Ist mein Herz wirklich gesund?

Starkes Immunsystem um Herzkrankheiten vorzubeugen
Um koronaren Herzkrankheiten vorzubeugen, sollten Sie ein starkes Immunsystem haben – wichtig dafür ausreichend Entspannung und frische Luft © Fotolia

Stechen, Stolpern, Rasen, Vorhofflimmern – dahinter steckt meist eine harmlose Ursache, z. B. Stress. Doch Sie sollten auch wissen, wann es ernst wird.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die Todesursache Nummer eins in Deutschland. Zwar hat sich bei den Infarkten die Zahl der Sterbefälle in den vergangenen Jahrzehnten fast halbiert, doch ein ungesunder Lebensstil und wachsende Lebenserwartung fordern unsere Pumpe enorm. Bei diesen Krankheiten sollten Sie aufpassen:

 

Vorhofflimmern

Herzschwäche oder Bluthochdruck können die Beschwerden auslösen, manchmal steckt auch eine Schilddrüsen-Überfunktion dahinter. Die erschöpften Vorhöfe der Herzkammern verlieren den Rhythmus und fallen in ein überreiztes Flattern. Vorhofflimmern ist nicht lebensgefährlich, erhöht aber die Schlaganfall-Gefahr.

Häufigkeit: Zwischen 60 und 80 Jahren liegt das Risiko bei fünf Prozent, ab dem 80. Lebensjahr bei 13 Prozent.

Symptome: Unregelmäßiger Puls, Schwindel, Schwächegefühl und Atemnot, oft begleitet von Schmerzen in der Brust.

Behandlung: Durch sogenannte Betablocker kommt das Herz wieder in Takt. In schweren Fällen wird es mit Elektroschocks aus dem Flimmern "geschreckt", oder der Kardiologe verödet per Katheter-Operation Punkte in der Herzwand, um die elektrischen Signale im Herzmuskel zu dämpfen.

Vorbeugung: Oft treibt Stress den Blutdruck in die Höhe. Entspannungstechniken wie Yoga bringen das Herz zur Ruhe.

 

Koronare Herzkrankheit

Durch zu hohen Blutdruck entstehen Risse in den Herzkranzgefäßen, die zwar wieder verheilen, doch die Narben verkleben mit Cholesterin aus dem Blut. Das führt zu Verengungen in den Gefäßen. Bei einem Verschluss kommt es zum Infarkt.

Häufigkeit: Mehr als 250 000 Menschen erleiden jedes Jahr einen Herzinfarkt, jeder Vierte davon stirbt.

Symptome: Typisches Warnzeichen ist die Herzenge, die sogenannte Angina pectoris, mit Schmerzen und Engegefühl in der Brust. Bei Frauen äußert sich der Infarkt häufig anders.

Behandlung: Durch eine Arterie im Bein schiebt der Kardiologe einen Katheter mit einem Kunststoffballon bis zu der verengten Stelle. Dort bläst er den Ballon auf und dehnt das Gefäß. Oft muss es von innen mit einem Röhrchen aus Metallgitter gestützt werden, einem sogenannten Stent. In schweren Fällen wird ein Bypass gelegt: Dafür nimmt der Chirurg ein Stück eines anderen Blutgefäßes und setzt es als „Umleitung" neben das verstopfte Gefäß.

Vorbeugung: Verzicht aufs Rauchen, viel Bewegung, viel Obst und Gemüse, wenig tierische Fette. Blutdruck- und Cholesterinwerte sollten ab Mitte 40 regelmäßig gecheckt werden.

 

Herzbeutelentzündung (Perikarditis)

Zwei Schichten aus Bindegewebe umgeben das Herz, sie bilden den Herzbeutel, das sogenannte Perikard. Bei einer Entzündung sammelt sich häufig Flüssigkeit zwischen den Lagen. Das ist lebensbedrohlich, denn das Herz kann sich dann beim Schlagen nicht mehr genug ausdehnen. Die Ursache für Perikarditis ist nicht geklärt, Experten vermuten, dass in den meisten Fällen Viren verantwortlich sind.

Häufigkeit: Einer von 500 Deutschen erkrankt einmal im Leben daran.

Symptome: Typisch sind Brustschmerzen, die im Liegen und beim Husten stärker werden, aber im Sitzen nachlassen – besonders wenn sich die Patientin vornüberbeugt.

