Johanniskrautöl: Mehr als stresslindernd

Redaktion PraxisVITA

Johanniskrautöl gilt als wahrer Tausendsassa in der Hausapotheke. Es beruhigt nämlich nicht nur die Nerven.

Schale mit gestampften Johanniskraut
Johanniskrautöl kann sowohl äußerlich als auch innerlich angewendet werden Foto:  istock/Avalon Studio
Inhalt
  1. Was ist Johanniskrautöl?
  2. Johanniskrautöl selbst herstellen
  3. Die vielfältige Wirkungsweise von Johanniskrautöl
  4. Johanniskrautöl einnehmen
  5. Äußere Anwendung von Johanniskrautöl
  6. Johanniskrautöl gegen Hautkrankheiten und zur Pflege der Haut
  7. Kritik und Nebenwirkungen
  8. Johanniskraut – woher beziehen? 
 

Was ist Johanniskrautöl?

Johanniskrautöl ist auch unter dem Begriff Rotöl bekannt. Die lateinische Bezeichnung dafür ist Hyperici oleum. Während das Öl an sich nicht überall bekannt ist, gilt Johanniskraut seit Langem als ein populäres Heilmittel. Es hat eine stimmungsaufhellende Wirkung, wird bei leichten depressiven Verstimmungen eingesetzt, beruhigt die Nerven und sorgt auch für einen guten Schlaf. Hierfür wird das Kraut gesammelt, getrocknet und extrahiert.

 

Johanniskrautöl selbst herstellen

In Ölform soll Johanniskraut ein wahrer Kraftprotz sein. Die Herstellung ist ganz einfach:

  1. Schneiden Sie das blühende Kraut am oberen Drittel ab.
  2. Füllen Sie Blüten sowie Stängel in ein verschraubbares Glas (beispielsweise ein Marmeladenglas).
  3. Gießen Sie das Ganze mit Pflanzenöl auf – und zwar genug, um das gesamte Johanniskraut damit zu bedecken. Sie können dafür beispielsweise Olivenöl verwenden, aber auch Weizenkeimöl ist geeignet.
  4. Lassen Sie das verschlossene Glas an einem optimalerweise sonnigen, zumindest aber warmen Ort sechs Wochen lang ziehen. Gelegentlich sollten Sie das Glas schütteln. Sie können beobachten, wie sich das Öl nach und nach rötlich färbt.
  5. Nach sechs Wochen seihen Sie das Öl ab.

Am besten hält sich das Johanniskrautöl in Apothekerflaschen und aufbewahrt an einem dunklen und kühlen Ort. 

 

Die vielfältige Wirkungsweise von Johanniskrautöl

 

Johanniskrautöl einnehmen

Wie auch das reguläre Johanniskraut wirkt Johanniskrautöl als leichtes Antidepressivum. Neben der stimmungsaufhellenden und nervenberuhigenden Wirkung hat es, eingenommen mit etwas Flüssigkeit, aber noch zahlreiche andere positive Eigenschaften:

  • Johanniskraut wirkt sich positiv auf das Herz-Kreislauf-System aus
  • Es hilft Magen und Darm bei der Regeneration
  • Es soll Beschwerden in den Wechseljahren entgegenwirken
  • Es hilft bei Wetterfühligkeit
 

Äußere Anwendung von Johanniskrautöl

Aber auch eine äußerliche Anwendung von Johanniskrautöl hat eine Vielzahl von positiven Wirkungen. Es hat eine schmerzlindernde Wirkung – zum Beispiel bei Verletzungen, Verrenkungen, eingeklemmten Nerven oder Verbrennungen. Außerdem wirkt es entzündungshemmend und desinfizierend.
Es kann auch zur Haar- und Hautpflege eingesetzt werden. Hier hilft es gleichermaßen bei strapazierter, entzündeter und unreiner Haut als auch bei schnell fettendem Haar und schnell fettender Kopfhaut.

