Ist ein Kaiserschnitt sicherer als eine natürliche Geburt?

Redaktion PraxisVITA
Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Die relativ große Wundfläche, die durch einen Kaiserschnitt entsteht und auch die Narbenbildung können durchaus Probleme bereiten.“ © privat

Immer wieder hört man von Wunschkaiserschnitten – aus den unterschiedlichsten Gründen. Natürlich ist es ein Segen, dass es die Möglichkeit eines Kaiserschnittes – oder auch Sectio cesarea genannt – gibt. Denn in einigen schweren Fällen rettet dieser Eingriff nicht nur das Leben des Kindes, sondern auch das der Mutter. Aber wie wirkt sich ein Kaiserschnitt eigentlich auf das Kind und die Mutter aus?

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Viele denken, ein Kaiserschnitt ist risikoärmer, denn bei einer normalen Geburt könne viel mehr schiefgehen. Das Kind könnte beispielsweise mit Sauerstoff unterversorgt sein und außerdem ist die Mama nach einem Kaiserschnitt schneller wieder auf den Beinen. Das stimmt so jedoch leider nicht, denn ein Kaiserschnitt birgt Risiken – sowohl für die Mutter als auch für das Kind.

 

Wann ein Kaiserschnitt das Leben retten kann

Es gibt Fälle, in denen ist ein Kaiserschnitt die beste aller Möglichkeiten. Dazu gehört zum Beispiel die sogenannte Beckenendlage. Hierbei liegt das Kind „falsch herum“. Auch wenn es das erste Kind der Mutter ist und das Baby vom behandelnden Arzt sehr groß geschätzt wird, ist ein Kaiserschnitt oft die bessere Wahl. Ebenfalls wird eine Sectio empfohlen, wenn ein Kopf-Beckenmissverhältnis vorliegt, das bedeutet, das der kindliche Kopf zu groß für das Becken der Mutter ist. Wenn eine sogenannte Plazenta praevia (der Mutterkuchen liegt direkt vor oder in enger Nähe zum Geburtskanal) vorliegt, drohen der Mutter (je nach Lage der Plazenta) bei einer natürlichen Geburt schwere, teils lebensbedrohliche Blutungen. In solchen Fällen ist es ein Segen, dass es die Möglichkeit der Kaiserschnitt-Geburt gibt. Aber auch bei einer sogenannten Gestose (Schwangerschaftsvergiftung der Mutter) oder wenn bei der Geburt plötzlich Komplikationen und Probleme auftreten und es zu einer Gefahr für Mutter und Kind kommt, ist ein Kaiserschnitt die einzig richtige und sinnvolle Maßnahme.

 

Normaler Geburtsvorgang stärkt Lungenfunktion des Kindes

Aber unter normalen Umständen, also ohne Risikofaktoren, ist die natürliche Geburt für Mutter und Kind das Beste. Durch den Geburtsstress und die Wehen wird die Kortisolproduktion des Kindes angeregt, was wiederum zu einer Produktion von sogenanntem Surfactant führt. Dieses Surfactant ist für die Entfaltung und Funktion der Lungen wichtig. Dies erklärt unter anderem, warum Kinder, die zwar nicht zu früh, aber per geplantem Kaiserschnitt ohne vorherige Wehen zur Welt kommen, häufiger ein Atemnotsyndrom aufweisen und in einigen Fällen sogar für eine gewisse Zeit intensivmedizinisch überwacht werden müssen. Selten ist sogar eine Atemhilfe oder gar maschinelle Beatmung notwendig. Bei einer natürlichen Geburt wird zudem durch die Enge des Geburtskanals Flüssigkeit aus der Lunge gepresst, was die ersten Atemzüge des Babys erleichtert. Dieser Vorgang fällt bei einem Kaiserschnitt komplett weg.

Kind nach der Geburt in den Armen der Mutter
Liegen keine medizinischen Gründe für einen Kaiserschnitt vor, ist eine natürliche Geburt die bessere Wahl – sowohl für die Mutter als auch für das Kind© Fotolia
 

Bakterien wichtig für Darmflora und Immunsystem

Die bakterielle Besiedelung des Geburtskanals, von der das Baby auf dem Weg auf die Welt automatisch etwas mitbekommt, scheint wichtig für die Entwicklung der Darmflora und im weiteren für das Immunsystem zu sein. Mehrere Studien konnten nachweisen, dass Kinder, die per Kaiserschnitt zur Welt kamen, häufiger an Allergien (bis zu 20%), Asthma und auch an Diabetes mellitus Typ 1 leiden. Auch konnten die Studien belegen, dass sich die Darmflora eines auf natürlichem Wege und eines per Kaiserschnitt geborenen Kindes signifikant unterscheidet.

 

Narbenbildung kann Probleme bereiten

Eine weit verbreitete Meinung ist, dass Mütter nach einer Kaiserschnittentbindung schneller wieder fit sind. Das ist jedoch ein Irrglaube, denn die relativ große Wundfläche, die durch die Sectio entsteht und auch die Narbenbildung können durchaus Probleme bereiten. In den ersten ein, zwei Tagen kann die frischgebackene Mama aufgrund der Wundfläche in der Regel nicht ohne fremde Hilfe das Baby versorgen, braucht Unterstützung bei Aufstehen und auch beim Herausnehmen des Kindes aus dem Bettchen. Bei Frauen, die einen Kaiserschnitt hatten, treten zudem etwas häufiger Stillprobleme durch zu wenig Muttermilch auf, als es bei Frauen, die auf natürlichem Wege entbunden haben, der Fall ist.

 

Gründe für Kaiserschnitt wollen gut überlegt sein

Gibt es einen medizinischen Grund für einen Kaiserschnitt, ist es eine gute und sichere Entbindungsmethode, die nicht in Frage zu stellen ist. Aber liegen diese Gründe nicht vor, ist das Für und Wider einer Sectio gut zu überlegen und abzuwiegen. Ihr Frauenarzt und auch Ihre Hebamme wird Sie sicher gern und umfangreich dazu beraten.

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