Johnson & Johnson deutlich weniger wirksam! Das fordern Mediziner jetzt

Mona Eichler Health-Redakteurin

Einer neuen Studie zufolge schützt der Corona-Impfstoff Janssen von Johnson & Johnson deutlich schlechter gegen die Delta-Variante. Welche Folgen das hat und was Mediziner dazu sagen.

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Inhalt
  1. Johnson & Johnson deutlich weniger wirksam
  2. Zu niedrige Schutzwirkung
  3. Das gilt jetzt für Janssen-Geimpfte

Aktuell sind vier Corona-Impfstoffe in Deutschland zugelassen, von denen das Vakzin von Johnson & Johnson heraussticht: Im Gegensatz zu den Präparaten von Biontech, Moderna und Astrazeneca, bei denen nach rund sechs Wochen eine Auffrischungsimpfung nötig ist, muss Janssen nur einmal verimpft werden. 

Eine neue Laborstudie aus den USA bescheinigt dem Wirkstoff von Johnson & Johnson nun aber schlechte Noten: Gegen die besorgniserregende Delta-Variante, deren Anteil unter den Gesamtinfektionen in Deutschland jetzt schon 97 Prozent beträgt, schützt das Vakzin deutlich schlechter als seine Mitstreiter. Janssen-Geimpfte müssen reagieren. 

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Johnson & Johnson deutlich weniger wirksam

Die Wissenschaftler:innen um Nathaniel Landau von der Grossman School of Medicine in New York stellten die Schutzwirkungen der Corona-Impfstoffe von Johnson & Johnson, Biontech und Moderna gegenüber. Der Impfstoff von Astrazeneca war nicht Teil der Laborstudie, da dieser in den USA nicht zugelassen ist. 

Die Mediziner:innen verglichen die Menge von messbaren Antikörpern (sogenannte Titer) bei Personen, deren Impfung mit Biontech, Moderna oder Janssen etwa drei Monaten zurücklag. Das Ergebnis war eindeutig: Janssen hat eine deutlich schwächere Schutzwirkung vor der Delta-Variante. Die Titer gegen die Delta-Variante von Biontech und Moderna lagen den Untersuchungen zufolge um die 200, bei Janssen allerdings nur bei 30. 

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Zu niedrige Schutzwirkung

Die Schutzwirkung vor einer Corona-Infektion von Janssen war von Anfang an geringer als die von Biontech & Co. Sie beträgt nur rund 65 Prozent im Vergleich zu 95 Prozent nach der Zweitimpfung von Biontech und Moderna. Dass der Wirkstoff nur einmal verimpft werden muss, hat allerdings auch Vorteile. Vor allem Personen, die einen besonders schnellen Impfschutz brauchten, profitierten bisher davon. Außerdem soll die Schutzwirkung vor einem schweren Krankheitsverlauf auch bei Janssen 100 Prozent betragen.

Trotzdem wird die Kritik an dem Vakzin immer deutlicher. Dr. Stephan Borte, Immunologe am Leipziger St. Georg Klinikum, erklärt den Nachteil einer Einfachimpfung gegenüber „t-online“: „Das Immunsystem reagiert auf Eindringlinge entweder mit einer Tolerierung oder mit einer spezifischen Immunantwort, um gefährliche Eindringlinge unschädlich zu machen. Dafür braucht es Wiederholung, also mehrmalige Konfrontation mit dem Gegner. Ohne eine Erinnerung an den Eindringling entwickelt das Immunsystem keine oder nur wenige schützende Antikörper, da es eine erneute Konfrontation ausschließt.“

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Das gilt jetzt für Janssen-Geimpfte

Ende Juli gab Biontech bekannt, dass sich Geimpfte durch eine 3. Dosis Biontech besser gegen die derzeit grassierende Delta-Variante schützen könnten. Experten sind sich darüber hinaus einig: Auch Janssen-Geimpfte brauchen eine Impfauffrischung. Erfolgt diese nicht, können Geimpfte an Corona erkranken. Das Phänomen der sogenannten Impfdurchbrüche wird schon länger beobachtet.

Eine Impfauffrischung nach Johnson & Johnson kann zum einen über eine tatsächliche Auffrischung mit einer zweiten Dosis Janssen erfolgen oder über eine sogenannte Kreuzimpfung – auch Booster-Impfung genannt – mit einem der beiden mRNA-Impfstoffe Corminaty (Biontech) oder Spikevax (Moderna). „Das ist sehr sinnvoll, denn J&J ist zwar als Einmalimpfstoff zugelassen, ist dann aber eher schwach“, betont Dr. Andreas Radbruch, Immunologe und Wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums Berlin. „Durch Biontech wird die Wirkung vorhersehbar drastisch verstärkt, und durch die etwas andere Art, wie das Virusprotein bei Biontech kodiert wird, sollte der Impfschutz auch breiter werden.“

Kreuzimpfungen werden in Deutschland schon länger durchgeführt, bisher beim Vektorimpfstoff von Astrazeneca (Va­x­ze­vria). Die Impfungen gelten als extrem wirksam, allerdings treten dabei andere Nebenwirkungen als bei gewöhnlichen Zweifachimpfungen auf.

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Wie und bei welcher Personengruppe der Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson in Zukunft verimpft werden wird, muss sich noch zeigen. 

Quellen:
Tada, T., Zhou, H., Samanovic, M. I., Dcosta, B. M., Cornelius, A., Mulligan, M. J., & Landau, N. R. (2021). Comparison of Neutralizing Antibody Titers Elicited by mRNA and Adenoviral Vector Vaccine against SARS-CoV-2 Variants. bioRxiv.
Comparison of Neutralizing Antibody Titers Elicited by mRNA and Adenoviral Vector Vaccine against SARS-CoV-2 Variants, in: biorxiv.org
COVID-19: Janssen-Impfstoff in Laborstudie weniger wirksam gegen Delta-Variante, in: aerzteblatt.de
Bei diesem Corona-Impfstoff muss nachgeimpft werden, in: t-online.de

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