Ist nackt schlafen gesund? Diese 3 Gründe sprechen dafür!

Verena Elson Medizinredakteurin

Ganz ohne Kleidung zwischen die Laken kuscheln: Für die einen klingt das nach Freiheit und Wohlgefühl; die anderen finden es ungemütlich oder sogar eklig. Doch ist nackt schlafen gesund – oder sogar schädlich?

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An heißen Sommertagen kann die Hitze das Schlafen unmöglich machen – so mancher sehnt sich dann danach, auch die letzten Hüllen fallen zu lassen und ganz unbekleidet zu schlafen. Doch ist nackt schlafen gesund? Diese drei Vorteile kann es haben – immer vorausgesetzt, man riskiert dabei keine Unterkühlung.

 

1. Nacktschlafen kann die Einschlafzeit verkürzen

Nackt schlafen kann die Zeit bis zum Einschlafen verkürzen – aus folgendem Grund:

Im Schlaf sinkt die Körperkerntemperatur um bis zu ein Grad Celsius; nachts, in der Tiefschlafzeit, ist sie am niedrigsten.  

Wer sich nackt zwischen die Laken legt, hilft seinem Körper beim Erreichen der optimalen Einschlaftemperatur und sendet so ein Signal an das Gehirn: Jetzt ist Einschlafzeit.

Das kann das Wachliegen besonders an heißen Tagen tatsächlich verkürzen – vorausgesetzt, man fühlt sich wohl beim Schlafen ohne Pyjama. Allerdings gibt es keine Studien, die diesen positiven Effekt des Nacktschlafens beweisen; die Devise lautet daher Ausprobieren.

An kühleren Tagen ist das unbekleidete Schlafen jedoch nicht zu empfehlen: Denn in der sogenannten REM-Schlaf-Phase ruhen die Reflexe zur Regulierung der Körpertemperatur. Wer in dieser Schlafphase friert, zieht sich nicht aus Reflex die Decke über die Schultern. Bei niedrigen Temperaturen im Schlafzimmer droht dann eine Unterkühlung.

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2. Unbekleidet schlafen könnte Fruchtbarkeit bei Männern erhöhen

Hitze ist ein Spermienfeind – und in enger Unterwäsche kann es leicht zu einem „Hitzestau“ kommen. Eine US-Studie von Forschenden der Stanford University und des National Institute of Child Health and Human Development (NICHD) legt sogar nahe, dass das Schlafen ganz ohne Unterwäsche der Spermienqualität förderlich sein kann.

Für die Studie wurden 500 Männer ein Jahr lang begleitet. Die Wissenschaftler:innen hielten dabei sowohl die Spermienqualität der Probanden fest, als auch, welche Unterwäsche sie tagsüber und nachts trugen.

Dabei stellten sie fest: Männer, die tagsüber Boxershorts trugen und nachts nackt schliefen, wiesen 25 Prozent weniger DNA-Fragmentierung (Beschädigung der Spermien-DNA) auf als Studienteilnehmer, die tags und nachts enge Unterhosen trugen.

Die Forschenden schließen daraus, dass die ideale Bekleidung der Hoden so aussieht: tagsüber lockere Boxershorts, nachts nichts.

Andere Expert:innen weisen jedoch darauf hin, dass der durch die Unterwäsche erreichte Effekt so gering sei, dass er kaum den Unterschied zwischen Zeugungsfähigkeit und Unfruchtbarkeit ausmachen könne – höchstens in ausgemachten „Grenzfällen“.

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3. „Hüllenlos“ schlafen verbessert das Sexleben

Hautkontakt fördert die Ausschüttung des Bindungshormons Oxytocin. Einige Sexualforscher:innen betonen daher, dass Nacktschlafen Nähe und Innigkeit zwischen Partner:innen fördern kann.

Dazu kommt: Wer nackt ist, fühlt sich (mit höherer Wahrscheinlichkeit) sexy. Zusammen mit dem „zufälligen“ Haut-an-Haut unter den Laken kann das die Libido steigern und zu häufigerem Sex führen – und sowohl eine glückliche Beziehung als auch regelmäßiger Sex sind Booster für die Gesundheit.

 

Das sollten Nacktschläfer beachten

Zwei Punkte sollte Nacktschläfer in jedem Fall beachten:

  • Unterkühlung vermeiden: Ganz ohne Kleidung zu schlafen ist etwas für heiße Tage – an kühleren Tagen und in der kalten Jahreszeit ist die Gefahr einer Unterkühlung zu groß. Auf keinen Fall sollten Nacktschläfer nachts auf eine Decke verzichten; zumindest ein dünnes Laken sollte den Körper bedecken.
  • Bettwäsche häufiger waschen: Was der Pyjama  normalerweise zumindest teilweise aufsaugt, landet bei Nacktschläfern in den Laken – also menschlicher „Abfall“ wie  Schweiß und Hautschüppchen. Damit das unbehüllte Schlafen hygienisch bleibt, empfehlen Expert:innen daher, die Bettwäsche etwa zweimal pro Woche zu waschen.
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Ist nackt schlafen gesund? Eine Glaubensfrage

Die Antwort auf die Frage nach den Gesundheitsvorteilen des unbekleideten Schlafens ist also wissenschaftlich nicht ganz leicht zu beantworten. Entscheidend ist wohl, inwiefern das Nacktschlafen das individuelle Wohlbefinden beeinflusst: Sich nackt und frierend unter die Decke zu legen, um eventuelle Gesundheitsvorteile zu erreichen, macht sicherlich keinen Sinn.

Wer sich dagegen ohne Bekleidung im Bett besonders frei und wohl fühlt, schläft ohne Pyjama auch schneller ein und bekommt folglich mehr Schlaf; und dann ist nackt schlafen auch gesund.

Quellen:

Benefits of Sleeping Naked, in: sleepfoundation.org

Top 10 Benefits of Sleeping Naked, in: healthline.com

Mínguez-Alarcón, L., et al. (2018): Type of underwear worn and markers of testicular function among men attending a fertility center, in: Human Reproduction

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