Kaffee in der Schwangerschaft: Wie viel ist erlaubt?

Rasmus Cloes Medizinredakteur

Oft wird Schwangeren geraten, auf Kaffee zu verzichten. Es wird vor Früh- und sogar Fehlgeburten gewarnt. Doch gibt es dafür überhaupt wissenschaftliche Belege?

Schwangere müssen auf viel verzichten: Auf keinen Fall sollten sie Alkohol trinken, da das erhebliche Gefahren für das ungeborene Kind birgt. Das ist bekannt. Auch die Gefahren von Rauchen sind den meisten werdenden Müttern bewusst. All das ist gut mit Studien dokumentiert.

Aber auch scheinbar weniger gefährliche Substanzen sind untersagt: So müssen sie zum Beispiel auch auf Camembert oder Brie verzichten, wenn diese Rohmilch enthalten. Der Grund: Sie können eine bakterielle Infektion, die sogenannte Listerose auslösen. Für die Mutter ist sie zwar meist ungefährlich, dem ungeborenen Kind kann sie aber schwere Schäden zufügen.

 

Führt Kaffee in der Schwangerschaft zu Frühgeburten?

Ein weiteres Genussmittel, vor dem Schwangere oft gewarnt werden, ist Kaffee. Auch Tee, Cola und sogar Schokolade stehen auf der schwarzen Liste. Denn: Sie alle enthalten Koffein. Der Stoff steht in dem Ruf, Fehl- oder Frühgeburten auszulösen sowie das Geburtsgewicht des Kindes zu verringern. Darum wird Schwangeren oft geraten, gänzlich auf Kaffee zu verzichten oder zumindest mit einer Tasse am Tag auszukommen. Eine Untersuchung der renommierten Cochrane Collaboration verbannt diese Aussage jetzt in das große Feld der Gesundheitsmythen.

Die Wissenschaftler hatten festgestellt, dass zwar häufig vor dem Konsum von Koffein in der Schwangerschaft gewarnt wird, es aber fast keine wissenschaftlichen Studien zu dem Thema gab. Sie fanden nur zwei, die so aufgebaut waren, dass sie eine Aussage über Ursache und Wirkung treffen konnten – die eine genügte jedoch nicht den strengen Kriterien, die die Cochrane Collaboration verlangt.

 

Kaffee in der Schwangerschaft ist kein Problem

Es blieb nur eine dänische Studie übrig – dafür ist diese sehr solide: Die Wissenschaftler teilen darin Frauen in der 20. Schwangerschaftswoche in zwei Gruppen ein. Der eine Teil (568 Frauen) sollte täglich drei Kaffee trinken, während der andere (629 Frauen) täglich drei Tassen entkoffeinierten Kaffee bekam. Das Ergebnis der Forscher: Drei Tassen koffeinhaltiger Kaffee am Tag hatten keinen Einfluss auf das Geburtsgewicht des Kindes oder dessen Entwicklung sowie auf das Risiko eine, Fehl- oder Frühgeburt zu erleiden.

Eine Beruhigung für Schwangere, die weiterhin Kaffee trinken möchten. Den Wissenschaftlern der Cochrane Colaboration ist diese eine Studie jedoch nicht genug. Sie verlangen nach weiteren Untersuchungen, die den Einfluss von Koffein auf Ungeborene bewerten. Bis diese zu einem anderen Schluss kommen, sollte niemand Schwangeren grundlos den Kaffee verwehren. Sie müssen sowieso schon auf genug verzichten.

Hamburg, 4. Juli 2015

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.