Intuitives Essen: Das Ende aller Diäten?

Benjamin Müller Medizinredakteur

Ob Low-Fat, Low-Carb oder Paleo: Es ist heute gar nicht mehr so einfach, sich durch den Diätendschungel zu finden. Nun gewinnt ein Ernährungskonzept, das den Weg zurück zu natürlichem Essverhalten zeigen will, rasant an Popularität: Intuitives Essen.

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Nur essen was und wann man will. Klappt das? Foto:  iStock DragonImages
Inhalt
  1. Was ist intuitives Essen?
  2. Zum intuitiven Essen geboren?
  3. Warum essen nicht alle intuitiv?
  4. Was ist der Haken?
  5. Intuitives Essen als Lösung aller Ernährungsprobleme?

Die moderne Gesellschaft ist aufs Essen fixiert. Nie zuvor waren die Schönheitsideale allgegenwärtiger, die moralischen Anforderungen ans Essen höher, die allgemeine Sehnsucht nach dem perfekten Ernährungskonzept größer.

Diese Anforderungen belasten das Thema Essen für immer mehr Menschen schwer. Letztendlich wird der Wunsch nach gesunder Ernährung selbst ungesund – psychisch und körperlich. Den Ausweg verspricht das sogenannte intuitive Essen.

 

Was ist intuitives Essen?

Intuitives Essen ist der Versuch eines Essverhaltens, das sich vollständig auf das körpereigene Hunger- und Sättigungsgefühl verlässt. Geregeltes, antrainiertes oder emotionales Essen sollen dabei komplett unterlassen werden.

Einfach gesagt sollen alle, die sich mit ihrer Ernährung unwohl fühlen, lernen nur dann zu essen, wenn sie wirklich Hunger haben. Dann sollen auch nur die Lebensmittel gegessen werden, auf die man Lust hat und zwar so viel, bis das natürliche Sättigungsgefühl eintritt.

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Was einfach klingt, ist für viele Menschen revolutionär: Anhänger der Ernährungsform, die eng mit dem generellen Trend zu mehr Achtsamkeit verbunden ist, sprechen von verbesserter körperlicher Gesundheit, überwundenen Essstörungen und einem diätfreien Weg zum Wohlfühlgewicht abseits der Schönheitsideale.

 

Zum intuitiven Essen geboren?

Intuitiv zu essen sei dabei gar kein neues Konzept, sondern nur eine Rückkehr zum natürlichen Essverhalten kleiner Kinder. Wie es Neugeborene und Babys tun, soll auch beim intuitiven Essen nur bei Hunger und nur nach den Bedürfnissen des eigenen Körpers gegessen werden.

Dabei bleibt das intuitive Essen vollständig individuell, schließlich müsse sich jeder Mensch seinen einzigartigen Bedürfnissen entsprechend ernähren, so die Verfechter. Wer wisse schließlich besser, was der Körper braucht, als er selbst?

 

Warum essen nicht alle intuitiv?

Zwar ist die Fähigkeit zum intuitiven Essen Experten zufolge angeboren, jedoch wird sie mit der Zeit verlernt. Umso älter der Mensch, desto zahlreicher die Reize, Regeln und Ratschläge, die das Essverhalten beeinflussen und belasten.

Etwa 90 Prozent aller Entscheidungen werden im Unterbewusstsein getroffen, so Experten wie Mareike Christina Awe, Gründerin der Plattform intueat.de. Daher werde das Essverhalten hauptsächlich von gesellschaftlichen Normen und frühkindlichen Anweisungen wie „Schön alles aufessen!“ bestimmt.

Der Ausweg bestehe in einem bewussten Ansatz, die eigene Nahrungsaufnahme achtsam wahrzunehmen und so wieder zu einem intuitiven Essverhalten zurückzufinden. Das kann auf eigene Faust, oder unterstützt von Gleichgesinnten und Online-Schulungen geschehen.

 

Was ist der Haken?

Ein individueller Weg zu Gesundheit und Wohlfühlgewicht ohne Verzicht klingt für viele wie die perfekte Ernährungsform. Die Methode auch wirklich durchzuziehen ist jedoch nicht immer so simpel wie gedacht.

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Während gesunde Menschen ohne große Gewichtsprobleme mit intuitivem Essen zweifellos zu einem gesunden Gewicht und besseren Körpergefühl finden können, wird das bei starkem Über- oder Untergewicht oder anderen gesundheitlichen Problemen schon schwieriger.

Und das sind nicht die einzigen Rahmenbedingungen die zur Hürde werden können: ein stressiger Job, Zeit- und Geldmangel oder auch die Bedürfnisse von Kindern können es unmöglich machen, nur nach den eigenen Wünschen zu essen.

 

Intuitives Essen als Lösung aller Ernährungsprobleme?

Intuitives Essen kann als Teil eines achtsam geführten Lebens gesundheitliche Vorteile haben. Als Alternative zur Jagd nach Schönheitsidealen durch Diäten ist das Ernährungskonzept darüber hinaus deutlich entspannter und damit besser für die psychische Gesundheit.

Allerdings hält das moderne Leben mit all seinen Stressfaktoren in Job und Privatleben auch viele Stolpersteine für das intuitive Essen bereit. Daher ist der Schritt in die intuitive Ernährung wohl nicht für jeden geeignet. Diejenigen, die genug Zeit und Individualismus mitbringen, sollten es jedoch mal versuchen.

Quellen:

Haacker, Luise (2018): „Gesundes Essverhalten und Wohlbefinden durch intuitives Essen“, Hochschule Anhalt, Fachbereich Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung
Intuitiv Essen – Das Gegenteil einer Diät (2019), in: intueat.de
Intuitive Ernährung – Ein Jahr danach (2017), in: einfachmaleinfach.de
Vergessen Sie Diäten! Beim Abnehmen hilft Ihnen Ihr Instinkt am besten (2019), in: focus.de  

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