Ist ein Pilz schuld an Alzheimer?

Beschädigte Neuronen
Spanische Wissenschaftler vermuten, dass ein Pilzbefall im Gehirn an der Entstehung von Alzheimer beteiligt ist © Fotolia

Seit Jahrzehnten forschen Wissenschaftler nach der Ursache von Alzheimer. Spanische Mediziner haben nun eine neue Entdeckung gemacht. Ob sie die Entstehung der Erkrankung erklärt, ist unter Experten umstritten.

Die Erforschung von Alzheimer stellt Mediziner vor eine große Herausforderung: Denn der „Ort des Geschehens“ – das Gehirn – kann erst im Detail untersucht werden, wenn der Patient bereits verstorben ist. Aus diesem Grund ist eine definitive Alzheimer-Diagnose auch nur nach dem Tod des Betroffenen möglich.

Bei jeder neuen neuen Erkenntnis im Gebiet der Alzheimerforschung stellt sich darum auch immer die Frage nach Ursache und Wirkung – löst das entdeckte Symptom oder Anzeichen die Krankheit aus oder ist es nur eine Folge davon?

So ist es auch bei der Entdeckung, die Professor Luis Carrasco und sein Team vom „Centro de Investigaciones Biológicas“ in Madrid gemacht haben. Die Wissenschaftler fanden Spuren von Pilzbefall in den Gehirnen verstorbener Alzheimerpatienten, die bei anderen Verstorbenen nicht vorhanden waren. Ihre Studie wurde in der Zeitschrift „Scientific Reports“ veröffentlicht.

 

Pilzbefall in den Gehirnen verstorbener Alzheimerpatienten entdeckt

Die Forscher entwickelten Antikörper, die sich an Pilzzellen binden und verwendeten diese, um in dem Hirngewebe eines verstorbenen Alzheimerpatienten gezielt nach Pilzbefall zu suchen. Tatsächlich wurden sie fündig: Sie konnten Pilzbefall in Nervenzellen und an Blutgefäßen nachweisen – vor allem in zwei Hirnregionen, die schon in einem frühen Stadium von Alzheimer beeinträchtigt sind: Hippocampus und Entorhinaler Kortex.

Um ihre Entdeckung zu überprüfen, untersuchten Carrasco und seine Kollegen Hirngewebeproben von zehn weiteren verstorbenen Alzheimerpatienten und von zehn Patienten, die aus anderen Gründen gestorben waren. Während sich der Verdacht auf Pilzbefall bei allen Alzheimerpatienten bestätigte, konnten bei den Patienten der Kontrollgruppe keine Pilzspuren festgestellt werden.

 

Zusammenhang zwischen Pilzbefall und Alzheimer

Carrasco glaubt, mit seiner Entdeckung der Ursache von Alzheimer auf der Spur zu sein. Er vermutet, dass sich die Pilzinfektion über die Blutgefäße der Patienten verbreitet – das würde auch erklären, warum diese bei Betroffenen häufig beschädigt sind. Ein weiteres Argument spricht aus seiner Sicht für die Theorie: Es sind zwei Fälle von Alzheimerpatienten bekannt, deren Symptome verschwanden, nachdem sie eine Anti-Pilz-Therapie bekommen hatten.

Doch wie hängen Pilzbefall und Alzheimer zusammen? Carrasco hat folgende Vermutung: Bei Alzheimer-Patienten finden sich charakteristische Ablagerungen eines bestimmten Proteins (Beta-Amyloid) im Gehirn – diese versperren die Verbindungswege zwischen den Nervenzellen und stören die Kommunikation der Zellen untereinander. Ob diese Ablagerungen an der Entstehung von Alzheimer beteiligt sind, ist ebenfalls noch unklar. Laut Carrasco haben Beta-Amyloide antimikrobielle Eigenschaften, dass heißt, sie können Pilze bekämpfen. Demnach könnten die Proteinablagerungen eine Reaktion des Organismus auf den Pilzbefall sein.

 

Kritik an der neuen Studie

Doch Medizinerkollegen sehen die Erkenntnisse des spanischen Forscherteams sehr kritisch. Der große Schwachpunkt ist auch bei dieser Studie, dass die Ergebnisse nur eine Momentaufnahme nach dem Tod von Alzheimerpatienten darstellen. Expertenmeinungen zufolge ist es wahrscheinlich, dass der Pilzbefall von einer Schwächung des Immunsystems im Endstadium der Krankheit herrührt, wenn der Organismus sich nicht mehr gegen das Pilzwachstum zur Wehr setzen kann.

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