Junge läuft auf Beinen, die er nicht fühlen kann

Rückansicht auf einen Mann, der im Rollstuhl sitzt
Ein 19-Jähriger aus Texas fühlt seine Beine seit einem Autounfall nicht mehr. Trotzdem kann er seinen Rollstuhl ab und zu stehen lassen und ein paar Schritte gehen © Fotolia

Was der 19-jährige Daquan Minor da macht, grenzt an ein medizinisches Wunder: Er läuft auf Beinen, die er nicht fühlen kann. Selbst seine Ärzte können sich nicht erklären, wie er das macht.

Daquan Minor (19) läuft langsam den Klinikflur entlang, vorsichtig setzt er einen Fuß vor den anderen. Dass er überhaupt laufen kann, ist keineswegs selbstverständlich – denn er kann seine Beine und Füße nicht fühlen. Ein Video auf khou.com erzählt seine Geschichte.

2013 hatte der Teenager aus Texas einen schweren Autounfall, den er mit Kopf- und Rückenmarksverletzungen überlebte. Doch er konnte vom Bauchnabel abwärts nichts mehr spüren.

 

Plötzlich stand er auf und lief ein paar Schritte

Nach seiner lebensrettenden Not-OP verbrachte er Monate in der Reha. Eines Tages überraschte er die Krankenpfleger – und sich selbst – als er versuchte, aus seinem Rollstuhl aufzustehen. Ihm gelang nicht nur das – er schaffte es sogar, einige Schritte zu gehen.

„Ich benutze meine Augen zum Laufen. Ich sehe auf den Boden. Solange ich auf den Boden sehe, ist es okay. Wenn ich in einem dunklen Raum aufstehen würde, würde ich hinfallen. Wenn ich aufstehen und dann meine Augen schließen würde, würde ich fallen, meine Beine würden nachgeben.“

„Das ist ein wirklich bemerkenswertes Szenario“, sagt sein behandelnder Arzt Dr. Matthew Davis gegenüber KHOU.com. „Es ist sehr ungewöhnlich. Die meisten meiner Patienten, die nach einer Rückenmarksverletzung wieder laufen, fühlen auch etwas. Darum kann ich mir vorstellen, dass Daquan eine enorme Konzentration benötigt um einzuordnen, wo sich seine Beine im Raum bewegen.“

Der Sportler Daquan glaubt, dass es sein Sportsgeist war, der ihm half, tatsächlich aufzustehen und zu laufen: „Wenn du gegen ein rivalisierendes Team spielst, strengst du dich extra an. Also dachte ich mir, ich strenge mich noch mehr an.“

 

Daquan ist froh, dass der Unfall passiert ist

Inzwischen arbeitet er freiwillig in dem Reha-Zentrum, in dem ihm sein großer Erfolg gelang. Dort berät er andere Patienten. Er hat ein Studium aufgenommen, um später auch hauptberuflich in dem Therapiezentrum arbeiten zu können.

„Eine Menge Patienten wünschen sich, in meiner Situation zu sein – nur aufstehen und ein paar Schritte gehen zu können. Und darum sage ich: Wenn das Gefühl nicht zurück kommt, ist das auch in Ordnung.“

Inzwischen ist er sogar dankbar, dass der Unfall geschehen ist, denn er hat sein Leben verändert. „Wenn ich zurückblicke, bin ich froh, dass es passiert ist – ich bereue es nicht. Es brachte mich auf diesen neuen Weg. Ich helfe anderen. Ich versuche, mehr im Leben zu sein. Ich gebe mich nicht mit dem Minimum zufrieden.“

Hamburg, 16. Dezember 2015

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