Ist Einsamkeit genauso ungesund wie Rauchen?

Eine einsame Frau auf der Parkbank
Einsamkeit macht krank, das hat eine Studie bewiesen. Sie schadet der Gesundheit sogar mehr als Rauchen © Fotolia

Freunde bereichern unser Leben nicht nur – sie können es sogar verlängern. Zu diesem erstaunlichen Ergebnis kommen Forscher in einer Studie mit mehr als 300.000 Teilnehmern.

Geborgenheit, Liebe, Anerkennung, Zugehörigkeit – all das brauchen wir Menschen als soziale Wesen offenbar genauso nötig wie gute Ernährung oder Bewegung. Im Austausch mit anderen können wir nicht nur unser Potenzial am besten entfalten, auch unsere Gesundheit profitiert vom Zusammensein mit Freunden und Familie. Zu diesem Ergebnis kommt die im Auftrag des Bundesverbandes der Arzneimittel-Hersteller e. V. regelmäßig durchgeführte Studie „Deutscher Gesundheitsmonitor des BAH“, die eindrucksvoll zeigt, dass Einsamkeit genauso schädlich ist wie Rauchen.

 

Einsame Menschen sind häufiger krank

Doch die moderne Gesellschaft hat heute veränderte Beziehungsstrukturen – und bringt immer mehr Einzelgänger hervor. Allein in Deutschland gibt es inzwischen mehr als 16 Millionen Ein-Personen-Haushalte. Die fortschreitende Urbanisierung lässt ältere Menschen auf dem Land zurück und bewirkt insgesamt eine Anonymisierung der Gesellschaft. Die Folge ist wachsende Vereinsamung. Und die wirkt sich nicht nur auf die Psyche aus. Danach sind einsame Menschen doppelt so häufig krank und gehen 30 Prozent häufiger zum Arzt als jene, die gut eingebunden sind.

Zwei Freundinnen
Freundschaft hält gesund: Menschen mit einem guten Freundes- und Bekanntenkreis haben bei schweren Erkrankungen eine um 50 Prozent höhere Überlebenschance© Fotolia
 

Einsamkeit ist schädlicher als Rauchen

Zur Überraschung der Forscher geht es einsamen Menschen sogar zum Teil gesundheitlich deutlich schlechter als Rauchern. Dabei gilt Tabakkonsum als der größte Risikofaktor überhaupt. Sich vollkommen allein zu fühlen, ist demnach mit einem hohen Risiko verbunden. Die Auswertung der Daten von mehr als 300.000 Menschen zeigt, dass Einsamkeit genauso schädlich ist wie der Konsum von 15 Zigaretten pro Tag. Sie birgt die gleiche Gefahr wie Alkoholmissbrauch und ist schädlicher, als keinen Sport zu treiben. Und: Einsamkeit ist doppelt so gefährlich wie Fettsucht. Den größten Effekt auf die Sterblichkeit hatte die allgemeine soziale Integration – am wenigsten war ausschlaggebend, ob die Menschen allein oder mit anderen zusammenlebten. Außerdem zeigen einige Studien, dass Kontakte das Immunsystem stärken. Beziehungen sind – so das Fazit der Forscher – in jedem Alter wichtig und verbessern die Gesundheit. Wir benötigen sie so nötig wie Fische das Wasser.

Hamburg, 22. Januar 2015

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