Ist Liebe messbar?

Phyllis Kuhn Medizinredakteurin
Verliebtes Paar
Verliebtheit kann sich für den Körper wie ein Rausch anfühlen © Fotolia

Wahre Liebe ist unermesslich, sagt ein Spruch. Aber stimmt das? Tatsächlich kann man Liebe mit Hilfe von EEG und Co doch messen. Unser Körper spielt nämlich geradezu verrückt, wenn wir verliebt sind.

Herzchen in den Augen, Schmetterlinge im Bauch und ein Gefühl wie auf Wolke Sieben. Verliebtsein kann sich für „Betroffene“ wie ein Drogenrausch anfühlen. Das kommt nicht von ungefähr. Immerhin ist in unserem Körper beim schönsten Gefühlszustand der Welt ganz schön viel los. Wir haben die Symptome besonders schlimm betroffener „Patienten“ unter die Lupe genommen.

 

Die Hormone erzeugen einen Rauschzustand

Verliebtsein ist wirklich ein bisschen wie eine Droge. Denn es bringt einige Hormone so durcheinander, dass Rauschzustände erreicht werden. Außerdem macht Verliebtsein ganz schön abhängig.

Im Körper passiert dabei folgendes: Das sogenannte ventrale Tegmentum im Gehirn setzt große Mengen des Neurotransmitters Dopamin frei. Das unter anderem als Glückshormon bekannte Dopamin wirkt im Belohnungszentrum des Gehirns und gibt dem Verliebten ein Gefühl wie auf Droge.

Gleichzeitig steigen die Werte des Stresshormons Noradenalin an. Dadurch erhöhen sich Herzfrequenz und Blutdruck. Ein ähnlicher Effekt wird übrigens auch von Metamphetamin verursacht.

Während Dopamin und Noradrenalin in unserem Körper eine Party feiern, sinkt der Serotonin-Spiegel. Bei normalen Werten sorgt das Hormon für ein Gefühl von Kontrolle und senkt die Aufregung in unsicheren Situationen. Wenn der Spiegel sinkt, erlebt man ein Gefühl von Kontrollverlust und fokussiert sich auf Dinge – etwa den geliebten Menschen – die Stabilität und Sicherheit versprechen. Daraus können im schlechtesten Fall Obsessionen entstehen.

 

Das Gehirn fährt herunter

Blind und dumm vor Liebe? Schuld ist das Gehirn.

Der präfrontale Cortex, zuständig für das Treffen von rationalen Entscheidungen und Einschätzen von Situationen, fährt bei Verliebten einen Gang runter. Auch die Amygdala verabschiedet sich in den Ruhemodus. Die Amygdala ist als Teil des limbischen Systems verantwortlich für Gefühle wie Angst aber auch für Gedächtnisfunktionen und Alarmbereitschaft. Die Folgen: Verliebte benehmen sich sorgloser und verdrängen mögliche Risiken und negative Erfahrungen aus der Vergangenheit.

Ohne die Romantik zerstören zu wollen: Liebe und Lust sind für das Gehirn nicht unbedingt das Gleiche. Zwar beeinflussen die Gefühle ähnliche Regionen im Gehirn, sind aber trotzdem neural getrennte Reaktionen. Man kann also gleichzeitig in jemanden verliebt sein und eine zweite Person sexuell anziehend finden.

 

Die Ur-Instinkte erwachen

Wie schon seit Beginn der Menschheit gilt auch im heutigen männlichen Gehirn: Das Aussehen der Partnerin hat hohe Priorität. Bei verliebten Männern konnte gezeigt werden, dass der visuelle Cortex während der Verliebtheit übermäßig aktiv ist. Bei Frauen spielt eine andere Hirnregion eine wichtige Rolle: Der Hippocampus, er zählt zu den evolutionär ältesten Strukturen des Gehirns und ist wichtig für die Gedächtniskonsolidierung. Es spricht also einiges dafür, dass Frauen sich viele Details ihres Schwarms einprägen.

Langzeitpaare geraten beim Gedanken an ihren Partner zwar seltener in Rauschzustände, doch auch bei lange verheirateten Paaren sorgt die Liebe noch für bemerkenswerte Symptome. So wurde herausgefunden, dass die Region des ventralen Pallidums im Gehirn der Partner sehr aktiv ist. Diese Region sorgt für erhöhte Oxytocinwerte  - noch ein Glücks- und Bindungshormon - und besitzt viele sogenannte Vasopressin-Rezeptoren, welche für ein langfristiges Zusammengehörigkeits-Gefühl sorgen.

© by WhatsBroadcast

Hamburg, 28. Mai 2016

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