Infliximab bei Autoimmunerkrankungen: Wirkung und Risiken

Dr. med. Dierk Heimann Facharzt für Allgemeinmedizin

Infliximab ist ein Wirkstoff zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen. Allgemeinmediziner Dr. med. Dierk Heimann erläutert anhand eines Praxisbeispiels, wann der Wirkstoff eingesetzt wird und welche möglichen Risiken die Behandlung birgt.

Eine Infusion läuft durch
Infliximab wird per Infusion verabreicht Foto:  iStock/Chanintorn.v

Spätestens seit Gesundheitsminister Jens Spahn in den USA künstlich hergestellte Antikörper gegen das Coronavirus bestellt hat, die auch Ex-Präsident Donald Trump geholfen haben, ist diese Therapieform populär geworden.

Auch in Deutschland gibt es seit langem viele Antikörper-Medikamente. Hinzu kommt, dass viele dieser Antikörper heute von anderen Firmen ‚nachgebaut‘ werden dürfen. Bei chemischen Wirkstoffen heißen diese Nachahmer ‚Generika‘. Bei den biologischen Medikamenten nennt man sie ‚Biosimilars‘.

Heute werde ich genau dazu um Rat gefragt. Es geht um eine schwere Schuppenflechte bei einem 32-jährigen Handwerker. Ich kenne ihn seit einigen Jahren.

 

Antikörper gegen Schuppenflechte: Wenn nichts anderes  wirkt

Mein Patient leidet ‚schon immer‘ unter trockener und rissiger Haut. Irgendwann kamen Ekzeme und eine stark schuppende Kopfhaut hinzu. Seit einigen Jahren sind große Teile seiner Haut betroffen. Er hat schon viele Medikamente und Therapien ausprobiert. Nichts hat lange geholfen. Nun möchte der behandelnde Hautarzt etwas Stärkeres ausprobieren. Genau das ist eine der Voraussetzungen für den Einsatz der meisten Antikörper: Nur wenn andere Therapien nicht zum Erfolg geführt haben, sollten sie zum Einsatz kommen.

Schuppenflechte auf der Kopfhaut
Beauty Schuppenflechte auf der Kopfhaut

 

Antikörper-Therapie gut abwägen

Der engagierte Vater von zwei Kindern hat lange keine Antikörper haben wollen – doch mit den so positiven Meldungen rund um eine Corona-Therapie mit dieser Medikamentenklasse haben sich viele seiner Zweifel gelegt (auch wenn es direkt nichts miteinander zu tun hat). Er fragt mich dennoch um Rat. Es ist eine wichtige Entscheidung, die für ihn ansteht. Zwar wirkt diese Gruppe besser als andere Medikamente, doch sie kann leider auch viele Nebenwirkungen haben.

 

Infliximab: So wirkt der Antikörper

Der Antikörper Infliximab ist in Deutschland schon über 15 Jahre hinweg verfügbar. Wir haben also viel Erfahrung sammeln können. Er hemmt das Immunsystem (TNF-alpha-Blocker) an einer bestimmten Stelle und kann gegen Rheuma, entzündliche Darmerkrankungen und die Schuppenflechte eingesetzt werden.

 

Infliximab: Kosten werden übernommen

Bei all diesen Erkrankungen verwechselt die Körper-Abwehr eigenes Gewebe mit gefährlichen Eindringlingen, die es zu bekämpfen gilt. Das Infliximab soll diesen Fehlangriff abmildern. Die Behandlung mit dem Originalmedikament kostet etwa 31.000 Euro pro Jahr. Die Biosimilars sind mit ca. 26.000 Euro etwas günstiger. Wenn die Behandlung erforderlich ist, übernimmt das die Krankenkasse.

Foto: iStock
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Klare Leitlinien-Empfehlung

Wir Ärzte orientieren uns häufig an Leitlinien. Auch das Infliximab taucht dort auf. Da mein Patient seit langem unter einer schweren Schuppenflechte leidet und viele andere Therapieverfahren im Laufe der Zeit versagt haben, bestätigt auch die aktuelle Psoriasis-Leitlinie den angedachten Versuch. Ich kann ihm also guten Gewissens dazu raten. Dennoch gilt es vieles zu bedenken.  

 

Andere Infektionen ausschließen

Wie bei allen Therapien, die das Immunsystem auf lange Zeit ausbremsen, darf im Körper keine Infektion schlummern. Sie könnte aktiviert werden und dann ihrerseits viel Schaden anrichten.

Eine schwelende Tuberkulose und virusbedingte Leberentzündungen sind bereits ausgeschlossen. Auch sogenannte Lebendimpfstoffe wie gegen Masern, Mumps oder Röteln darf mein Patient während der Behandlung nicht bekommen. Eine Corona-Impfung ist aber möglich.

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Infliximab: Nebenwirkungen sind möglich

Mein Patient hat große Angst vor Nebenwirkungen. Leider kann ich ihn nur zum Teil beruhigen. Das Medikament wirkt zwar gut, doch es kann auch viele unerwünschte Effekte freisetzen.

Infliximab wird wiederholt als Infusion gegeben. Währenddessen kann es zu teils heftigen Immunreaktionen kommen. Darauf muss die verabreichende Praxis vorbereitet sein.

Auch können Infekte, zum Beispiel mit Bakterien unter Infliximab leider besonders schwer verlaufen. Das Risiko ist etwa doppelt so hoch wie bei nicht behandelten Patienten. Auch ist es möglich, dass Herz, Leber und das blutbildende System angegriffen werden. Bestehende Erkrankungen des Nervensystems, wie eine Multiple Sklerose, können sich ebenfalls verschlechtern. Mein Patient zeigt zum Glück keinerlei Anzeichen für solche Beschwerden.

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