Impfen – ja oder nein?

Eine Schutzimpfung ist besonders bei schweren Krankheiten angebracht
Eine Schutzimpfung ist besonders bei schweren Krankheiten, wie Tetanus, Hepatitis, Hirnhautentzündungen oder Mumps, angebracht © Corbis

Früher hatte jeder zwei pfenniggroße Narben auf dem Oberarm – bleibende Erinnerung an die Pockenimpfung in der Kindheit. Seit Anfang der 80er-Jahre ist damit Schluss, Pocken gelten als ausgerottet. Doch was ist mit Mumps, Masern und Co.? Ist eine Impfung überhaupt sinnvoll?

Kinderlähmung (Polio) kommt in Europa schon lange nicht mehr vor. Babys sollen zwar noch geimpft werden, doch für Erwachsene sieht der Impfkalender keine Schluckimpfung mehr vor. Dieses amtliche Dokument gibt die Ständige Impfkommission am Robert Koch Institut (RKI) heraus: Darin sind alle Impfungen aufgeführt, die die dortigen Experten für ratsam halten.

Die Liste ist lang: Für Kinder und Jugendliche werden mittlerweile 13 Grundimmunisierungen empfohlen, darunter auch die Leberentzündung Hepatitis B, Hirnhautentzündung und die Lungenkrankheit Pneumokokken. Erwachsene sollten zumindest den Standardschutz haben: gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Masern, Mumps, Röteln und Windpocken. Doch leider werden häufig die Auffrischungen vergessen. Die Folge: Unter älteren Menschen grassieren zunehmend Keuchhusten und Windpocken.

Doch Nachimpfungen und Auffrischungen sind jederzeit möglich, und die Nebenwirkungen – eventuell leichte Temperaturerhöhung, Schwellung oder Rötung der Impfstelle – in der Regel harmlos. Die meisten Standardimpfungen zahlt die Krankenkasse, die Praxisgebühr entfällt.

 

Mumps & Co. – sind auf kein Fall Kinderkram

Wer nicht sicher ist, welche der klassischen Kinderkrankheiten er durchgemacht hat, und nichts dazu im Impfpass findet, kann sich nachimpfen lassen. Bei Erwachsenen verlaufen Mumps, Windpocken und Co. meist viel schwerer. Frauen mit Kinderwunsch sollten sich vor allem gegen Röteln schützen: Das Rötel-Virus kann beim Ungeborenen schwere Schäden auslösen. Menschen mit chronischen Erkrankungen wie etwa Diabetes, Asthma und COPD sollten sich zudem einmalig gegen die Lungenkrankheit Pneumokokken impfen lassen.

 

Tetanus – die tödliche Gefahr

Wundstarrkrampf kommt bei uns nahezu nicht mehr vor, deshalb halten viele die Gefahr für überschätzt. Doch Vorsicht: Jede dritte Erkrankung endet tödlich, weltweit sterben jedes Jahr eine Million Menschen an Tetanus. Die Erreger lauern überall und dringen über Hautverletzungen in den Organismus ein. Bester Schutz: die regelmäßige Impfung alle zehn Jahre.

 

Diphtherie – bei uns schon fast besiegt

Die Atemwegsinfektion, bei der die Schleimhäute im Rachen lebensbedrohlich anschwellen können, tritt in Europa nur noch selten auf. Der Hauptgrund: Ein Großteil der Bevölkerung ist dagegen geimpft. In der jüngeren Zeit gab es nur einige wenige Fälle in ehemaligen Ostblockstaaten. Ganz wichtig: Der Schutz muss alle zehn Jahre aufgefrischt werden. Die Ständige Impfkommission rät zur Kombi-Impfung: gegen Diphtherie, Keuchhusten und Tetanus.

 

Keuchhusten – Schutz muss erneuert werden

Die hoch ansteckende Infektionskrankheit trifft mittlerweile vor allem Erwachsene: Denn kaum einer weiß, dass man nicht lebenslang geschützt ist, wenn man als Kind Keuchhusten hatte oder dagegen geimpft wurde. In höherem Alter verläuft die Erkrankung häufig schwer und über Wochen, zudem kann sie zu einer lebensgefährlichen Hirnhautentzündung führen. Die Keuchhusten-Impfung gibt es nur noch in der Kombination mit Tetanus und Diphtherie – sie muss alle zehn Jahre erneuert werden.

 

Zecke – ihr Biss kann krank machen

Sobald im Frühjahr die Temperaturen steigen, sind auch die Zecken wieder da. Ihr Biss kann krank machen: Jedes Jahr bekommen hierzulande rund 80 000 Menschen davon eine Borreliose-Infektion, die mit Antibiotika behandelt werden muss. Sehr viel seltener sind Zecken, die die gefährliche Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen: Sie kommen vor allem in Süddeutschland und Thüringen vor. Pro Jahr gibt es dort rund 200 Krankheitsfälle. Schutz bietet nur die FSME-Impfung, die jährlich erneuert werden muss.

 

Masern – im Zweifel lieber nachimpfen

Die Viruskrankheit ist wieder auf dem Vormarsch, 2011 gab es bereits doppelt so viele Fälle wie 2010. Masern können lebensgefährlich werden – auch für Erwachsene. Geschützt ist nur, wer zweimal geimpft wurde oder die Masern überstanden hat. Im Zweifel mit dem Hausarzt über eine Nachimpfung sprechen. Das gilt vor allem für Menschen, die mit Säuglingen zu tun haben. Babys können erst mit elf Monaten geimpft werden und sind besonders gefährdet. Die Ständige Impfkommission empfiehlt bei einer Nachimpfung den Kombi-Schutz Mumps, Masern, Röteln.

 

Impfpass weg?

Das gelbe Impfbuch, in dem jede Impfung dokumentiert ist, sollte man sorgfältig aufbewahren. Denn geht es verloren, gilt man rechtlich als ungeimpft. Wer den Nachweis nicht mehr finden kann, sollte zunächst Kontakt mit dem Arzt aufnehmen, der die Impfungen vermutlich durchgeführt hat. Entsprechende Unterlagen werden zehn Jahre in der Praxis aufbewahrt. Zweite Möglichkeit: Der Hausarzt kann per Blutuntersuchung (Titerbestimmung) abchecken, ob eine Grundimmunisierung zum Beispiel gegen Tetanus besteht. Im Zweifel gilt: beim Hausarzt einen neuen Pass besorgen und die wichtigsten Impfungen – Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten – nachholen.

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