Ist Ebola bald über die Luft ansteckend?

Ebola durch Luft ansteckend
Selbst spezielle OP-Masken bieten nur einen geringen Schutz gegen Ebola-Erreger in der Luft © Fotolia

In den USA und Spanien haben sich Pflegekräfte mit Ebola infiziert – trotz Schutzkleidung. Tragische Sicherheitspannen oder ist der mutationsfreudige Erreger vielleicht doch über die Luft übertragbar? Praxisvita erklärt, welches Risiko besteht.

In einer aktuellen Meldung des Texas Department of State Health Services bestätigte die Behörde eine zweite Person, die sich in den USA mit Ebola infiziert hat – wieder handelt es sich um eine Pflegekraft, die den kürzlich verstorbenen T. E. Duncan unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen betreut hatte.

 

Ansteckung trotz Schutzanzug

Da die betroffenen Pflegekräfte Schutzkleidung trugen, suchen Mediziner nun fieberhaft nach dem Übertragungsweg. Dabei steht auch die Möglichkeit einer Ebola-Infektion durch die Luft (aerogene Infektion) im Raum. Das bedeutet, dass z.B. bereits der Kontakt mit Atemluft in Zügen oder Fahrstühlen ansteckend sein kann. Hintergrund ist die nachweislich hohe Mutationsrate, mit der sich der Virus versucht, das an den Menschen als Wirt anzupassen.

Zwar gehen Experten zur Zeit nicht davon aus, dass sich der Ebola-Erreger bereits soweit verändert habe, dass er durch das Einatmen eines Aerosols – kleinste Tröpfchen in der Luft, die das Virus transportieren – übertragbar ist. Ausgeschlossen werden könne es in Zukunft aber nicht.

 

Angst vor Luftübertragung

Der Virologe Professor Hans-Dieter Klenk sagte dem Medizin Portal „Medscape Deutschland“ in diesem Zusammenhang, dass es bislang keine wissenschaftlichen Beweise für eine Luftübertragung des Ebola-Virus über eine größere Distanz gäbe. Eine Infektion über die Atemluft sei allerdings möglich, wenn eine solche Distanz nicht eingehalten wird – z.B. in einem Zug oder in geschlossenen Räumen. Denn würde man z.B. von einem an Ebola Erkrankten „unmittelbar angehustet werden, könnte man sich schon anstecken“, erklärte der Professor.

Noch einen Schritt weiter geht Professor Mike Skinner – Virologe an der Washington State University – im Gespräch mit der neuseeländischen Fachseite Science Media Centre. Demnach sei ohne sogenannte Gain-of-Function-Experimente – die künstlichen Veränderungen des Virus-Gens, um das Mutationsverhalten zu simulieren – „nicht feststellbar, ob das Ebola-Virus neue Übertragungsweg einschlagen kann.“

 

Ebola kennt viele Wege

Auch jetzt sind die Übertragungswege des Ebola-Erregers schon vielfältig. Das größte Ansteckungsrisiko besteht beim Kontakt mit infizierten Blut, Stuhl oder Erbrochenem. Darüberhinaus sind aber auch im Speichel, im Urin, in der Muttermilch oder Tränenflüssigkeit ansteckende Virionen vorhanden. Schweiß dagegen gilt als nicht ansteckend. 

Eine besondere Gefahr besteht beim Kontakt mit Sperma. Untersuchungen zeigen, dass Männer, die eine Ebola-Erkrankung überstanden haben – und als gesund gelten –, noch für rund 90 Tage über ihre Samenflüssigkeit ansteckend sind.

 

Ebola in der Luft: Wie kann ich mich schützen?

Sollte der Fall eintreten, dass das Ebola-Virus auch über große Distanzen durch die Luft übertragen wird, stiege dadurch das Infektionsrisiko deutlich an. Dennoch würden sich vorbeugenden Maßnahmen, rein technisch wenig von jenen unterscheiden, die bereits heute zum Schutz vor anderen aerogenen Erregern – wie z.B. der Grippe – empfohlen werden. Informationen dazu finden Sie hier.

Beim Ausbruch der sogenannten Schweinegrippe (Influenza-Erreger A/H1N1) in Europa im Jahre 2009 zeigte sich, dass viele Menschen versuchten mit Atem- oder Staubmasken eine Ansteckung zu vermeiden. Tatsächlich sind solche Masken aber nur eingeschränkt dazu in der Lage, vor Viren zu schützen. Staubmasken aus dem Baumarkt z.B. haben gegen Krankheitserreger überhaupt keine Schutzfunktion.

Eine größere Sicherheit gewährleisten dagegen OP-Masken, die vor allem von medizinischem Personal in Krankenhäusern eingesetzt werden. Doch auch diese, aus mehrlagigen Filterschichten bestehenden und zur Abwehr von Bakterien entwickelten Atemschützer, bieten letztlich nur einen geringen Schutz.

Hamburg, 16. Oktober 2014

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