Spahn prophezeit: Lockerungen noch im Winter

Ines Fedder Medizinredakteurin

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn macht entgegen der Meinung von Experten im Hinblick auf die Lockdown-Dauer weiter Hoffnung und prophezeit ein Ende der Corona-Maßnahmen noch im Winter. 

In einem Interview mit der Funke-Medien-Gruppe nimmt Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Stellung und erklärt: Erste Corona-Lockerungen müssen noch im Winter kommen. Wie und wann genau kommt das Lockdown-Ende?

"Wir können nicht den ganzen Winter in diesem harten Lockdown bleiben", erklärt Jens Spahn den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Das würden wir nicht gut aushalten als Gesellschaft", so der Minister. Mit dieser Meinung spricht er sicherlich einigen Ministerpräsidenten aus der Seele, die sich bereits in der Vergangenheit für Corona-Lockerungen ausgesprochen haben.

So stellte Daniel Günther, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, bereits einen Stufenplan vor, wie die Rückkehr zur Normalität Corona-konform ablaufen könnte. Und auch andere Ministerpräsidenten zogen nach. Spahn ist sich sicher: Bei den Lockerungen seien Kitas und Schulen auf jeden Fall zuerst dran. 

 

Jens Spahn zu Corona-Lockerungen: Übergang vom Lockdown in den Normalzustand

Am kommenden Mittwoch, 10. Februar, findet das nächste Gipfeltreffen von Bund und Ländern statt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dann auch über erste Lockerungen vor allem im Schulbereich diskutiert wird. Spahn nennt die derzeitige Entwicklung schon einmal "ermutigend". Für ihn sei klar: "Man brauche einen verantwortungsvollen Übergang vom Lockdown in einen neuen Normalzustand", so der Bundesgesundheitsminister. Entgegen der Forderung Spahns und der Ministerpräsidenten der einzelnen Länder nach mehr Freiheiten und einem Ende des harten Lockdowns stehen die Worte von Virologe Christian Drosten. Er warnt vor zu schnellen Lockerungen. 

Graphik mit Weltkugel und Corona-Mutation
Krankheiten & Behandlung Super-Mutante entdeckt! Neue Corona-Variante beunruhigt Forscher

 

Christian Drosten: Maßnahmen nicht so schnell lockern

In seinem Podcast "Coronavirus"-Update warnt Virologe und Leiter der Charité Christian Drosten vor zu schnellen Lockerungen und richtet sich demnach gegen den ausdrücklichen Wunsch vieler Politiker. Aus wissenschaftlicher Sicht habe man noch nicht wieder die Kontrolle über das Virus. "Für die Zeit bis Ostern können wir noch nicht viel an Bevölkerungsschutz durch Impfung erwarten", erklärt der Experte. Wo und wie schnell man lockere, müsse man genau prüfen, fordert der Virologe. Seine Sorge: Es könne zu zahlreichen schweren Krankheitsverläufen in der mehr als 23 Millionen Menschen umfassenden Gruppe der 40 bis 60-Jährigen kommen, wenn man zu früh lockere.

Wie immer steht auch in diesem Fall die politische und soziale Komponente entgegen der der Wissenschaft. Beides unter einem Hut zu bekommen, wird abermals eine harte Aufgabe bei der kommenden Ministerkonferenz sein. Wenn es nach Jens Spahn geht, könnten erste Lockerungen möglichst bald erfolgen. In einem früheren Interview mit dem ZDF sprach er sogar bereits von ersten Aufhebungen Mitte Februar. 

Peter Altmaier mit FFP2-Maske im Bundestag
Service Peter Altmaier: Keine Lockdown-Lockerungen trotz sinkender Inzidenz?

 

Lockdown-Ende: Spahn spricht von Lockerungen Mitte Februar

Im Gespräch mit dem ZDF erklärte Spahn damals auf die Frage, auf welche Faktoren es bei einer möglichen Lockerung der Lockdown-Maßnahmen ankommt, dass es mehrere Aspekte gebe, die berücksichtigt werden müssen bei dieser Entscheidung. Er gehe aber davon aus, dass es spürbare Lockerungen bereits ab dem 14. Februar geben wird

 

Corona-Lockerungen: Auf diese 3 Faktoren kommt es an

Auf diese Faktoren kommt es bei einem möglichen Lockdown-Ende nach Meinung von Jens Spahn an:

  1. Die Zahl der Corona-Patienten muss weiter sinken.
  2. Die Fallzahlen müssen in eine Größenordnung gebracht werden, bei der die Gesundheitsämter die Kontakte wieder gut nachverfolgen können.
  3. Bei begründeten Verdachtsfällen muss es gelingen, alle Personen in Quarantäne zu bringen und diese auch zu kontrollieren.

Bundeskanzlerin Angela Merkel
Service Angela Merkel: Pandemie eine Zumutung

 

Corona-Zahlen: Neuinfektionen und Inzidenz-Wert sinkt weiter

Und die Zahlen zeigen einen deutlichen Aufwärts-Trend in den vergangenen Tagen. Das Robert Koch-Institut meldet am heutigen Donnerstag, 4. Februar, insgesamt 14.211 Neuinfektionen innerhalb 24 Stunden. Vor einer Woche noch lag die Zahl bei 17.533. Zudem wurden 941 Todesfälle dem RKI von den Gesundheitsämtern gemeldet. Der Wert der Sieben-Tage-Inzidenz liegt derzeit bei 80,7 und der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert bei 0,85. Das bedeutet, dass 100 Infizierte rein rechnerisch 85 weitere Menschen anstecken. 

Ansteckungswege in der Bevölkerung
Service Corona: Wie wird die Reproduktionszahl berechnet?

 

Corona-Lockerungen: Als Erstes werden die Schulen geöffnet

Die aktuell laufende Lockdown noch bis zum 14. Februar – dann geht der Gesundheitsminister Jens Spahn von Lockerungen der Maßnahmen aus. Die Ministerpräsidenten der einzelnen Länder haben noch bis zur nächsten Ministerkonferenz Zeit, sich über einen konkreten Plan Gedanken zu machen. Klar ist jedoch – und da sind sich nahezu alle Ministerpräsidenten und die Kanzlerin einig –, dass erste Lockerungsmaßnahmen in erster Linie den Schul- und Kita-Betrieb betreffen werden.

Quellen: 

Spahn plädiert für Lockerungen dr Corona-Regeln noch im Winter, in: Spiegel.de
Drosten warnt vor zu schnellen Lockerungen, in: faz.net

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2021 praxisvita.de. All rights reserved.