Jens Spahn: „Kann sein, dass wir neu Impfen müssen“

Ines Fedder Medizinredakteurin

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn äußerte sich in der Bundespressekonferenz zur aktuellen Pandemie-Lage und gesteht Fehler ein. Trotz sinkender Zahlen reiche es noch nicht. Alle Hintergründe hier!

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mit RKI-Chef Lothar H. Wieler
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mit RKI-Chef Lothar H. Wieler Foto:  IMAGO/Jens Schicke
Inhalt
  1. Jens Spahn: Das reicht noch nicht
  2. Spahn: Impfknappheit noch einige Wochen
  3. Streit um AstraZeneca-Impfstoff: Kein „Europa first“
  4. Bundesgesundheitsminister Spahn: Fehler bei der Impfstoffbestellung
  5. Ausbreitung der Corona-Mutationen: Was jetzt wichtig ist
  6. RKI-Chef Lothar Wieler: „Wir sind auf einem guten Weg“

Bei der regelmäßig stattfindenden Bundespressekonferenz, die von unabhängig Journalisten initiiert wird, äußerten sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der Präsident des Robert Koch-Instituts Lothar H. Wieler und sowie der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) Prof. Dr. Klaus Cichutek und die Leiterin der Sektion Infektiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Prof. Dr. Marylyn Addo zur aktuellen Pandemie-Lage in Deutschland.

Im Fokus der Pressekonferenz: das Thema Impfen und die neu aufkommenden Virus-Mutationen. Hoffnung auf weitere Corona-Lockerungen aufgrund sinkender Infektionszahlen wurden bereits zu Beginn der Konferenz jäh zerschlagen. 

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Jens Spahn: Das reicht noch nicht

„Es ist seit einigen Tagen ein positiver Trend zu sehen. Die 7-Tage-Inzidenz liegt seit langem wieder unter 100“, beginnt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Experten-Runde. Dies alleine reiche aber noch nicht. Es zeigt zwar, dass die Einschränkungen privat und im öffentlichen Leben wirken, die Wahrheit sei aber, dass es noch einige Wochen dauern wird, so Spahn. „Wir wollen runter mit den Zahlen“, erklärt der Gesundheitsminister.

 

Spahn: Impfknappheit noch einige Wochen

Der Weg raus aus der Pandemie gehe vor allem durch die Durchführung von Impfungen. In Deutschland sind bereits 2,2 Mio. Dosen verimpft. „Bis Mitte Februar wollen die Länder und der Bund alle Bewohner in Pflegeheimen ein Impfangebot gemacht haben“, erklärt der Bundesgesundheitsminister, dessen Impfvorgehen heftig in der Kritik steht. Es werde noch einige Wochen eine Impfknappheit in Deutschland bestehen. Aber die Ungeduld wächst, das spürt auch Jens Spahn.

 

Streit um AstraZeneca-Impfstoff: Kein „Europa first“

Eine weitere Hoffnung: heute soll der Impfstoff von AstraZeneca von der europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) zugelassen werden. „Der Impfstoff ist leichter zu handhaben“, erklärt der Gesundheitsminister den Vorteil. Und dennoch gibt es Probleme. Die Frage „was ist möglich und was ist nicht möglich“, beschäftigt nicht nur Spahn selbst.

Ein aktuelles Problem: AstraZeneca kann wohl nicht die bestellte Impfstoff-Menge liefern. Die Bundesregierung steht in Verhandlungen: „Die Mitgliedstaaten der europäischen Union haben an der Impfstoff-Entwicklung mitgewirkt.“ Jetzt ginge es darum, davon zu profitieren. Dabei soll nicht „Europa first“ gelten, so Spahn. Stattdessen soll es fair zugehen. 

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Bundesgesundheitsminister Spahn: Fehler bei der Impfstoffbestellung

Immer wieder wird der Bundesregierung vorgehalten, man habe zu wenig Impfstoff bestellt – zuletzt ging Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hart mit der Bundesregierung und Jens Spahn ins Gericht. Spahn gibt zu, dass Fehler passiert seien. „Man hätte natürlich auch früher bestellen können. Dass es aber auch europäische Prozesse gab, muss man berücksichtigen.“

Zukünftig, auch bei Impfstoffherstellern, die noch keine Zulassung erhalten habem, werde man anders reagieren. „Ich finde es vorausschauend auch mit den Erfahrungen, die wir gemacht haben, dass wir jetzt schon zusätzliche Bestellungen machen, die über das erste Impfangebot hinausgehen, erklärt Jens Spahn.

Ein wesentlicher Grund dafür könnte die Ausbreitung von neuen Corona-Varianten sein, insbesondere der Corona-Mutation aus Großbritannien. 

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Ausbreitung der Corona-Mutationen: Was jetzt wichtig ist

Man werde natürlich auch zu einem Zeitpunkt, an dem allen bereits ein Impfangebot vorliegt, weiteren Impfstoff nachbestellen. Man müsse Tag für Tag alles dafür tun, damit zukünftig geimpft werden kann. Im Bezug auf die Corona-Mutation könne es sogar notwendig sein, „dass wir aufgrund der Mutation neu impfen müssen.“ Spahn betont daher eindringlich: „Das Virus ist der Gegner, nicht die Pharma-Industrie.“

Ob tatsächlich eine weitere Impfung aufgrund veränderter Coronaviren möglich sein werde, müsse die Zeit zeigen. Prof. Dr. Marylyn Addo, Leiterin der Sektion Infektiologie am Hamburger Universitätsklinikum (UKE), geht derzeit aber nicht davon aus. Zwar beobachte man die Mutation  derzeit mit Sorge, allerdings eher in Bezug auf die schnellere Ausbreitung als im Bezug auf die Wirksamkeit der Impfstoffe. Die Hersteller Biontech und Moderna haben bereits in Studien nachgewiesen, dass das Plasma von Geimpften auch weiterhin bei den Mutationen Wirkung zeigt. Zudem könne man die Impfstoffe sehr schnell anpassen, falls nötig, erklärt die Expertin. 

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RKI-Chef Lothar Wieler: „Wir sind auf einem guten Weg“

Der RKI-Präsident, Lothar Wieler, sieht Deutschland auf einem guten Weg, man müsse aber aufgrund der Mutationen besonders vorsichtig sein. „Was uns Sorge bereitet, sind die neuen Ausbrüche mit der neuen Variante des Virus“, erklärt der RKI-Chef. „Wir wissen nicht, ob die Varianten gefährlicher sind und ob die Menschen, die bereits erkrankt waren oder schon geimpft sind, weiterhin gegen das Virus in diesem Maße immun sind.“

Zudem ist die Inzidenz zwar gesunken, jedoch gäbe es immer noch zu viele Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen. „Wir müssen gemeinsam verhindern, dass es einen neuen starken Anstieg der Fallzahlen gibt“, so Wieler. Er appelliert noch einmal eindringlich:
 

„Lassen Sie uns auf das Wesentliche schauen, damit sich dieser verdammte Virus nicht weiter verbreitet. Wie immer die Variante heißt.“

Deutschland steht weiter vor großen Herausforderungen, was die Pandemie-Bekämpfung angeht. Der Wettlauf gegen das Virus hat sich mit den neuen Corona-Varianten noch weiter verschärft und wird daher wohl noch weitere Kraftanstrengungen erfordern.

 

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