Inkontinenz überwunden: "Endlich kann ich mein Leben wieder genießen"

Niesen kann bei Inkontinenz zur Urinflüssigkeitsverlust führen
Wer unter Inkontinenz leidet, kann schon bei leichten Niesen Urinflüssigkeit verlieren © Fotolia

Selbst beim Niesen oder Husten konnte Edeltraut F. den Urin nicht mehr halten. Ein kleiner operativer Eingriff konnte die Inkontinenz beseitigen.

Die Beschwerden von Edeltraut F. begannen vor rund zwei Jahren. „Beim Husten oder Niesen und beim schweren Tragen hatte ich plötzlich Blasenprobleme", erzählt die 68-Jährige. Was zunächst nur bei körperlicher Anstrengung auftrat, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer echten Alltagsbelastung. „Es wurde immer schlimmer. Bald kam ich ohne Wäscheschutz-Einlagen nicht mehr aus", erinnert sich die rüstige Rentnerin. Dazu kam die ständige Angst, dass andere Menschen etwas bemerken könnten. „Irgendwann verspürte ich ein stärker werdendes Druckgefühl, als hätte ich einen Tennisball zwischen den Beinen." Was die gelernte Maschinenstrickerin dort fühlte, waren Teile ihrer Blase, die in die Scheide gerutscht waren.

 

Die Ursache war eine Gewebeschwäche

„Aufgrund einer starken Gewebeschwäche hatten sich bei Frau F. die Scheidenwände und die Blase so deutlich abgesenkt, dass sie hervortraten", erklärt Johannes Klemm, Chefarzt der Abteilung für Gynäkologie am Krankenhaus Winsen. Eine Operation ließ sich deshalb auch nicht mehr vermeiden.

 

Der Eingriff verlief nahezu schmerzfrei

Dabei wurde durch die Scheide ein kleines Kunststoffnetz eingebracht, das den Halteapparat der Genitalien stabilisiert. Für die Patientinnen ist dieser gewebeschonende Eingriff nahezu schmerzfrei", beschreibt Klemm die OP-Technik. Rund sechs Tage nach dem Eingriff konnte Edeltraut Freundlich das Krankenhaus wieder verlassen. Der leidgeprüften Patientin, die sehr unter dem unkontrollierbaren Harnverlust gelitten hatte, kam es fast schon wie ein Wunder vor: „Plötzlich war alles wieder wie vorher", so die vierfache Mutter. „Ich war ganz überrascht, dass die Probleme und die üblichen Schmerzen beim Wasserlassen einfach verschwunden waren."

Im Alltag war Edeltraut F. nach ihrer OP nicht sonderlich eingeschränkt. „Nur schweres Heben hatte mir der Arzt zunächst verboten", erinnert sich die begeisterte Hobby-Gärtnerin. Doch die lebensfrohe Rentnerin kann heute wieder alles machen, was ihr Freude bereitet. „Ich bin so erleichtert, dass ich mir um meine Blase keine Sorgen mehr machen muss. Endlich kann ich mein Leben wieder richtig genießen!"

 

Kunststoffnetz korrigiert Position der Organe

Schamgefühle und die Angst vor den Reaktionen der Anderen – für die meisten Betroffenen ist Inkontinenz ein Thema, über das sie lieber nicht sprechen. Dabei sind rund sechs Millionen Deutsche vom ungewollten Abgang von Urin oder Stuhl betroffen – Frauen häufiger als Männer. In besonders schweren Fällen, die mit einer Absenkung der Gebärmutter oder dem Hervortreten von Organen durch die Scheide einhergehen, ist eine Operation nötig. Durch den Einsatz kleiner Kunststoffnetze, die durch die Scheide eingeführt werden, kann die Position der Organe korrigiert werden. Das leichte und anpassungsfähige Netz muss nicht vernäht werden, sondern verwächst schnell mit körpereigenen Zellen. Nach circa 120 Tagen ist das speziell geformte Netz größtenteils vom Körper abgebaut. Die verbleibenden Reste wirken als stärkendes Implantat, das ein weiteres Absenken der Organe verhindert. Die Kosten trägt die Krankenkasse.

 

Was sind die häufigsten Ursachen für Inkontinenz?

Klemm: „Die Ursachen sind vielfältig. Bei der sogenannten Belastungsinkontinenz liegt eine Schwäche der Beckenbodenmuskulatur oder des Blasenschließmuskels vor. Schon kleine körperliche Belastungen wie Husten oder Niesen können dann Urinverlust bedeuten. Aber auch Entzündungen im Harntrakt oder eine Schädigung des Nervensystems können die Ursache für plötzlichen Harndrang (Dranginkontinenz) sein."

 

Wie kann ich Blasenschwäche vorbeugen?

Klemm: „Eine gezielte Gymnastik der Beckenbodenmuskulatur ist mit Sicherheit sinnvoll, um Inkontinenz vorzubeugen. Darüber hinaus sollten Sie Übergewicht vermeiden, denn jedes Pfund zu viel belastet die Muskulatur."

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