Jens Spahn appelliert an die Bevölkerung: „Jahrhundert-Pandemie!“

Ines Fedder Medizinredakteurin

4.000 Neuinfektionen – ein so starker Anstieg der gemeldeten Infektionszahlen gab es in Deutschland seit Beginn der Corona-Pandemie noch nicht. In einer Pressekonferenz gemeinsam mit dem Robert Koch-Institut äußerte sich nun Gesundheitsminister Jens Spahn zur dramatischen Lage in Deutschland – und ermahnt: „Man dürfe die Kontrolle nicht verlieren.“

Gesundheitsminister Jens Spahn redet
Jens Spahn äußerte sich in einer Pressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage Foto:  imago images/Metodi Popow
Inhalt
  1. RKI erklärt: Wie wird Corona derzeit behandelt?
  2. Corona-Risikogruppen: RKI warnt vor falschen Annahmen
  3. Jens Spahn: Wie groß ist die Gefahr vor einem neuen Lockdown?
  4. Kritik an nicht einheitlichem Beherbergungsverbot innerdeutschlands
  5. Spahn appelliert an Bürger: Akzeptanz bei der Bevölkerung

Die Lage ist angespannt, das zeigen auch die vielen Fragen am Donnerstagmorgen bei einer Pressekonferenz mit Gesundheitsminister Jens Spahn und dem RKI bezüglich möglicher Sanktionen und Maßnahmen, um das Infektionsgeschehen in Deutschland einzudämmen. Allem voran zeigte  Jens Spahn aber dennoch optimistisch: „Ich hoffe, dass wir es schaffen, die Infektionen auf ein Level zu halten, das wir damit umgehen können.“

Damit umgehen, das könne man derzeit ganz gut, erklärt Susanne Herold, Leiterin der Infektiologie an der Uniklinik in Gießen. „Wir haben die Krankheit deutlich besser verstehen gelernt und können den Verlauf besser einschätzen.“

 

RKI erklärt: Wie wird Corona derzeit behandelt?

Eine neue Erkenntnis der aktuellen Forschung: Bei Corona kann es zu Infektionen der Gefäße kommen. „Patienten bekommen sehr häufig Blutgerinnsel.“ Daher wird aktuell verstärkt mit Gerinnungshemmern gearbeitet wie Dexamethason. Und natürlich mit Remdesivir, ein Medikament, welches ursprünglich zur Behandlung von Ebola eingesetzt wurde und antiviral wirkt. 

Zudem wird an weiteren Behandlungsmöglichkeiten geforscht, um die Virusaufnahme zu verhindern sowie die überschießende Entzündungsreaktion im Körper abzumildern. Hier sei die Forschung dran und habe bereits vielversprechende Ansätze.

 

Corona-Risikogruppen: RKI warnt vor falschen Annahmen

RKI-Präsident Lothar Wieler warnte dennoch noch einmal nachdrücklich, dass die Annahme, nur für ältere, vorbelastete Menschen sei Corona gefährlich, falsch sei. „Es ist keine Erkrankung der Alten und Schwachen.“ Das Risiko, an einer COVID-Erkrankung zu sterben, steigt ab dem Alter von 60 Jahren. Er habe aber auch schon 60-jährige, gesunde und vorher top fitte Menschen gesehen, deren Erkrankung einen schweren Verlauf genommen habe. 

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Jens Spahn: Wie groß ist die Gefahr vor einem neuen Lockdown?

Angesichts der steigenden Zahlen ist die Angst vor einem erneuten Lockdown verständlicherweise groß. Gesundheitsminister Jens Spahn gibt Entwarnung: Einen zweiten Lockdown in dieser Form werde es nicht geben, aber: „Regional und in bestimmten Bereichen brauche es Beschränkungen.“ Das seien Bereiche wie Feiern, Geselligkeit, Großveranstaltungen, Hochzeit und religiöse Zusammenkünfte, so der Minister.

Im Bezug auf die Nichteinhaltung von Maskenpflicht und anderen Regeln erklärte Spahn zudem: „Kontrollen seitens der zuständigen Behörden sind notwendig.“

 

Kritik an nicht einheitlichem Beherbergungsverbot innerdeutschlands

Damit notwendige Maßnahmen eingehalten werden, müsse der Bürger die erforderlichen Schritte allem voran gut nachvollziehen können. Dies sei bezüglich der inndeutschen Reiseregelung nicht der Fall. „Der einheitliche Rahmen muss stimmen, vor allem bei Reisen“, erklärt Spahn und gibt zu: „Der Weg zu einheitlichen Entscheidungen ist manchmal einer, der ruckelt, sodass viele Fragen beim Bürger entstehen.“

Deutlich wird Spahn dann, wenn er an die Bevölkerung appelliert: „Wir haben es doch alle gemeinsam in der Hand.“ Jeder müsse sich fragen, ob die Hochzeitsfeier mit 200 Gästen in dieser Jahrhundert-Pandemie sein muss.

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Spahn appelliert an Bürger: Akzeptanz bei der Bevölkerung

„Unser höchstes Gut ist die Akzeptanz der Bevölkerung für das, was wir tun. Am Ende kommt man mit Zwang und Regeln nicht weiter. Mitmachen lebt von Akzeptanz und das es eine Möglichkeit gibt, nachzuvollziehen, was, warum gilt.“

Da das Bewusstsein für Hygiene und die entsprechenden Maßnahmen auch in Kliniken und Pflegeeinrichtungen bereits gestärkt sei, blicken Gesundheitsminister Spahn und das RKI optimistisch in den Herbst. „Wir müssen uns nur an die Konzepte halten“, bekräftigt noch einmal der Gesundheitsminister Jens Spahn im Bezug auf die Corona-Lage.

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