Joggen im Dunkeln – gefährlich oder gesund?

Dr. Justus Meyer Redaktionsleiter
Mann joggt im Dunkeln
Laufen im Dunkeln schult unsere motorischen Fähigkeiten, da wir in der Regel bei Dunkelheit sehr viel schneller auf Hindernisse reagieren müssen © istock

Ob vor oder nach der Arbeit, im Winter schaffen es die meisten Sportbegeisterten nicht, im Hellen laufen zu gehen. Neueste Forschungen belegen, dass das auch gar nicht schlecht sein muss – solange wir die wichtigsten Sicherheitstipps beachten.

Unser Gehirn lässt sich leicht täuschen – besonders von der Dunkelheit. Sie kann uns Dinge vorgaukeln, die nicht da sind, Ängste wecken und Panik auslösen völlig ohne Veranlassung. Außerdem macht sie alles schneller: Britische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass unser visuelles Zentrum optische Eindrücke anders verarbeitet – je nachdem, ob es hell oder dunkel ist.

Bei Helligkeit erscheinen uns bewegte Objekte langsamer – wohl, weil wir weit in die Ferne schauen können –, bei Dunkelheit schneller. Das trifft sogar auf uns selbst zu. Wir nehmen uns beim Laufen als schneller wahr, als wir eigentlich sind. Und sind dementsprechend auch schneller erschöpft. So weit, so schlecht. Schließlich kostet uns das Joggen in der Regel eh schon genug Überwindung, im Winter erst recht. Und dann soll es auch noch anstrengender sein als im Sommer...

Aber so klar ist die Forschungslage nicht. Bei einer Studie, die an der London University durchgeführt wurde, kam es den Teilnehmern nicht nur so vor, als würden sie schneller laufen, sie taten es auch. Dennoch fühlten sie sich nach der gleichen Strecke weniger erschöpft als die Tagläufer. Weitere Forschungen werden wohl mehr Licht in die Sache bringen müssen. 

 

Kann Dunkelheit das Gehirn ausschalten?

Erst spielt es uns etwas vor und dann soll es trotzdem durch Dunkelheit regelrecht ausgeknipst werden? Das behauptet zumindest der australische Wissenschaftler Damian Farrow. „Nachts zu laufen, verändert definitiv unser Sinnesempfinden. Am Tag kontrollieren unsere Augen, wie wir laufen“, sagt Farrow. „Nachts verlassen wir uns dagegen auf unsere sogenannten propriozeptiven Fähigkeiten. Unser Gefühl für den Untergrund ist dann stärker ausgeprägt.“

Frau joggt nachts
Nachts verlassen wir uns auf unsere sogenannten propriozeptiven Fähigkeiten. Unser Gefühl für den Untergrund ist dann stärker ausgeprägt© istock

Die Folge: „Wir laufen potenziell effektiver. Denn das funktioniert am besten in einem eher automatischen Zustand, als wenn es kontrolliert und bewusst stattfindet.“ Außerdem schulen wir unsere motorischen Fähigkeiten, da wir in der Regel bei Dunkelheit sehr viel schneller reagieren müssen – zum Beispiel auf Hindernisse oder erst spät sichtbare Pfützen.

Es scheint demnach durchaus sinnvoll und gesund zu sein, noch vor der Morgen- bzw. nach der Abenddämmerung draußen Sport zu treiben. Unsere Motorik sollte profitieren und wir könnten sogar leistungsfähiger sein.

 

Sicher durch die Nacht

Tatsächlich steigt allerdings auch das Risiko, je schlechter wir sehen und gesehen werden. Daher gilt: Bei Dunkelheit stets Kleidung mit Reflektoren und/oder angeclipten Leuchten tragen, möglicherweise durch eine Stirnlampe ergänzen. Außerdem sollten wir – falls wir beim Laufen Musik hören möchten – die Lautstärke soweit drosseln, dass wir das Geräusch unserer auftretenden Füße und Autos hören können. Und zu guter Letzt sollten wir immer ein Mobiltelefon mitführen, um im Notfall Hilfe holen zu können.

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.