Ist Fettleibigkeit eine Krankheit?

Wann wird Fettleibigkeit zu einer Gefahr für die Gesundheit? Welche Behandlungen können bei Fettleibigkeit helfen? Wann macht eine Operation Sinn?

Es gibt Menschen, die werden einfach nicht dünner, egal wie sehr sie es sich vornehmen. Immer wieder versuchen sie abzunehmen, aber die Extra-Pfunde bleiben. "Der Anteil der Menschen, die unter Übergewicht und Fettleibigkeit leiden, ist in den vergangenen zehn bis 20 Jahren stark angestiegen", sagt die Ärztin Christine Theiss, die in der Abnehm-Show "The Biggest Loser" die Kandidaten betreut.

Welche Ursachen hat Fettleibigkeit?

Viele von Fettleibigkeit Betroffene machen sich Selbstvorwürfe. Dabei haben Studien gezeigt, dass die Erbanlagen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Übergewicht spielen. Denn sie bestimmen, wie der Körper Nährstoffe verwertet und seine Energiereserven verwaltet. Manche Menschen haben einfach ungünstige Voraussetzungen. Wenn sie nicht auf eine besonders gesunde Ernährung und viel Bewegung achten, überschreiten sie schnell die Grenze zur Fettleibigkeit. Forscher beziffern den Einfluss der Gene auf unser Körpergewicht auf etwa 60 Prozent. Daneben sind es vor allem sehr fett- und zuckerhaltige Speisen, die dick machen. Denn der Körper kann die kurzkettigen Kohlehydrate aus Softdrinks, Fast Food und Süßigkeiten sehr leicht verdauen – er verbraucht also kaum Energie dabei. Außerdem kann er gesättigte Fettsäuren, die typischerweise in Fast Food stecken, schneller einlagern als ungesättigte, die z. B. in Nüssen enthalten sind.

Wo liegt die Grenze zur Fettleibigkeit?

Mediziner beurteilen das Körpergewicht anhand des Body-Mass-Index (BMI) – dem Verhältnis des Gewichts zur Körpergröße im Quadrat. Eine 1,66 Meter große Frau, die etwa 83 kg wiegt, kommt auf einen BMI von 30 (83 /1,662 =30) und gilt damit als adipös. Denn ein BMI ab 30 aufwärts gilt als Grenze zur Fettleibigkeit. Normalgewicht haben alle mit einem Wert unter 25. Die Weltgesundheitsorganisation hat Fettleibigkeit schon vor mehr als 15 Jahren als Krankheit anerkannt. "Aber in Deutschland ist eine ärztliche Behandlung immer noch nicht vorgeschrieben", erklärt Prof. Rudolf Weiner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie der Adipositas. Dabei gehört Fettleibigkeit zu den häufigsten Verursachern von Bluthochdruck, Diabetes, Verkalkungen der Herzkranzgefäße und Krebs. Auch das Risiko, an einer Depression zu erkranken, ist bei massiver Fettleibigkeit (ab BMI 40) um 45 Prozent erhöht.

Übergewicht muss nicht gesundheitsgefährdend sein
Übergewicht muss nicht gesundheitsgefährdend sein – es kommt auf die Verteilung des Fetts an. Daher messen Ärzte den Taillenumfang: Als Grenzwert zur Fettleibigkeit gilt bei Frauen 88 cm, bei Männern 102 cm Bauchumfang © Fotolia

Muss Fettleibigkeit wie eine Krankheit behandelt werden?

Immer mehr Mediziner setzen sich dafür ein, dass die Fettleibigkeit auch in Deutschland als Krankheit anerkannt wird, die möglichst früh bekämpft werden sollte. "Fettleibigkeit ist eine Suchtkrankheit, die man wie eine Medikamentenabhängigkeit selten allein in den Griff bekommt", sagt Oliver Mann, Leiter des Adipositaszentrums der Hamburger Universitätsklinik. In der Regel werden die Betroffenen daher zunächst mit einer Kombination aus Psycho-, Ernährungs- und Bewegungstherapie behandelt. Denn neben den Erbanlagen und falscher Ernährung wird Fettleibigkeit vor allem durch seelische Probleme, das sogenannten "Stressfuttern", und Bewegungsmangel begünstigt. Aber häufig reichen die sanften Therapieformen, die auf Antrag von der Kasse bezahlt werden, nicht aus.

Frau isst Pommes
Fettleibigkeit wird vor allem durch das sogenannte "Stressfuttern" ausgelöst© istock

Können Operationen bei Fettleibigkeit helfen?

Wenn alle anderen Therapiemaßnahmen versagt haben – was häufig vorkommt – raten Ärzte ab einem BMI von 35 in der Regel zu einer Operation. Die meisten empfehlen derzeit bei Fettleibigkeit den Einsatz eines Magenbands. Dabei schnürt der Chirurg im oberen Bereich des Magens mit einem Silikonband einen Bereich ab. Dadurch wird der Magen verkleinert, und es stellt sich schneller ein Sättigungsgefühl ein. Nach der etwa zweistündigen Operation müssen sich die Patienten zwar erst wieder an feste Nahrung gewöhnen. Aber sie verlieren im Schnitt zwischen 40 und 60 Prozent ihres Übergewichts. Eine weitere Möglichkeit bei Fettleibigkeit ist der sogenannte Magenbypass. Bei diesem Eingriff wird der Magen im oberen Teil durchtrennt. Den oberen, kleineren Teil des Magens verbindet der Chirurg direkt mit dem Dünndarm. Das Magenvolumen und die Fläche des Dünndarms werden auf diese Weise verkleinert. Dadurch verlieren die Patienten im Schnitt etwa 75 Prozent ihres Übergewichts. Eine Operation führt in vielen Fällen dazu, dass auch Folgeerkrankungen, wie beispielsweise Diabetes und Herzprobleme, teilweise oder vollständig verschwinden. "Ein Eingriff bringt bei Fettleibigkeit jedoch nur dann langfristigen Erfolg und Gesundheit, wenn die Patienten sie nutzen, um ihre Ernährung komplett umzustellen", sagt Rudolf Weiner. Die OP zwingt sie, weniger zu essen. Eine Chance, sich auch von Fast Food und Co zu verabschieden!

Themen
Das könnte Sie auch interessieren
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.