Immuntherapie gegen Hautkrebs: Impfung mit Erfolg?

Carolin Banser Medizinredakteurin
weisse Blutkörperchen
Die Immuntherapie versetzt die Abwehr mithilfe spezieller Antikörper in die Lage, die Tumorzellen zu erkennen und gezielt anzugreifen © iStock

Die Immuntherapie ist eine wirksame Waffe gegen Hautkrebs. Sie unterstützt das Immunsystem darin, den Feind selbst zu bekämpfen – ähnlich wie bei einer Schutzimpfung.

Hautärzte schlagen Alarm: Seit 2005 ist die Zahl der Hautkrebs-Diagnosen um 79 Prozent gestiegen. Allein in Deutschland erkranken jedes Jahr mehr als 20.000 Menschen an schwarzem Hautkrebs. Das sogenannte maligne Melanom ist früh erkannt gut behandelbar. Ist es noch nicht weiter als zwei Millimeter in die Haut eingewachsen, lassen sich Metastasierungen gut entfernen. Wenn sich aber bereits Tochtergeschwülste gebildet haben, liegt die Lebenserwartung der Patienten häufig nur noch bei zehn Monaten. Ein neuer Therapieansatz verbessert jetzt die Überlebenschancen der Patienten.

 

Krebszellen überlisten das Immunsystem, indem sie sich tarnen. Mediziner sind schon länger auf der Suche nach Möglichkeiten, diese Blockade zu überwinden. Durch die neue Immuntherapie könnte das Abwehrsystem bösartiges Zellwachstum erkennen und angreifen.

 

Gleich zwei Forscherteams ist es jetzt gelungen, Erfolge bei der Immuntherapie gegen Melanome in Phase 1 zu erzielen. Demnach konnte die Behandlung bei Patienten mit schwarzem Hautkrebs die Rückkehr der Tumoren verhindern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachmagazin „Nature“.

 

 

Klinische Studie 1

 

In der ersten Studie entwickelte das Team um Patrick Ott vom Dana-Farber Institute in Boston einen Impfcocktail für sechs Patienten, der die Immunabwehr der Erkrankten eindeutig auf bestimmte Merkmale der Krebszellen trimmte. Grundlage bildete ein genetisches Profil der Tumorzellen, welches mit dem Erbgut der gesunden Körperzellen abgeglichen wurde. Daraus konnten die Wissenschaftler 20 Peptide bestimmen, die nur auf der Oberfläche der Krebszellen existierten und potenzielle Angriffsziele darstellten. Den Peptid-Cocktail gegen den Tumor erhielten die Patienten innerhalb von vier Wochen mehrfach in Form einer Impfung.

 

 

Klinische Studie 2

 

Ugur Sahin von der Universität Mainz hatte zusammen mit seinen Kollegen eine ähnliche Vorgehensweise entwickelt. Allerdings handelte es sich bei den Impfstoffen nicht um Peptide, sondern um künstlich hergestellte RNA (Erbinformationen). Studien zeigen, dass auch RNA-Moleküle das Immunsystem gezielt auf Erregermerkmale aufmerksam machen können.

 

 

Immuntherapie verhindert Rückkehr der Tumore

 

Das Ergebnis: in beiden Fällen aktivierte die Behandlung das Immunsystem der Patienten. Das Knochenmark produzierte vermehrt weiße Blutkörperchen – sogenannte T-Killerzellen – die auf die Merkmale der Krebszellen geeicht waren und diese bekämpften. Acht der 13 Patienten aus Studie zwei blieben tumorfrei. Die Peptid-Impfung verhinderte bei vier der sechs Patienten der ersten Studie eine Rückkehr der Tumore.

 

Ziel der Forschung ist es jetzt, beide Impfstoffe gegen Hautkrebs in einer zweiten Phase mit mehr Probanden zu testen.

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