Ist es ein Alarmsignal, wenn mein Kind schnarcht?

Stephanie Pingel Medizinredakteurin
Baby schläft
Laut einer neuen Studie suchen nur wenige Eltern den Kinderarzt auf, wenn ihr Kind schnarcht oder andere Schlafauffälligkeiten hat © Fotolia

Viele Eltern finden es in erster Linie niedlich, wenn ihr Kind schnarcht. Dabei kann das Schnarchen ein Warnzeichen für Erkrankungen sein. Eine Studie hat nun herausgefunden, wie häufig Eltern dieses Signal ignorieren.

Im Internet finden sich zahlreiche Videos von schnarchenden Kindern – aufgenommen werden die Filme meist von den Eltern, die die Geräusche einfach niedlich finden. Dabei ist vielen Menschen gar nicht bewusst, dass Schnarchen bei Kindern auf eine Erkrankung wie beispielsweise Schlafapnoe hinweisen kann. Eine Studie aus Schweden hat sich nun mit diesem Thema befasst. Das Ergebnis der Forscher: Die meisten Eltern ignorieren das Alarmsignal und suchen mit dem Nachwuchs keinen Arzt auf, wenn das Kind schnarcht.

 

Alarmzeichen Schnarchen: Die Gefahr wird unterschätzt

Für die Studie wurden an die Eltern von insgesamt 1.300 zufällig ausgewählten schwedischen Kindern zwischen 0 und elf Jahren Fragebögen verschickt. Dabei sollten in erster Linie Angaben zum Schlafverhalten gemacht werden. Beispielsweise wurde gefragt, ob das Kind schnarcht, Atemaussetzer hat oder im Schlaf würgt. 754 beantwortete Fragebögen kamen zurück. 4,8 Prozent der Eltern hatten dabei angegeben, dass sie bei ihrem Kind im letzten Monat entsprechende Schlafauffälligkeiten festgestellt hatten – aber nur 31 Prozent von ihnen sind deshalb zum Kinderarzt gegangen.

Den Studienautor Gunnhildur Gudnadottir, der an der zur University of Gothenburg gehörenden Sahlgrenska Academy arbeitet, alarmiert diese Zahl: „Kinder, die häufig schnarchen, haben oft bereits eine eingeschränkte Lebensqualität. Noch stärker betroffen sind Kinder mit einer Schlafapnoe“, so der Forscher. Neben schlechtem Schlaf leiden Kinder dadurch häufig auch an Mundgeruch und Verhaltensproblemen. Bei einigen lässt durch die eingeschränkte Schlafqualität außerdem die Konzentration nach – und die Noten werden schlechter. Zusammen genommen können sich dadurch also leicht soziale Probleme entwickeln und / oder verstärken.

 

Was hilft, wenn das Kind schnarcht?

„Die Studie zeigt, dass vielen Eltern die negativen Effekte, die durch die Schlafapnoe auftreten können, gar nicht klar sind. Und dementsprechend werden die Auffälligkeiten auch nicht untersucht“, so Gudnadottir. Dabei gibt es viele Behandlungsmöglichkeiten: Bei einer Schlafapnoe beispielsweise reichen diese von einem Eingriff, bei dem die als Mitverursacher geltenden Mandeln entfernt werden, über eine Gewichtsreduktion bis hin zur Verabreichung von Medikamenten. Die Ergebnisse der Studie zeigen jedoch laut den Forschern auch deutlich, dass Eltern mehr für die Gefahren von auffälligem Schlafverhalten sensibilisiert werden sollten: „Es ist offensichtlich, dass wir darüber nachdenken müssen, wie wir den Eltern besser entsprechende Informationen zur Verfügung stellen können. Auch darüber, wo genau sie Hilfe für das jeweilige Problem finden“, erklärt Gudnadottir. Allerdings müssen Schlafauffälligkeiten auch nicht immer auf eine ernsthafte Erkrankung hinweisen – ist das Kind erkältet, sei Schnarchen beispielsweise völlig normal, so der Experte.

Hamburg, 01. März 2016

© by WhatsBroadcast

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.