Joghurtdrink gegen Alzheimer?

Verena Elson
Mehrere Flaschen Joghurtdrink
Ein Joghurtdrink mit einem speziellen Nährstoffmix bringt Alzheimer-Patienten Vorteile, zeigt eine internationale Studie © iStock

Ein mit Nährstoffen versetzter Joghurtdrink soll das Voranschreiten der Alzheimer-Demenz verlangsamen. Kann das funktionieren? Ein europäisches Forscherteam ist dieser Frage in einer aktuellen Studie auf den Grund gegangen.

Bei einer Studie wurden 311 Probanden mit der Diagnose „Alzheimer im Prodromalstadiuzm" untersucht. Die Diagnose bedeutet, die Betroffenen hatten erste kognitive Einschränkungen wie Gedächtnisprobleme und Gehirnscans zeigten Veränderungen im Gehirn, die auf ein Frühstadium von Alzheimer hindeuteten. Ein europäisches Forscherteam um Professor Tobias Hartmann von der Universität des Saarlandes begleitete die Patienten an 11 unterschiedlichen Standorten in Deutschland, Finnland, den Niederlanden und Schweden und untersuchte, welche Auswirkungen eine bestimmte Nährstoffmischung auf die Probanden hatte.

 

Studie: Souvenaid im Test

Alle Studienteilnehmer nahmen zwei Jahre lang täglich einen Joghurtdrink (125 ml) zu sich. Bei der Hälfte der Probanden enthielt der Drink eine bestimmte Nährstoffmischung namens Fortysan Connect (in Apotheken als „Souvenaid“ erhältlich), bei der anderen Hälfte enthielt er keinen Wirkstoff, schmeckte aber identisch. Der Nährstoffmix enthält unter anderem Folsäure, verschiedene Omega-3-Fettsäuren, die Vitamine B6, B12, C und E, Selen und Cholin.

Es handelte sich um eine doppelblinde Studie, das bedeutet, weder die Probanden noch die betreuenden Mediziner wussten, welcher Patient welchen Drink erhielt. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden in dem Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlicht.

Zu Beginn der Studie, nach sechs, zwölf und 24 Monaten wurden die Probanden einer Reihe neuropsychologischer Tests unterzogen, beispielsweise sollten sie sich Wörter und Bilder einprägen. Zusätzlich wurde per Gehirnscans überprüft, ob und wie schnell die Gehirne der Patienten schrumpften – ein Anzeichen einer fortschreitenden Alzheimer-Demenz.

Ein Gehirn
Probanden, die den Nährstoffmix „Fortysan Connect“ einnahmen, schnitten in kognitiven Tetsts nicht besser ab. Doch sie kamen besser im Alltag zurecht und ihre Gehirne schrumpften langsamer© iStock
 

Keine Verbesserung in kognitiven Tests

Hauptziel der Studie war es, herauszufinden, ob die tägliche Einnahme des Fortysan Connect enthaltenden Drinks die Leistung der Probanden in den kognitiven Tests verbesserte. In dieser Hinsicht enttäuschte das Ergebnis, denn das tat sie nicht. Dennoch brachte sie Vorteile für die Patienten.

So stuften die behandelnden Ärzte das Fortschreiten der Erkrankung bei Patienten in der Nährstoffgruppe schwächer ein als in der Placebogruppe. Sie verwendeten dazu ein Punktesystem namens Clinical Dementia Rating, dass unter anderem zur Einschätzung der Beeinträchtigung von Alzheimerpatienten im Alltag dient. Es gibt beispielsweise Aufschluss darüber, wie gut sich Betroffene orientieren können, wie gut sie ihren Haushalt führen und ihren Hobbys nachgehen können und wie sie mit Problemen zurechtkommen.

 

Mit Nährstoffmix weniger Probleme im Alltag

Bei allen Probanden verschlechterten sich die Werte bei dieser Einstufung. Doch in der Nährstoffgruppe zeigte sich eine um 44 Prozent geringere Verschlechterung als in der Placebogruppe.

Auch die Gehirne der Teilnehmer in den verschiedenen Gruppen zeigten unterschiedliche Veränderungen. So schrumpfte der Hippocampus, der unter anderem für die Übertragung von Erinnerungen vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis zuständig ist, bei Probanden in der Nährstoffgruppe in den zwei Jahren um 26 weniger als bei Probanden in der Placebogruppe.

Der Nährstoffdrink brachte also Vorteile – stoppen kann er die Entstehung einer Demenz jedoch nicht. „Eine Heilung wird durch diese Behandlung noch nicht erreicht“, so Studienleiter Professor Hartmann, „aber es zeigt sich, dass je früher diese Intervention eingesetzt wird, desto größer ist der Nutzen für den Patienten.“ Man sollte zudem wissen, dass es sich um eine vom Hersteller finanzierte Studie handelt. Sie scheint aber alle klinischen Vorraussetzungen zu erfüllen – andernfalls wäre sie nicht in der rennomierten „The Lancet“ erschienen.

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