Behandlung: Eine Perikarditis heilt oft in zwei Wochen von selbst aus; um die Entzündung schneller abklingen zu lassen, verordnen Ärzte entzündungshemmende Schmerzmittel wie „Ibuprofen". Sammelt sich Flüssigkeit zwischen den beiden einzelnen Schichten, punktiert der Kardiologe den Erguss und saugt ihn ab.

Vorbeugung: Ein starkes Immunsystem ist die beste Vorbeugung. Wichtig: genug Schlaf, regelmäßige Entspannung, Verzicht auf starken Alkohol- und Zigarettengenuss.

 

Herzmuskelentzündung (Myokarditis)

Bei einer Myokarditis gelangen Erkältungsviren mit dem Blut ins Herz, der Muskel entzündet sich. Wenn er vernarbt, führt das häufig zu einem tödlichen Herzversagen.

Häufigkeit: Oft verursacht eine Herzmuskelentzündung keine Beschwerden. Mediziner vermuten, dass jeder Hundertste einmal im Leben daran erkrankt.

Symptome: Herzrhythmusstörungen, Atemnot, Brustschmerzen und Fieber sind die wichtigsten Warnsignale.

Behandlung: Der Patient muss sich schonen, damit das Immunsystem die Erreger bekämpfen kann – Sport wird gestrichen, selbst Arbeiten im Haushalt können zu viel sein. Auch Rauchen und Alkohol sind tabu.

Vorbeugung: Lassen Sie jede Erkältung ausheilen, und verzichten Sie unbedingt auf Sport und körperlich anstrengende Arbeit.

 

Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz)

Bluthochdruck hat das Herz ermüdet, oder es bekommt wegen einer Koronaren Herzkrankheit zu wenig Blut. Dann hat es nicht mehr genug Kraft zum Pumpen.

Häufigkeit: Rund zehn Prozent der Menschen über 60 Jahre leiden an einer Herzinsuffizienz, zwischen 40 und 50 Jahren sind es nur etwa zwei Prozent.

Symptome: Die Patienten fühlen sich erschöpft, besonders Treppensteigen macht Probleme. Ist die Krankheit fortgeschritten, sammelt sich Wasser in den Beinen.

Behandlung: Vor allem behandelt der Arzt die Ursache: Er dehnt die Herzkranzgefäße oder verschreibt Medikamente wie Sartane; sie hindern die Nieren daran, ein Hormon namens Angiotensin zu bilden, das den Blutdruck antreibt. Auch ACE-Hemmer senken den Blutdruck, sie mindern die Wirkung des Angiotensins.

Vorbeugung: Ein ausgeglichener Blutdruck und ein Lebensstil, der das Risiko einer Koronaren Herzkrankheit senkt – das sind die besten Bedingungen für ein kräftiges Herz.

 

Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien)

Schon leichte Störungen wie Stress, Zigarettenkonsum und Blähungen können das Herz aus dem Takt bringen, meistens findet es schnell zurück. Ein ungleichmäßiger Herzschlag kann aber auch Folge der Koronaren Herzkrankheit oder einer Herzmuskelentzündung sein.

Häufigkeit: Harmlose Rhythmusstörungen sind weitverbreitet, fast jeder Mensch hat sie schon einmal erlebt.

Symptome: Meistens ungefährlich sind Extraschläge, bei denen das Herz ganz kurz "stehen bleibt" und den Schlag dann "nachholt". Häufigeres Herzrasen, besonders mit Schmerzen, sollte untersucht werden. Je früher die Ursache behandelt wird, desto besser sind die Aussichten auf Heilung.

Behandlung: Antiarrhythmika sind Medikamente, die das Herz in einen steten Takt bringen, bis der Kardiologe die Grundkrankheit behandelt hat.

Vorbeugung: Trainieren und fordern Sie Ihr Herz – vor allem mit viel Bewegung.

 

Ernstfall Herzinfarkt - Symptome bei Frauen

Obwohl Männer häufiger einen Herzinfarkt erleiden, sterben nur etwa 37 Prozent daran – aber 45 Prozent der Frauen! Das liegt daran, dass ältere Frauen häufig allein leben und zu spät ins Krankenhaus kommen, oder auch daran, dass sich ein Infarkt bei ihnen anders zeigt und deshalb nicht erkannt wird: Neben den klassischen Symptomen wie Schmerzen im Brustraum, die in Arme, Oberbauch, zwischen die Schulterblätter, in Rücken, Hals und Kiefer ausstrahlen können, kommt es häufig auch zu starker Kurzatmigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder Beschwerden im Oberbauch. Beim kleinsten Verdacht auf Infarkt gilt: sofort den Rettungswagen anfordern!

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