Impfungen – die häufigsten Fragen

Kinderärztin Dr. Nadine Hess ist Expertin für Impfungen
„Impft man beim ersten Mal die Windpocken zwar am gleichen Tag, aber in ein anderes Bein oder einen anderen Arm als die Masern, Mumps und Röteln, ist die Wahrscheinlichkeit eines dadurch ausgelösten Fieberkrampfes geringer.“ © privat

Warum sollten sich auch Erwachsene immer wieder gegen Keuchhusten impfen lassen? Wieso ist die Windpockenimpfung beim ersten Mal getrennt von der Masern/Mumps/Röteln-Spritze und bei der Boosterimpfung dann in einer vierfach-Injektion? Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Pneumokokken und Meningokokken und wie sicher ist der Impfschutz dagegen?

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Impfungen sind ein sehr emotionales Thema und gerade im Zuge der Masern-Debatte in aller Munde. Um das Für und Wider im Zusammenhang mit Impfungen soll es hier nicht gehen – dafür möchte ich gern ein paar andere in der Praxis häufig gestellte Fragen beantworten.

 

Impfung gegen Keuchhusten

Immer wieder kommt es zu Keuchhustendurchbrüchen, vor denen auch geimpfte oder Patienten, die in der Kindheit eine Keuchhustenerkrankung durchgemacht haben, nicht gefeit sind. Das liegt daran, dass circa 20 Jahre nach erfolgreicher Grundimmunisierung oder auch durchgemachter Erkrankung die Immunität gegen Pertussis deutlich abnimmt. Früher, als man noch ganze, abgetötete Pertussis-Zellen verimpft hat, war die Immunantwort zwar besser, dafür aber die Verträglichkeit schlechter. Mittlerweile ist man dazu übergegangen, azelluläre Pertussis-Impfstoffe zu verwenden, die zwar sehr gut verträglich, aber dafür auch nicht mehr ganz so wirksam sind. Darum lautet die Empfehlung, bei jedem Erwachsenen bei der nächsten fälligen Tetanus/Diphtherieimpfung einmalig einen Impfstoff zu wählen, der auch gegen Pertussis schützt. Theoretisch könnte man alle zehn Jahre auch den Keuchhustenimpfschutz erneuern, offiziell empfohlen ist das jedoch nicht.

Das Problem bei Keuchhusten ist, dass er bei Säuglingen sehr schwere Verläufe nehmen kann, die bis hin zu tödlichen Atemaussetzern gehen können. Bei Erwachsenen hingegen sind die Verläufe weit weniger unangenehm. Oft ist außer einem störenden Reizhusten, der sich über Wochen nicht verabschieden will, nichts weiter zu beklagen. Die schweren Hustenattacken, die über lange Zeit sogar immer wieder zu Erbrechen führen können, wie man sie von Kindern mit Keuchhusten kennt, kommen bei Erwachsenen so gut wie nie vor.

 

Impfschutz vor Masern, Mumps, Röteln und Windpocken

Kind wird geimpft
Keuchhusten kann bei Säuglingen sehr schwere Verläufe bis hin zu tödlichen Atemaussetzern nehmen. Die Keuchhusten-Impfung schützt zuverlässig, sollte aber bis ins Erwachsenenalter immer wieder aufgefrischt werden© Fotolia

Zum Schutz vor den Infektionskrankheiten Masern, Mumps, Röteln und Windpocken existiert ein Vierfachimpfstoff, der bei der zweiten Impfung gegen diese Erkrankung, die einen dauerhaften Impfschutz sicherstellen soll, eingesetzt. Warum impft man bei der ersten Impfung die Windpocken getrennt, also mutet dem Kind einen unangenehmen Pieks mehr zu? Das hat den Grund, dass die Rate an Fieberkrämpfen einige Tage (meist sieben bis zehn) nach der Impfung mit den vier Komponenten bei den Kindern höher war, die bereits bei der ersten Impfung mit dem Vierfachimpfstoff geimpft wurden.

Impft man beim ersten Mal die Windpocken zwar am gleichen Tag, aber in ein anderes Bein oder einen anderen Arm als die Masern, Mumps und Röteln, ist die Wahrscheinlichkeit eines dadurch ausgelösten Fieberkrampfes geringer. Bei der zweiten und letzten Impfung mit den Erregern besteht dann keine erhöhte Fieberkrampfgefahr mehr und es können alle vier Impfstoffe in einer Spritze verabreicht werden.

