Ist Alzheimer ansteckend?

Verena Elson
Ärzte bei einer Operation
Für Alzheimer typische Ablagerungen im Gehirn könnten unter Umständen bei medizinischen Eingriffen auf andere Patienten übertragen werden, sagen britische Wissenschaftler © Fotolia

In den Gehirnen von Alzheimer-Patienten finden sich typische Eiweißablagerungen – britische Forscher haben nun entdeckt, dass diese unter bestimmten Umständen auf andere Menschen übertragen werden können.

Bei Alzheimer-Patienten finden sich charakteristische Ablagerungen eines bestimmten Proteins (Amyloid) im Gehirn – diese versperren die Verbindungswege zwischen den Nervenzellen und stören die Kommunikation der Zellen untereinander. Ob diese Ablagerungen die Ursache für das schrittweise Vergessen sind, ist noch unklar. Doch wenn das so ist, könnte Alzheimer unter bestimmten Umständen von Mensch zu Mensch übertragen werden, schreiben britische Wissenschaftler in dem Fachmagazin „Nature“.

 

Kinder und Jugendliche bei Wachstumsbehandlung infiziert

Hintergrund ihrer Vermutung ist die Infektion hunderter Menschen mit der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJD) zwischen Ende der 1950er- und Mitte 1980er-Jahre. Damals wurden rund 30.000 kleinwüchsige Kinder und Jugendliche mit Wachstumshormonen behandelt, die aus den Hirnanhangdrüsen Verstorbener gewonnen wurden. Später stellte sich heraus, dass einige dieser Hormone mit dem Creutzfeldt-Jakob-Erreger infiziert waren. Bis 2012 starben mindestens 226 der damaligen Patienten an der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit.

Jetzt fand das Londoner Forschungsteam um den Hirnforscher Zane Jaunmuktane in den Gehirnen von sechs dieser an CJD Verstorbenen Proteinansammlungen, wie sie für Alzheimer typisch sind. Die Patienten waren im Alter von 36 bis 51 Jahren verstorben – für dieses Alter sind solche, teils erheblichen, Ansammlungen ungewöhnlich. Insgesamt hatten die Wissenschaftler acht Patienten untersucht.

 

Keine Ansteckungsgefahr für Angehörige

Außer den Amyloid-Ablagerungen gibt es eine zweite Gehirn-Veränderung, die bei Alzheimerpatienten typischerweise auftritt. Sie betrifft die sogenannten Tau-Fibrillen, die für den Transport von Nährstoffen innerhalb von Nervenzellen verantwortlich sind. Bei Alzheimer-Patienten verformen sich diese und verklumpen. Die Folge: Es kommt zum vermehrten Absterben von Nervenzellen. Diese Verklumpung der Tau-Fibrillen konnten die Wissenschaftler bei den an CJD verstorbenen Patienten nicht feststellen. Ob sie später entstanden wären, ist unklar. Die Forscher betonen außerdem, dass niemand weiß, ob die sechs Patienten jemals an Alzheimer erkrankt wären.

Die fatale Hormontherapie, die den Patienten zum Verhängnis wurden, wird so heute nicht mehr durchgeführt, stattdessen werden zur Wachstumstherapie gentechnisch hergestellte Mittel eingesetzt. Doch die Studienautoren äußern in ihrem Artikel die Sorge, dass die Protein-Ablagerungen grundsätzlich auf anderen Wegen, beispielsweise durch Bluttransfusionen oder verunreinigte OP-Instrumente, übertragen werden könnten.

Dass die Ablagerungen durch CJD entstanden, gilt als unwahrscheinlich, da sie bei anderen Opfern der Krankheit, die keine Wachstumshormone enthalten hatten, nicht auftraten.

Die Wissenschaftler betonen jedoch ausdrücklich, dass eine Übertragung von Alzheimer im zwischenmenschlichen Kontakt ausgeschlossen ist – Angehörige brauchen also keine Angst vor einer Ansteckung zu haben.

Hamburg, 10. September 2015

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