"Jugendsexualität 2015": So haben Teenies heute Sex

Zwei Jugendliche kuscheln in einem Feld
Jugendliche verhüten heute verantwortungsbewusster als noch vor einigen Jahren, zeigt eine aktuelle Studie © Fotolia

Sie sind sexuell aktiv und verhüten gut – dieses Zeugnis verleiht die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) den deutschen Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Anders als häufig angenommen, haben Teenager heute nicht früher Geschlechtsverkehr als noch vor einigen Jahren – und in Sachen Verhütung verhalten sie sich sogar verantwortungsbewusster als vorherige Jahrgänge. Dies zeigen die aktuellen Ergebnisse der neuen Studie „Jugendsexualität 2015“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

 

Erstmals auch 18- bis 25-Jährige befragt

Die Wissenschaftler befragten 3.500 Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren sowie deren Eltern und 2.250 junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren zu Aufklärung in Schule und Elternhaus, erste sexuelle Erfahrungen, Verhütungswissen und Verhütungsverhalten.

Während sexuelle Aktivitäten unter den 14-Jährigen insgesamt mit durchschnittlich sechs Prozent noch die Ausnahme sind, hat im Alter von 17 Jahren mehr als die Hälfte Erfahrungen mit Sex. Im Alter von 19 Jahren haben 90 Prozent der jungen Frauen deutscher Herkunft das „erste Mal“ erlebt. Junge Frauen mit ausländischen Wurzeln sind im Alter von 21 Jahren zu gut zwei Dritteln sexuell aktiv geworden (70 Prozent). Für junge Männer gilt dies erst zwei beziehungsweise drei Jahre später.

„Annahmen, wonach immer mehr junge Menschen immer früher sexuell aktiv werden, bestätigen sich nicht“, betont Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA. „Positiv ist auch zu sehen, dass eine feste Partnerschaft jungen Menschen beim ‘ersten Mal‘ wichtig ist.“ Das Fehlen des oder der „Richtigen“ ist unabhängig von Geschlecht und Herkunft der Hauptgrund für Zurückhaltung. Für Mädchen und junge Frauen aus Migrantenfamilien spielen daneben moralische Bedenken eine wichtige Rolle. Beispielsweise geben 28 Prozent das Motiv „vor der Ehe finde ich das nicht richtig“ als Grund für die sexuelle Zurückhaltung an. Bei Mädchen und jungen Frauen deutscher Herkunft trifft das in vier Prozent zu.

Für Mädchen und junge Frauen mit Migrationsgeschichte ist bis ins Erwachsenenalter hinein ein anderes Motiv relevant: die Angst, „dass die Eltern davon erfahren“ (20 Prozent). Dieses Argument teilen Mädchen und junge Frauen aus deutschen Elternhäusern in jüngeren Jahren, mit zunehmendem Alter ist es weniger von Bedeutung.

 

Verhütungsbewusstsein hat sich deutlich verbessert

Das Verhütungsverhalten der 14- bis 17-Jährigen ist laut der Studie ausgesprochen umsichtig. Über 90 Prozent der sexuell aktiven jungen Menschen sprechen mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin über Verhütung. Wie sehr sich das Verhütungsverhalten verbessert hat, zeigt der Langzeitvergleich, der für deutsche Jugendliche vorliegt: 1980 trafen 29 Prozent der Jungen und 20 Prozent der Mädchen keine Verhütungsvorkehrungen beim „ersten Mal“, heute sind es nur noch sechs beziehungsweise acht Prozent.

Für Jugendliche mit Migrationshintergrund ist ein Trendvergleich für die vergangenen zehn Jahre möglich. Bei Jungen mit ausländischen Wurzeln ging die Zahl Nichtverhütender beim ersten Geschlechtsverkehr von 34 Prozent 2005 auf heute zehn Prozent zurück, bei den Mädchen von 19 Prozent auf zwei Prozent. „Es ist eine ausgesprochen erfreuliche Entwicklung, dass Jugendliche schon bei den ersten Sexualkontakten ganz besonders auf das Schutzverhalten achten“, erklärt Dr. Thaiss. Das Kondom ist bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen beim ersten sexuellen Kontakt mit deutlichem Abstand das Verhütungsmittel Nummer eins. 73 Prozent der 14- bis 25-Jährigen geben dies an.

 

Aufklärung durch Eltern und Lehrer

„Das Elternhaus spielt bei der Sexualaufklärung eine wichtige Rolle. Eltern sind für ihre Kinder wichtige Vertrauenspersonen und eine zentrale Beratungsinstanz in Verhütungsfragen“, sagt Dr. Thaiss. Laut der Befragung sprechen 63 Prozent der Mädchen und 51 Prozent der Jungen deutscher Herkunft mit ihren Eltern über Verhütung, aber nur 41 Prozent der Mädchen und 36 Prozent der Jungen aus Elternhäusern mit Migrationshintergrund.

Auch der Schule kommt eine wichtige Aufgabe zu: Im Schnitt geben 93 Prozent der Jugendlichen an, das Thema Sexualität im Unterricht besprochen zu haben. Auf die Frage nach der wichtigsten Bezugsperson im Rahmen ihrer Aufklärung gefragt, nennen Jungen Lehrer und Lehrerinnen an erster Stelle. Lehrer und Lehrerinnen sind demnach gerade für Jugendliche mit Migrationshintergrund wichtige Bezugspersonen, weil ihnen vielfach die Eltern als Ansprechpartner fehlen.

Eine US-Studie hatte kürzlich gezeigt, dass Gespräche mit den Eltern über Sexualität den verantwortungsbewussten Umgang der Jugendlichen mit Sex und Verhütung fördern. Hier erfahren Sie, wie das Gespräch mit dem Nachwuchs über Sex am besten funktioniert.

Hamburg, 13. November 2015

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