Impfungen und Autismus: Kein Zusammenhang

Verena Elson

Viele Eltern schrecken aus Angst vor Impfschäden davor zurück, ihr Kind impfen zu lassen. Unter anderem herrscht die Sorge vor, das Kind könne eher Autismus entwickeln, nachdem es geimpft wurde. Diese Sorge ist unbegründet, bestätigt jetzt eine Langzeitstudie mit mehr als 650.000 Kindern.

Ein Kleinkind wird geimpft
Die MMR-Impfung erhöht das Autismus-Risiko nicht, bestätigt eine Langzeitstudie Foto:  scyther5/iStock

Masern, MumpsRöteln – diese Krankheiten können bei Kindern und Erwachsenen schwere Verläufe nehmen und gerade die Masern führen mitunter zu späteren Behinderungen oder zum Tod. Gegen diese Infektionskrankheiten gibt es eine kostenlose, zuverlässige Impfung – würden 95 Prozent der Bundesbürger diese in Anspruch nehmen, könnten sich die hochansteckenden Erreger hierzulande nicht mehr verbreiten. Doch diese Quote wird trotz langjähriger Impfkampagnen nicht erreicht – der Grund ist die Angst vor negativen Folgen für das geimpfte Kind, wie beispielsweise Autismus.

 

Langzeitstudie mit mehr als 650.000 Kindern

Forscher des Statens Serum Institut in Kopenhagen gingen der Frage nach dem Zusammenhang zwischen Impfungen und der Entstehung von Autismus in einer Langzeitstudie auf den Grund.

Das Team begleitete 657.461 Kinder, die zwischen 1999 und 2010 in Dänemark geboren wurden – und zwar von ihrem vollendeten ersten Lebensjahr bis zum Studienende 2013. Sie verglichen das Auftreten von Autismus bei Kindern, die die MMR-Impfung (gegen Masern, Mumps und Röteln) erhalten hatten mit dem unter Kindern, die nicht gegen die drei Infektionskrankheiten geimpft worden waren. 

Die Impfung erfolgt üblicherweise in zwei Schritten: die erste Immunisierung ist zum Ende des ersten Lebensjahres vorgesehen, die nächste im zweiten Lebensjahr des Kindes. 

Das klare Ergebnis: Die Impfung erhöht das Autismus-Risiko nicht – auch nicht bei Kindern, die erblich vorbelastet sind. Die Studie wurde von der Stiftung Novo Nordisk Foundation für medizinische Forschung und dem dänischen Gesundheitsministerium finanziert.

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Woher kommt die Autismus-Angst?

Die Angst vor Autismus als Folge von Impfungen nahm ihren Ursprung in einer Forschungsarbeit, die 1998 in dem Fachblatt „The Lancet“ veröffentlicht wurde. Der Studienautor Andrew Wakefield kam darin zu dem Ergebnis, dass die MMR-Impfung die Entstehung von Autismus fördert.

Nachdem zahlreiche Forscherteams erfolglos versucht hatten, Wakefields Ergebnisse in weiteren Studien zu reproduzieren, kam 2004 heraus, dass die Arbeit gefälscht war: Der Autor hatte für die Veröffentlichung von einer Anwaltskanzlei, die die Eltern autistischer Kinder vertrat, große Summen Geld erhalten – mit dem Ziel, einen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus herzustellen. Weder die Zeitschrift noch die Mitautoren wussten von diesen Zahlungen. Zehn der 13 Studienautoren traten nach der Bekanntgabe von der Studie zurück – im Jahr 2010 zog „The Lancet“ die Veröffentlichung komplett zurück. Im Mai 2010 wurde in Großbritannien ein Berufsverbot gegen Wakefield ausgesprochen.

Dennoch hält sich der Mythos um die MMR-Impfung als Autismus-Auslöser hartnäckig. Gleichzeitig kommt es zu immer neuen Masernausbrüchen in Ländern, in denen die Krankheit bereits fast ausgerottet war. Zuletzt passierte dies in den Philippinen und in Frankreich. Aber auch Deutschland wird nach wie vor als Land mit hoher Prioritätsstufe den Masernschutz betreffend eingestuft. Die dänischen Autoren hoffen nun, mit ihrer neuen Studie mehr Eltern von der Sicherheit der Impfung überzeugen zu können – und so zu einer höheren Impfquote beizutragen.

Quelle:
Hviid, A. et al. (2019): Measles, Mumps, Rubella Vaccination and Autism: A Nationwide Cohort Study, in: Annals of Internal Medicine.
DOI: 10.7326/M18-2101
https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/masern/article/982252/kommentar-masern-unterschaetzt.html?sh=1&h=1546222527, Zugriff 05.03.2019

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