Für Magen- und Darmbeschwerden kommt sowohl eine innerliche als auch äußerliche Anwendung infrage. Oral eingenommen kann es die Heilung einer beanspruchten Magen- oder Darmschleimhaut unterstützen sowie die Beschwerden einer Magenschleimhautentzündung lindern. Äußerlich angewendet – beispielsweise um den Nabel herum einmassiert – hilft es bei Koliken.

 

Johanniskrautöl gegen Hautkrankheiten und zur Pflege der Haut

Johanniskrautöl hat auf die Haut eine äußerst positive Wirkung. So argumentieren einige, dass es bei Neurodermitis eingesetzt werden kann – einerseits zur Schmerzlinderung und Juckreizbekämpfung, aber auch zur Symptombekämpfung. Allerdings ist es unbedingt ratsam, eine eventuelle Behandlung nicht auf eigene Faust durchzuführen, sondern vorher mit dem behandelnden Arzt zu sprechen. Auch gegen Gürtelrose kann Johanniskrautöl eingesetzt werden – da es einerseits der Haut Feuchtigkeit spendet, andererseits aber auch desinfizierend und antibakteriell wirkt.

 

Kritik und Nebenwirkungen

Allerdings ist die Behandlung mit Johanniskraut per se nicht unumstritten. Bereits 2009 schrieb die “Frankfurter Rundschau” in einem Artikel namens “Johanniskraut hat seine Unschuld verloren“ über die negativen Seiten des populären Krauts – und so auch über jene des Johanniskrautöls. Zwar sei es ein “Kassenschlager der Selbstmedikation” bei leichten und mittelschweren Depressionen. Jedoch berichtet die Zeitung über Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten – deren Wirkung das Johanniskraut möglicherweise auflösen könne: „Offenbar löst Hypericum den Abbau eines Enzyms in der Leber aus, das erst dafür sorgt, dass die anderen Medikamente in den Stoffwechsel gelangen. So sank bei gesunden Probanden, die Johanniskraut und den Herzmittel-Wirkstoff Digoxin einnehmen, die Konzentration des Herzmittels um ein Viertel. Ähnliche Probleme gab es mit Blutverdünnern wie Marcoumar, Aids-Mitteln und Medikamenten zur Unterdrückung der Immunabwehr, die Patienten nach Transplantationen einnehmen müssen. In Beipackzetteln wird vor solchen Wechselwirkungen inzwischen ausdrücklich gewarnt”, so die Publikation.

Auch von Nebenwirkungen bei höheren Dosierungen wird berichtet: Darunter fielen etwa “Verdauungsstörungen, Schwindel, Hautjucken, höhere Lichtempfindlichkeit, Müdigkeit und innere Unruhe”. Allerdings seien dies immer noch weniger Nebenwirkungen als bei herkömmlichen Antidepressiva.

 

Johanniskraut – woher beziehen?
 

Wenn Sie Ihr Öl selber herstellen wollen, ist es ratsam, sich das Johanniskraut in der Apotheke zu kaufen. Zwar finden sich entsprechende Produkte auch bei etlichen Online-Händlern, jedoch ist es nicht immer ganz einfach, ein Urteil über die Seriosität der Anbieter zu fällen.
Sollten Sie das Johanniskrautöl gleich fertig kaufen wollen, finden Sie dieses ebenfalls in der Apotheke, aber auch in Reformhäusern, Drogeriemärkten oder bei diversen Online-Händlern.


Johanniskrautöl gilt sowohl bei äußerer als auch bei innerer Anwendung als durchaus potentes Mittel. Leiden Sie an Depressionen, ist es jedoch definitiv ratsam, mit Ihrem Arzt über eine Medikation zu sprechen und das Mittel nicht auf eigene Faust einzunehmen – vor allem, wenn Sie bereits andere Medikamente einnehmen müssen.

Quellen:

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