Isoflavone bei Wechseljahresbeschwerden – Segen oder Risiko?

Alexander Scherb

Helfen Isoflavone tatsächlich bei den typischen Beschwerden in den Wechseljahren? Sicherlich würden sich viele Frauen darüber freuen, statt zu Hormonersatzpräparaten greifen zu müssen auch auf pflanzliche Heilmittel vertrauen zu können. Rotklee zum Beispiel soll aufgrund der darin enthaltenen Isoflavone bzw. der quasi natürlichen Östrogene wirksam Wechseljahresbeschwerden lindern. Doch stimmt das wirklich?

Sojabohnen und Sojamilch stehen auf einem Holztisch
Isoflavone sind beispielsweise in Sojabohnen enthalten Foto:  iStock/Davizro
Inhalt
  1. Was sind Isoflavone?
  2. Rotklee und Soja in den Wechseljahren
  3. Wie wirken Isoflavone bei Wechseljahresbeschwerden?
  4. Nebenwirkungen von Isoflavonen
  5. Wann sollte auf isoflavonhaltige Produkte verzichtet werden?
 

Was sind Isoflavone?

Bei Isoflavone handelt es sich um sekundäre Pflanzenstoffe, die zum Beispiel in Rotklee, Sojabohnen oder der Kudzu-Wurzel vorkommen. Von der Struktur her ähneln Isoflavone dem Hormon Östrogen, das im menschlichen Körper vorkommt. Aus diesem Grund spricht man auch von einem sogenannten Phytoöstrogen.

 

Rotklee und Soja in den Wechseljahren

Rotklee (auch: Wiesenklee oder Trifolium pratense) und Soja sollen dazu in der Lage sein, Wechseljahresbeschwerden wie Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen oder Hitzewallungen zu lindern. Dafür können die darin enthaltenen Isoflavone sorgen, die dem weiblichen Sexualhormon in der Struktur sehr ähnlich sind.

 

Wie wirken Isoflavone bei Wechseljahresbeschwerden?

Dass Isoflavone gegen Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen helfen könnten, erkannten Wissenschaftler, als sie die sojareiche Ernährung der Asiaten genauer untersuchten. Studien hatten nämlich ergeben, dass Japanerinnen weniger häufig unter Wechseljahresbeschwerden leiden als US-Amerikanerinnen. Die Annahme, dass Isoflavone dem sinkenden Östrogenspiegel entgegenwirken könnten, festigte sich. Jedoch ist noch bis heute unklar, ob die Unterscheide während der Zeit der Menopause bei den Frauen wirklich an der unterschiedlichen Ernährungsweise liegen. In der Vergangenheit konnten Wissenschaftler noch nicht beweisen, dass Produkte mit Isoflavonen Wechseljahresbeschwerden stark beeinflussen.

Infolge vieler Studienauswertungen zeichnete sich bei den typischen Symptomen der Menopause ein leicht positiver Trend für Isoflavone ab. Zwar ist die Wirkung der Phytoöstrogene geringer als die einer Östrogen-Ersatztherapie, doch eine Therapie mit Isoflavonen gilt als allgemein verträglicher und ist deshalb auch beliebter – vor allem bei Frauen, die keine Östrogene nehmen können oder wollen.

Man nimmt außerdem an, dass sich Isoflavone positiv auf das Herz-Kreislauf-System, den Stoffwechsel, das Gehirn, die Nerven sowie auf Haut und Haare auswirken. Auch Osteoporose sollen die sekundären Pflanzenstoffe lindern können. Doch all diese Annahmen sind nicht hinreichend bestätigt und deshalb fraglich.

Naturmedizin Echte Naturtalente: Pflanzliche Mittel gegen Wechseljahresbeschwerden

 

Nebenwirkungen von Isoflavonen

Die Wirkung von Rotklee und Soja bei Wechseljahresbeschwerden ist also nicht hinreichend nachgewiesen. Anders sieht es mit diversen Nebenwirkungen aus – sie wurden durch diverse Studien belegt. Kurzfristig kann es durch isoflavonhaltige Nahrungsergänzungsmittel zu unangenehmen Nebenwirkungen wie Verstopfung, Übelkeit, Schwellungen oder Hautrötungen kommen. Meistens handelt es sich dann um allergische Reaktionen auf das darin enthaltene Sojaeiweiß. Außerdem soll das Isoflavon Genistein das Risiko erhöhen, an Brustkrebs zu erkranken.

In den vergangenen Jahren wurde immer wieder die Sicherheit von isoflavonhaltiger Produkte diskutiert. Auch wenn Isoflavone generell verträglicher als Hormonersatzstoffe zu sein scheinen, ist die Einnahme nicht als ganz risikofrei anzusehen. Hier sind noch einige Fragen ungeklärt. Es ist auch heute noch nicht sicher, ob sich das bei Frauen in der Menopause sowieso schon erhöhte Brustkrebsrisiko durch solche Nahrungsergänzungsmittel weiter steigen könnte.

Auf der einen Seite hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) festgestellt, dass durch die Einnahme bei gesunden Frauen nach der Menopause kein erhöhtes Brustkrebs- oder Gebärmutterkrebsrisiko vorliegt. Berücksichtigt wurden dabei die Auswirkungen auf Brustdrüse, Gebärmutter und Schilddrüse. Auf der anderen Seite ist die Sicherheit für Frauen in den Wechseljahren fragwürdig. Die Datenlage ist unzureichend.

Aus diesem Grund empfiehlt die EFSA, die Einnahme von Isoflavonen zu begrenzen. Demnach sollten

  • nicht mehr als 100 mg Soja-Isoflavone pro Tag (bei einer Einnahmedauer von 10 Monaten) und
  • nicht mehr als 43,5 mg Rotklee-Isoflavone (bei einer Einnahmedauer von 3 Monaten) pro Tag eingenommen werden.
 

Wann sollte auf isoflavonhaltige Produkte verzichtet werden?

Bestimmte Frauengruppen sollten lieber auf die Einnahme von Isoflavon-Präparaten verzichten bzw. auf jeden Fall mit ihrem Arzt über ihr Vorhaben sprechen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Frauen, die an einem östrogenabhängigen Brust- oder Gebärmutterkrebs leiden oder gelitten haben.
  • Frauen, in deren Familien bei nahen Verwandten Brust- oder Gebärmutterkrebs vorgekommen ist.
  • Frauen, die Medikamente wie das Schilddrüsenhormon Thyroxin einnehmen.

Sojamilch, Tofu und Co.: Und was ist mit Lebensmitteln?

Solange isoflavonhaltige Nahrungsmittel in normalen Mengen verzehrt werden, können sie unserem Körper nicht schaden. Sojamilch und Tofu enthalten beispielsweise auch einige wertvolle Ballaststoffe und Proteine, von denen wir profitieren können. Bei Nahrungsergänzungsmitteln ist jedoch Vorsicht geboten, hier kommen die sekundären Pflanzenstoffe in höherer Konzentration vor.

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