Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs – warum ist das so wichtig?

Dr. med. Nadine Hess

Seit Ihrer Einführung in Deutschland 2006 wurde sie viel und heiß diskutiert – die Impfung junger Mädchen gegen Gebärmutterhalskrebs. Mittlerweile ist sie längst in die offiziellen Impfempfehlungen der STIKO (Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Institutes) aufgenommen und wird somit auch von allen Krankenkassen bezahlt.

Kinderärztin Dr. Nadine Hess gibt Eltern Rat, ob und wann sie ihre Tochter gegen Gebärmutterhalskrebs impfen sollten
Expertin Dr. Hess: „Vor der HPV-Erkrankung sicher ist man im Grunde nur durch ausnahmslos geschützten Geschlechtsverkehr – also mit Kondom – oder durch eine Impfung“ © privat
 

Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs: Sinnvoll oder nicht?

Was löst Gebärmutterhalskrebs aus? Welche Schutzmöglichkeiten gibt es? Wer kann geimpft werden und wie oft muss eine Impfung gegen Gebärmutterhalsbkrebs durchgeführt werden, damit von einem ausreichenden Schutz ausgegangen werden kann? Was sind mögliche Nebenwirkungen einer Impfung gegen Gebärmutterhalsbkrebs?

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Über 50 Prozent aller Menschen infizieren sich im Laufe Ihres Lebens mit Humanen Papillomviren, kurz HPV, in der Regel über ungeschützten Geschlechtsverkehr. Insgesamt sind fast 150 verschiedene Arten dieser Viren bekannt, von ca. 20 weiß man, dass sie kanzerogen, also potentiell krebserregend, sind. Für den Gebärmutterhalskrebs am bedeutendsten sind die Typen HPV 16 und 18, in bis zu 70 Prozent aller eingesendeten, krebsbefallenen Präparate können sie nachgewiesen werden. Die Typen 6 und 11 sind zwar nicht kanzerogen, aber trotzdem unangenehm, da sie Condylomata accuminata, auch Feigwarzen oder Genitalwarzen genannt,  auslösen können.

 

Wie kann man sich vor einer Ansteckung mit HPV schützen?

Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs für Mädchen ab 9 Jahren zugelassen
Soll meine Tochter sich gegen Gebärmutterhalskrebs impfen lassen? Das fragen sich viele Eltern. Die HPV-Impfung sollte erfolgen, bevor das Mädchen erste sexuelle Kontakte aufnimmt. Ab dem 9. Lebensjahr ist der Impfschutz zugelassen© Shutterstock

Vor der HPV-Erkrankung sicher ist man  im Grunde nur durch ausnahmslos geschützten  Geschlechtsverkehr – also mit Kondom – oder durch eine Impfung gegen Gebärmutterhalsbkrebs. Aktuell stehen zwei Impfstoffe zur Verfügung: Cervarix® schützt vor HPV 16 und 18, Gardasil® immunisiert gegen HPV 6, 11, 16 und 18. Zugelassen sind beide HPV-Impfstoffe für junge Mädchen und Frauen zwischen 12 und 26 Jahren.

 

Impfung gegen Gebärmutterhalsbkrebs: In welchem Alter sinnvoll?

Der vollständige Impfschutz (3 Impfungen innerhalb von 6-12 Monaten) sollte sinnvollerweise vor der Aufnahme erster sexueller Kontakte aufgebaut sein. Allerdings ist mittlerweile ein zwei-Dosen-Schema für Mädchen zwischen 9-14 Jahren (Cervarix), bzw. zwischen 9-13 Jahren (Gardasil) zugelassen. Die STIKO empfiehlt aktuell die Impfung gegen Gebärmutterhalsbkrebs für Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren.

 

Wie sicher ist die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs?

Die Wirksamkeit der Impfung gegen Gebärmutterhalsbkrebs ist mit nahezu 100% Schutz vor HPV-assoziierten Neoplasien sehr hoch. Wie lange nach einer vollständigen Impfung gegen Gebärmutterhalsbkrebs von einer Immunität auszugehen ist, müssen Studien der kommenden Jahre zeigen. Da der Impfstoff – im Vergleich zu anderen – noch relativ neu ist, stehen Langzeitstudien für die Dauer der Wirksamkeit und eventueller Auffrisch-Impfungen noch aus, von fünf (Gardasil) bis acht Jahren (Cervarix) ist jedoch auszugehen.

 

Impfung gegen Gebärmutterhalsbkrebs: Gibt es Nebenwirkungen?

In den meisten Fällen wird die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs sehr gut vertragen. Häufige Nebenwirkungen sind Schwellungen und Rötungen an der Einstichstelle sowie Fieber und Kopfschmerzen. Meldungen, wonach die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs für neurologische Erkrankungen, thrombembolische Ereignisse oder Autoimmungeschehen verantwortlich ist, konnten nicht bestätigt werden. [1] Bei Fragen wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihren Kinderarzt, Allgemeinmediziner oder Gynäkologen. Sie werden Ihnen gerne mit Rat zur Seite stehen.

[1] Arnheim-Dahlström L1, Pasternak B, Svanström H, Sparén P, Hviid A., 2013: Autoimmune, neurological, and venous thromboembolic adverse events after immunisation of adolescent girls with quadrivalent human papillomavirus vaccine in Denmark and Sweden: cohort study. BMJ. 2013 Oct 9;347:f5906.

 

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