpfen – ein Phänomen, das auch bei anderen Abhängigkeiten auftritt.

 

Schwangere dürfen keinen Kaffee trinken

Das stimmt nicht ganz. Anders als Alkohol ist Kaffee in der Schwangerschaft nicht grundsätzlich verboten, geringe Mengen gelten als unbedenklich. Da jedoch das Koffein, das die Mutter zu sich nimmt, über die Plazenta in den Kreislauf des Ungeborenen gelangt, raten Mediziner werdenden Müttern, ihren Koffeinkonsum während der Schwangerschaft zu reduzieren. Die Empfehlung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit lautet höchstens 200 mg Koffein pro Tag, das entspricht etwa zwei bis drei Tassen Kaffee. Schwangere sollten jedoch bedenken, dass auch andere Getränke wie schwarzer und grüner Tee, einige Limonaden und Energydrinks Koffein enthalten.

Hamburg, 7. Mai 2015

Themen
Das könnte Sie auch interessieren
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.