Spahn und Lauterbach: Zurück in den Lockdown!

Ines Fedder Medizinredakteurin

Gesundheitsminister Jens Spahn und Experte Karl Lauterbach verbreiten alles andere als Optimismus in der jetzigen Corona-Lage. Eine Rückkehr zum harten Lockdown, da ist man sich einig, scheint unvermeidbar. Das sind die Gründe.

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Inhalt
  1. Jens Spahn: Lockerungen wieder zurücknehmen
  2. Jens Spahn und Karl Lauterbach: Lockdown bleibt alternativlos
  3. Karl Lauterbach: Fulminante dritte Welle
  4. Lockdown-Forderungen vor Ministerkonferenz
  5. Testen als Weg aus der Krise: Alle Kapazitäten für Schulen

Nur einen Tag nach der Empfehlung der europäischen Arzneimittelagentur (EMA), die Impfungen mit dem Vakzin von AstraZeneca wieder aufzunehmen, stellten sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Gesundheitsexperte Karl Lauterbauch und der Vize-Präsident des Robert Koch-Instituts, Prof. Lars Schaade, den Fragen der Presse bei der regelmäßig stattfindenden Bundespressekonferenz.

Nur wenige Tage vor der nächsten Ministerkonferenz am Montag, bei dem Bund und Länder über die weiteren Corona-Maßnahmen in Deutschland verhandeln, verbreiten die Experten nur wenig Optimismus. Mehr noch: Gleich mehrere Hiobsbotschaften sorgten für Aufregung

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Jens Spahn: Lockerungen wieder zurücknehmen

„Wir hatten gehofft, dass wir langsam die Einschränkungen lockern können, dann gingen die Zahlen wieder nach oben“, beginnt Jens Spahn seine Ausführungen bei der Bundespressekonferenz. Der Gesundheitsminister wiederholt: „Wir werden noch einen langen Atem brauchen.“ Einen, der durch den Stopp der Impfung mit dem Vakzin von AstraZeneca noch weiterer und längerer Belastung standhalten muss.

„Wir haben über 7 Millionen Deutsche erstgeimpft. Es geht heute weiter mit der Frage, wie wir es weiter beschleunigen können“, so Jens Spahn. Denn, da sind sich alle Experten einig: Die Impfung ist ein Weg raus aus der Krise. Jedoch gehöre zur ehrlichen Lage-Analyse auch, dass es in Europa nicht genügend Impfstoff gibt, um die dritte Welle durch Impfungen zu stoppen

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Jens Spahn und Karl Lauterbach: Lockdown bleibt alternativlos

Eine Alternative zum Lockdown scheint es momentan also nicht zu geben. „Wir sind aus meiner Sicht an die Grenze gegangen, was aus Gesundheitsschutz vereinbar ist. Deshalb müssen wir am Montag auch über Rücknahmen sprechen“, greift Gesundheitsminister Jens Spahn schon einmal vor. Gesundheitsexperte Karl Lauterbach drückt sich in puncto Lockdown ein wenig konkreter aus.

 

Karl Lauterbach: Fulminante dritte Welle

„Wir sind im Begriff einer fulminanten dritten Welle“, erklärt Karl Lauterbach (SPD) bei der Bundespressekonferenz. Er prophezeit: Der R-Wert bei der Mutante B1.1.7, die hier in Deutschland schon eine Verbreitung von über 70 Prozent erreicht hat, werde in Deutschland künftig bei ungefähr 1,3 liegen. Das würde eine Verdopplung der Fallzahlen in Deutschland in circa 14 Tagen bedeuten mit einer Inzidenz von circa 200. 

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Lockdown-Forderungen vor Ministerkonferenz

Lauterbach ist sich sicher, dass ein Lockdown noch vor Ostern daher unumgänglich ist. Die Situation sei aus seiner Sicht nur abzufedern, wenn man zurück in den Lockdown gehe. Bei der Umsetzung gibt es zwei Wege, die laut Lauterbach beide auf das gleiche Ergebnis hinauslaufen: „Entweder einen schnellen und harten Lockdown, der nicht so lange dauert. Oder wir verzögern und kommen auch einen Lockdown, der wesentlich länger dauert.“ Klar ist jedoch: Der Lockdown ist unumgänglich, egal wie.

 

Testen als Weg aus der Krise: Alle Kapazitäten für Schulen

Das vermehrte Testen als Weg aus der Krise sei für Lauterbach als auch für Gesundheitsminister Jens Spahn zwar ein wichtiger Schritt, könne den Lockdown jedoch nicht ersetzen. Da Kinder und Jugendliche von der hier dominanten Virus-Mutation B1.1.7 besonders stark betroffen sind, fordert Karl Lauterbach, alle Testkapazitäten für den Schulbetrieb zu verwenden.

Er habe derzeit zwar keinen Überblick, wie die Testkapazitäten dort sind, man müsse jedoch unbedingt verhindern, dass sich das Virus in der jüngeren Bevölkerungsgruppe ausbreite. Notfalls lieber in Schulen testen, als die Testkapazitäten im privaten Bereich auszureizen

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Es stecken sich wieder deutlich mehr Menschen an, macht Prof. Lars Schaade, Vize-Präsident des Robert Koch-Instituts, noch einmal deutlich. „Dieser Anstieg der Fallzahlen ist real und lässt sich nicht damit erklären, dass mehr Schnelltests gemacht werden.“ Es ist daher nicht verwunderlich, dass auch Jens Spahn noch einmal betont, dass man in einer Situation sei, die „sehr, sehr schwer werden wird“.

Testen sei ein wichtiges Instrument, aber es sei nicht die Lösung aller Probleme. Auch Impfungen seien ein wichtiger Bestandteil, jedoch müssten diese drastisch beschleunigt werden. Und so bleibt vorerst ein erneuter Lockdown das einzige Mittel, um die Zahlen nachhaltig zu senken.

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