Invagination – schmerzhafte Darmeinstülpung bei kleinen Kindern

Redaktion PraxisVITA
Baby mit Invagination
Invagination kommt vor allem bei sehr kleinen Kindern vor, 80 Prozent aller Invaginationen treten innerhalb des sechsten bis zwölften Lebensmonat auf © istock/Yasin Emir Akbas

Was ist eine Invagination und wie kann es dazu kommen? Wie macht sich eine Invagination bemerkbar? Muss man damit ins Krankenhaus und wie wird eine Invagination behandelt?

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

 

Was ist eine Invagination?

Das Krankheitsbild Invagination kommt vor allem bei sehr kleinen Kindern vor, 80 Prozent aller Invaginationen treten innerhalb des sechsten bis zwölften Lebensmonat auf. Eine Invagination ist eine Ineinanderstülpung eines Darmabschnittes in einen anderen. Bei Kindern ist eine Vorstülpung von Dickdarm in Dickdarm am häufigsten.

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Kinderärztin Dr. Nadine Hess:"Eine Invagination ist ein Fall für das Krankenhaus." © istock/privat
 

Invagination – welche Ursachen können dahinter stecken?

Aus unbekannten Gründen sind Jungen circa dreimal häufiger von einer Invagination betroffen als Mädchen. Meistens geht der Invagination eine Magen-Darm-Infektion voraus, die zu einer erhöhten Darmmotilität (Darmbewegungen) führt und dadurch zu der Einstülpung führen kann. Invagination kann aber auch spontan auftreten. Warum vor allem sehr kleine Kinder an einer Invagination erkranken und es später kaum noch vorkommt, ist nicht bekannt.

 

Welche Symptome treten bei einer Invagination?

Eine Invagination ist schmerzhaft. Die Kinder weinen plötzlich unstillbar, ziehen die Beinchen an oder machen sich ganz steif. Zwischendurch (zum Beispiel, wenn gerade keine oder nur wenig Darmbewegung vorhanden ist) können auch beschwerdefreie Intervalle auftreten.

Darmverschluss
Krankheiten & Symptome  

Darmverschluss (Ileus)

Bei einer Invagination kann es zu Erbrechen kommen, zu einem Darmverschluss (weil durch die zunehmende Schleimhautschwellung der Speisebrei nicht mehr weitertransportiert werden kann), im späteren Verlauf auch zu schleimig-blutigen Stühlen, die himbeergeleeartig aussehen und typisch für dieses Krankheitsbild sind. 

Kind weint wegen schmerzhafter Darmeinstülpung

Eine Invagination ist schmerzhaft. Die Kinder weinen plötzlich unstillbar, ziehen die Beinchen an oder machen sich ganz steif © imago

Oft kann man eine walzenartige Struktur im Bauch fühlen. Wenn die Kinder schreien, ist eine ordentliche Bauchuntersuchung aber meist unmöglich. Eine – mutmaßliche – Invagination ist ein Fall für das (Kinder-) Krankenhaus. Es muss ein Ultraschall durchgeführt werden, der eine Invagination normalerweise gut darstellt. Im Röntgenbild kann man manchmal eine Luftansammlung vor der Invaginationsstelle sehen, es kann aber auch völlig unauffällig ausfallen.

 

Wie sieht die Behandlung einer Invagination aus?

Ist die Invagination bewiesen, wird ein Einlauf mit warmem Kochsalz und einem gewissen Druck unter Ultraschallkontrolle durchgeführt, der in vielen Fällen die Einstülpung auflöst. Es gibt auch die Möglichkeit eine Devagination mithilfe von Luft zu versuchen, die rektal in den Darm gepumpt wird. Allerdings ist hier die Komplikationsrate (Perforationsgefahr) im Vergleich zum Einlauf mit Kochsalz höher, so dass diese Methode nur noch selten angewendet wird.

Helfen diese Behandlungen nicht und kommt es auch nicht zu einer spontanen Devagination (die Invagination löst sich von alleine, was auch gar nicht so selten ist), muss operiert werden, da sonst ein Absterben des betroffenen Darmabschnittes droht (durch die Einstülpung kann es zum Abklemmen von Blutgefäßen im Darm kommen, die durch die Schwellung noch verstärkt wird) und anschließend möglicherweise ein Darmdurchbruch.

In der Regel bleibt es bei einer Episode einer Invagination. Die Kinder werden aber meist für ein oder zwei Tage noch überwacht, da bei einer konservativen Devagination (also nicht operativ) ungefähr ein Zehntel aller Kinder eine erneute Invagination erleidet[1].


[1] Navarro O, Dugougeat F, Kornecki A, Shuckett B, Alton DJ, Daneman A (2000) The impact of imaging in the management of intussusception owing to pathologic lead points in children. A review of 43 cases. Pediatr Radiol 30 (9):594-603

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