 

Die häufigsten Impf-Fragen zu Pneumokokken und Meningokokken

Baby wird geimpft
Die ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts empfiehlt für alle Kinder ab acht Wochen vier Impfungen gegen Pneumokokken© Fotolia

Gerade in den letzten Wochen gab es viele Nachweise von Pneumokokken bei kranken Kindern in meiner Praxis (und sicherlich allen anderen Kinderarztpraxen). Oft bekam ich die Frage zu hören, wie das sein kann – schließlich sei das Kind doch im ersten Lebensjahr vier Mal gegen Pneumokokken geimpft worden? Und was ist eigentlich der Unterschied zwischen der etablierten und von der STIKO (ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts) empfohlenen Impfung gegen Meningokokken C und dem relativ neuen Impfstoff gegen Meningokokken B?

 

Wie gefährlich sind Pneumokokken?

Es stimmt, die STIKO empfiehlt für alle Kinder ab acht Wochen vier Impfungen gegen Pneumokokken, ebenso wird diese Impfung alle fünf Jahre für Personen über 60 Jahren empfohlen und bei Patienten mit bestimmten chronischen Erkankungen. Pneumokokken, auch Streptococcus pneumoniae genannt, sind Bakterien, die bei kleinen Kindern (insbesondere unter zwei Jahren) und älteren oder immungeschwächten Menschen schwere Infektionen hervorrufen können. Unter anderem können Pneumokokken Hirnhautentzündungen, Lungenentzündungen oder Knochenhautentzündungen hervorrufen, die möglicherweise dauerhafte Schäden hinterlassen oder sogar tödlich enden.

Es gibt sehr viele verschiedene Arten von Pneumokokken und nicht alle sind so gefährlich. Viele Menschen, insbesondere Kinder, tragen auch Pneumokokken im Nasen-Rachenraum, ohne dass sie sie krankmachen. Somit muss man diese sogenannte „Besiedlung“ mit Pneumokokken auch nicht antibiotisch behandeln. Kommt allerdings ein viraler Infekt hinzu, der die Schleimhäute schädigt, können (müssen aber nicht) die Pneumokokken dann doch die Krankheit mit auslösen und müssen entsprechend therapiert werden.

 

Impfschutz vor Pneumokokken

Die verfügbaren Impfstoffe schützen nur vor einer bestimmten Anzahl an Pneumokokkentypen. Der meistverwendete Impfstoff bei Kindern ­– Prevenar 13 – schützt vor dreizehn Subtypen, die sich als gefährlich herausgestellt haben. Es gibt aber insgesamt  91 Subtypen. Und das erklärt, warum man trotz Impfung beispielsweise an einer durch Pneumokokken ausgelösten Nasennebenhöhlenentzündung oder Bronchitis erkranken kann. Trotzdem ist die Impfung wichtig und richtig, schließlich schützt sie vor einigen der gefährlichsten Pneumokokkenarten. Seit Einführung der Impfung sind die Zahlen von tödlich oder mit schwerwiegenden Komplikationen verlaufenden Pneumokokkeninfektionen deutlich zurückgegangen.

 

Impfung gegen Meningokokken B und C

Schon lange empfiehlt die STIKO eine Impfung gegen Meningokokken der Gruppe C ab dem Alter von zwölf Monaten. Meningokokken sind bakterielle Erreger, die unter anderem lebensbedrohliche Hirnhaut- oder Gehirnentzündungen auslösen können. Eine Impfung, um diese schweren Fälle zu verhindern, ist also sehr sinnvoll. Auch bei den Meningokokken gibt es mehrere Typen: Man unterscheidet zwölf verschiedene Serogruppen, A, B, C, X, Y, Z, W135, 29E, H, I, K und L.

90-95% der schweren Erkrankungen mit Meningokokken bei uns sind durch die Typen B und C ausgelöst[1]. In Deutschland wird gegen Meningokokken der Gruppe C regulär geimpft, des Weiteren sind Impfstoffe gegen A, Y und W135 verfügbar, kommen aber eigentlich nur als Reiseimpfungen zur Verwendung.

Seit einiger Zeit ist auch ein Impfstoff gegen Meningokokken der Gruppe B auf dem Markt. Bislang ist er noch nicht in die offiziellen Impfempfehlungen aufgenommen worden, da auf Seiten der STIKO noch einige Studienergebnisse abgewartet werden, auf deren Basis dann eine Empfehlung erfolgt oder nicht.

Bislang spricht sich die STIKO für eine Impfung gegen Meningokokken B nur für Risikogruppen wie Patienten ohne Milz aus. Sprechen Sie Ihren Kinderarzt an, wenn Sie mehr Informationen zu empfohlenen oder anderweitig verfügbaren Impfungen benötigen, er oder sie ist ein absoluter Impfexperte!


[1] DGPI Handbuch, 5. Auflage 2009, s. bes. S 369

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