Intimgeruch: Was ist normal?

Redaktion PraxisVITA

Der Intimgeruch einer Frau kann vieles über die Gesundheit der Vagina aussagen. Was man alles über Vaginalgerüche wissen sollte, erklärt unser Experte, Frauenarzt Dr. med. Christian Albring. 

Inhalt
  1. Wie entsteht Intimgeruch?
  2. Wann ist Vaginalgeruch normal?
  3. Veränderter Intimgeruch in den Wechseljahren
  4. Unangenehmer Geruch im Intimbereich: Anzeichen für eine Infektion
  5. Behandlungsmöglichkeiten: Was tun bei üblem Intimgeruch?
  6. Wie sieht die optimale Intimpflege aus, um Intimgeruch vorzubeugen?

Intimgeruch ist ein Tabuthema, über das viele nicht gerne sprechen, selbst mit der Frauenärztin nicht. Ein unangenehmer Geruch im Intimbereich ist daher etwas, was die meisten Frauen nur mit sich selbst ausmachen. Dabei ist es extrem wichtig, die Bedeutung der unterschiedlichen vaginalen Gerüche zu kennen und richtig zu deuten. Denn oft kann sich dahinter eine Erkrankung verbergen, die behandelt werden muss.

 

Wie entsteht Intimgeruch?

Vaginaler Ausfluss ist ganz normal und kein Grund zur Sorge. So kennt jede Frau ihren eigenen, typischen Körpergeruch – und auch den leichten Geruch in ihrem Intimbereich, der durch die gesunden Laktobazillen hervorgerufen wird. Diese guten Bakterien sorgen in der Vagina für einen sauren pH-Wert und halten damit andere Keime in Schach.  „Dieser Geruch ist völlig normal und kann und sollte auch nicht vollständig beseitigt werden“, sagt Dr. Albring.

Und was, wenn die Vagina doch unangenehm riecht? Biologisch gesehen entstehen Gerüche meist bei Zersetzungs- oder Entzündungsprozessen. Es handelt sich um Ausscheidungsprodukte von Keimen. Aber:  „Nicht immer sind die Keime krankheitserregend und gefährlich“, weiß Frauenarzt Dr. med. Christian Albring. 
Häufig entstehen äußere Gerüche durch Zersetzung der aus der Scheide herausfließenden Flüssigkeiten durch Keime, die jeder Mensch auf der Haut hat.

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Wann ist Vaginalgeruch normal?

Unangenehmer Geruch im Intimbereich ohne Jucken oder andere Krankheitssymptome, sind in der Regel ganz normal:  „Gerüche zu Zeiten der Blutung beziehungsweise nach der Geburt sind typisch und kein Hinweis auf eine Infektion“, so Dr. Albring.

Viele kennen den typischen, unangenehmen Geruch, wenn aus Versehen ein Tampon zu lange drin gelassen wurde. Dr. Albring erklärt:  „Das ist dann ein Zeichen dafür, dass sich Keime in dem Menstruationsblut vermehrt haben, die da in dieser Menge nicht hingehören. Das bedeutet noch keine Infektion, aber eine Situation, die später einmal zu einer Infektion führen könnte.“ In diesem Fall sollten eine Zeit lang keine Tampons und keine Menstruationstasse verwendet werden, sondern Monatsbinden. So kann man das Ungleichgewicht wieder ausgleichen. Außerdem wichtig: Die Tampongröße sollte der Stärke des Blutflusses angepasst werden. „Wenn sie zu groß sind, das heißt zu saugkräftig, wird die Wiederherstellung der natürlichen Scheidenflora behindert“, so der Gynäkologe. 

 

Veränderter Intimgeruch in den Wechseljahren

Ein ungewohnter Scheidengeruch kann auch in den Wechseljahren auftreten. Denn der veränderte Hormonhaushalt hat unter anderem einen Einfluss auf die Scheidenflora, was sich oft durch Trockenheit im Vaginalbereich bemerkbar macht. Alleine das kann sich schon auf den Geruch im Intimbereich auswirken. Die Scheidentrockenheit erhöht zudem das Risiko für Infektionen, sodass Frauen in den Wechseljahren wiederholt mit starkem Intimgeruch zu tun haben können. Aber auch typische Wechseljahrsbeschwerden, wie Hitzewallungen und stärkeres Schwitzen, führen dazu, dass sich der Körpergeruch ändert. 

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Unangenehmer Geruch im Intimbereich: Anzeichen für eine Infektion

Verändert sich der Geruch im Intimbereich ohne erkenntlichen Grund, sei das laut dem Frauenarzt immer ein Anzeichen für ein Ungleichgewicht in der Besiedlung mit Keimen. Dieses kann sich allerdings von alleine wiederherstellen.

