Impfung gegen Tetanus – warum sie so wichtig ist

Kinderärztin Dr. Nadine Hess warnt davor, Kinder nicht gegen Tetanus zu impfen
Expertin Dr. Hess: „Eine Schnittverletzung beim Umtopfen von Blumen oder ein Sturz mit ein paar Schürfwunden kann schon ausreichen, um sich mit Clostridium tetani zu infizieren“ © privat

Was ist Tetanus für ein Bakterium? Was passiert bei einer Wundstarrkrampf-Infektion? Wie ist das Impfschema und wie gut ist die Impfung verträglich? Was tun, wenn man sich verletzt und der Impfschutz nicht (mehr) ausreichend ist?

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Immer wieder höre ich, dass einige Eltern Impfungen verweigern, inklusive der Impfung gegen Tetanus (Wundstarrkrampf). Wenn ich dann nachfrage, warum sie auch gegen diese Impfung sind, höre ich Argumente wie: „Das passiert doch nur, wenn man große Verletzungen hat!“ Oder: „Das ist doch ausgerottet, dachte ich!“ Nichts davon stimmt.

Das Tetanusbakterium heißt eigentlich Clostridium tetani und ist ein grampositiver Erreger, der ein Toxin (also ein Gift) bilden kann, was zu einer irreversiblen Aktivierung bestimmter Nervenbahnen führt. Das Bakterium ist in der Erde (auch in Blumenerde!) und in den Ausscheidungen von Tieren und Menschen nachweisbar und sehr hitzestabil. Auch gängige Desinfektionsmittel wirken meist nicht.

 

Anzeichen einer Tetanus-Infektion

Ein infizierter Patient bekommt äußerst schmerzhafte Muskelkrämpfe, insbesondere in der Gesichts- und Schlundmuskulatur. Dadurch entstand auch der Ausdruck „Risus sardonicus“ (Teufelslächeln) für Wundstarrkrampf, da die Betroffenen durch die Muskelkrämpfe einen klassischen Gesichtsausdruck bekommen. In Folge kommt es zu einer weiteren Verkrampfung anderer Muskelpartien, die schlussendlich dazu führen, dass keine Atmung und kein Schlucken mehr stattfinden kann und der Patient bei vollem Bewusstsein erstickt.

 

Ansteckung mit dem Wundstarrkrampf-Erreger

Risiko Tetanus-Infektion durch Hautverletzungen bei kleinen Kindern
Kleine Hautverletzungen sind bei Kindern schnell passiert – und können lebensgefährlich werden, wenn kein ausreichender Tetanus-Impfschutz besteht© Fotolia

Mit dem Tetanus-Erreger kann  man sich – im Gegensatz zur landläufigen Meinung – nicht nur bei großen Verletzungen, sondern auch bei kleinen und Kleinstverletzungen anstecken.  Eine Schnittverletzung beim Umtopfen von Blumen oder ein Sturz mit ein paar Schürfwunden kann schon ausreichen, um sich mit Clostridium tetani zu infizieren. Und wie oft fällt ein Kind in den ersten Lebensjahren hin und trägt eine kleine Verletzung davon? Zwischen der Infektion und dem Ausbruch der Erkrankung (Inkubationszeit) können zwischen drei Tagen und drei Wochen liegen – je kürzer die Inkubationszeit ist, desto schlechter die Prognose.

 

Was tun bei Verdacht auf Tetanus?

Wichtig ist zum einen, dass die entstandene Wunde möglichst rasch chirurgisch versorgt wird – sind die benannten Bakterien nachweisbar, muss der Wundgrund großflächig abgetragen werden, um die Bakterien und damit das entstehende Toxin so gut es geht zu minimieren. Es kann eine antibiotische Behandlung versucht werden, die aber – je nach Krankheitsstadium – nicht mehr heilend sein kann. Ist es also zu einer Verletzung gekommen und es besteht kein, unzureichender oder unklarer Impfschutz, muss aktiv und passiv geimpft werden und zwar so schnell wie möglich, spätestens jedoch innerhalb von maximal 72 Stunden nach der Verletzung.

Die STIKO (ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts) sieht vor, ab dem zweiten Lebensmonat mit der Sechsfachimpfung  (gegen Diphtherie, Tetanus, Polio, Pertussis, Hämophilus influenza B und Hepatitis B) und der Impfung gegen Pneumokokken insgesamt drei Impfdosen zu verabreichen und mit einer vierten Impfung, sechs Monate nach der letzten Impfung den Impfschutz zu komplettieren. Danach ist eine Auffrischimpfung mit fünf bis sechs Jahren und zwischen neun und 17 Jahren notwendig, anschließend alle zehn Jahre, lebenslang. Die Impfung wird im Allgemeinen gut vertragen und führt nur selten zu Fieber oder anderen Nebenwirkungen. In jedem Fall wiegt der Nutzen durch die Impfung das Risiko auf, an Tetanus zu erkranken. [1]


[1] Literatur aus DGPI-Handbuch, 5. Auflage 2009, s. bes. S. 502-504.

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