Impfung fürs Herz

Malte Hill
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Eine neue Impfung mit dem Wirkstoff Inclisiran soll schädliches Cholesterin aus dem Körper schleusen und so vor Arteriosklerose und koronaren Herzkrankheiten schützen. Der Wirkstoff wird gerade in einer klinischen Studie getestet und soll die derzeit verfügbaren, sehr kostspieligen Statin-Präparate wirkungsvoll ersetzen.

Das sogenannte LDL-Cholesterin gilt als böser Bruder des HDL-Cholesterins. Während das HDL-Cholesterin dafür sorgt, dass überschüssiges Cholesterin im Blut zur Leber transportiert und verstoffwechselt wird, bewirkt LDL-Cholesterin einen Transport von Cholesterin in die Zellen des Körpers. Besteht ein Ungleichgewicht zwischen den beiden Arten, so hat dies Folgen für den Körper.

 

Das Mengenverhältnis entscheidet

Ein hoher Anteil an LDL-Cholesterin und ein niedriger Anteil an HDL-Cholesterin erhöht das Risiko für eine Arteriosklerose und koronare Herzkrankheiten. Von einem gesunden Verhältnis spricht man bei einem Anteil von LDL zu HDL von kleiner als drei zu eins. Ab einem Verhältnis von vier zu eins besteht bereits ein hohes Risiko für koronare Herzkrankheiten. Genau hier setzt die neuartige Impfung an: Sie reduziert die Menge an schädlichem LDL-Cholesterin im Blut, ohne die Menge an HDL-Cholesterin zu verringern.

 

Neuer Wirkstoff reduziert LDL-Cholesterinwerte

Der Wirkstoff Inclisiran konnte in Studien die LDL-Cholesterinwerte langanhaltend bis um die Hälfte senken. Bereits eine Dosis von 300mg Inclisiran reichte aus, um den Spiegel an LDL-Cholesterin im Blut um 51 Prozent zu verringern. Eine Auffrischungsinjektion war erst nach vier bis sechs Monaten notwendig. Damit erreicht Inclisiran als PCSK9-Inhibitor eine ähnliche Wirkung wie heutige Statinpräparate, die allerdings sehr kostspielig sind. Mit einer Kombination beider Wirkstoffklassen könnten sogar rekordverdächtig niedrige Niveaus an LDL-Cholesterin erreicht werden, davon zeigt sich Steven Nissen, Chef-Kardiologe von der Cleveland Clinic in Ohio überzeugt. Ein ähnlicher Wirkstoff wie Inclisiran namens Evolocumab konnte in einer solchen Kombitherapie bereits erste Erfolge erzielen, muss aber im Gegensatz zu Inclisiran 12 bis 24 Mal im Jahr injiziert werden.

Beide Wirkstoffstudien, LAPLACE-2 und ORION-1, werden von den jeweiligen Herstellern der Wirkstoffe unterstützt und müssen daher vor einer abschließenden Veröffentlichung der finalen Ergebnisse in unabhängigen Fachzeitschriften noch mit Vorbehalt betrachtet werden.

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