Aufmerksam sollte man jedoch werden, wenn die Vagina nach Fisch, Hefe oder säuerlich riecht. Kommen dann noch Entzündungszeichen hinzu, handelt es sich wahrscheinlich um eine Infektion. Zu den typischen Symptomen gehören 

  • Unangenehm fischiger Geruch (durch die gebildeten Amine)
  • Grau-weißer, homogener Ausfluss (schaumig oder dünnflüssig)
  • Juckreiz, Hautreizungen und/oder Rötungen im äußeren Scheidenbereich
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

Besonders übel riechender, intensiv fischartiger Geruch bedeutet meist nichts Gutes. Am besten stellen Sie sich damit bei Ihrem Gynäkologen vor.  „Fischartiger Geruch weist auf krankmachende Keime hin, Gardnerella vaginalis mit oder ohne Trichomonaden. Auf jeden Fall muss das in der frauenärztlichen Praxis diagnostiziert und dann mit geeigneten, verschreibungspflichtigen Arzneimitteln behandelt werden“, sagt Dr. Albring. Bei Trichomonadenbefall sollte auch der Partner mitbehandelt werden. Vorsicht: „Versuche der Selbstbehandlung auf Verdacht können die Situation verschlimmern.“

Während der Schwangerschaft kann eine Besiedlung mit den falschen Keimen zu einem vorzeitigen Blasensprung und zu einer Frühgeburt führen. Deshalb ist es durchaus ratsam, gelegentlich den pH-Wert der Vagina zu messen:  „Er sagt aus, ob das Milieu in der Vagina sauer genug ist, um die Vermehrung krankmachender Keime zu verhindern. Ist das nicht der Fall, muss mit einem lokalen Antibiotikum behandelt werden.“

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Behandlungsmöglichkeiten: Was tun bei üblem Intimgeruch?

Kann man etwas tun, wenn der unangenehme Geruch bereits da ist? Generell gilt: Am besten immer gleich zum Arzt gehen, wenn einem etwas unnormal erscheint und der Intimgeruch trotz Hygiene nicht verschwindet. Dann sollte man unterscheiden, ob der Geruch aus der Vagina kommt oder ob es – wie meistens – der äußere Intimbereich ist, der unangenehm riecht. Letzteres kann etwa geschehen, weil Keime vom Darmausgang durch falsche Handgriffe bei der Toiletten- oder der allgemeinen Hygiene nach vorne gelangen. „Zusammen mit ein paar Tröpfchen Harn und dem normalen Ausfluss aus der Vagina kann das in dem feuchtwarmen Milieu im Intimbereich durchaus zu einem unangenehmen Geruch führen, ohne dass die Vagina selbst beteiligt wäre“, so der Experte.

Er empfiehlt: „Liegt keine Entzündung vor, kann zunächst versucht werden, mit speziellen Lactobacillus-Präparaten aus der Apotheke das bakterielle Gleichgewicht in der Vagina zu unterstützen“. Ungeeignet seien dagegen Antiseptika, die Bakterien unspezifisch abtöten, denn dadurch können auch die guten Milchsäurebakterien reduziert werden.

Und was ist mit Hausmitteln als Hilfe? Bei einer Infektion ist das keine gute Idee. Joghurt in die Vagina einzuführen ist (entgegen etwaiger Empfehlungen) kontraproduktiv. Auch selbst hergestellter und/oder biologischer Joghurt – enthält eine Menge Keime und Pilzsprossen, die nichts in der Vagina zu suchen haben und ihrerseits Infektionen hervorrufen können. Stattdessen sollte alles vermieden werden, was die Vagina weiter reizen oder verletzen könnte, wie aggressive Duschgels sowie Gleitgele und -öle. Auf Geschlechtsverkehr sollten Betroffene verzichten, bis die Infektion überstanden ist. 

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Wie sieht die optimale Intimpflege aus, um Intimgeruch vorzubeugen?

Eine normale Körperhygiene im Intimbereich sollte völlig ausreichen – am besten ausschließlich mit Wasser.  „Der Versuch, mit allen Mitteln, also mit Deos, häufigem Waschen, Intimsprays etc. den Eigengeruch in der Intimregion zu unterbinden, führt vielfach zu anhaltenden Reizungen, Unverträglichkeitsreaktionen sowie Haut- und Schleimhautentzündungen der Scheide“, erklärt Dr. Albring. Besonders, wenn schon der Verdacht auf eine Infektion besteht.

 „Auf keinen Fall sollten Deos, Intim-Deos oder gar Reinigungsmittel zum Beispiel per Intimdusche in die Vagina hineingelangen. Damit zerstört die Frau ihre gesunde Keimbesiedlung mit Laktobazillen“. Beim Abtrocknen sollte man immer nur leicht tupfen und niemals wischen.

Für die einen ist es selbstverständlich, doch nicht jeder macht sich Gedanken darüber: “Der Partner sollte sich vor dem Geschlechtsverkehr ebenfalls waschen und dabei auch die Vorhaut zurückziehen“, so Dr. Albring. Und: Bis die Anzeichen einer vaginalen Infektion verschwunden sind, sollte sicherheitshalber auch auf Oralverkehr verzichtet werden – bei starkem Intimgeruch ohnehin eine gute Idee.

Foto: iStock
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Unser Experte:

Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V. und niedergelassener Frauenarzt in Hannover.


Quelle
I. Mylonas, Der Gynäkologe, Infektionserkrankungen der Vulva und Vagina (2010)

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