Studie: So viele Antikörper schützen vor Impfdurchbruch

Daphne Sekertzi

Ein Forscher-Team der Universität Oxford hat erstmals präzise Antikörper-Grenzwerte ermittelt, die Auskunft darüber geben könnten, wie lange vollständig Geimpfte gegen das Coronavirus geschützt sind. Ist die Immunität gegen Corona nach einer Impfung nun messbar?

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Inhalt
  1. Immunität nach Corona-Impfung: So wichtig sind Antikörper
  2. Studie: Geimpfte sind ab dieser Antikörpermenge gegen Corona geschützt
  3. Antikörpermenge nach Corona-Impfung: Kein zuverlässiger Wert?

An der Antikörpermenge im Blut allein lässt sich nicht festmachen, wie lange der Immunschutz nach einer vollständigen Corona-Impfung anhält. Antikörper sind dennoch wichtige Anhaltspunkte für die Immunität. Forscher:innen sind daher bemüht, Grenzwerte auszumachen, die es erlauben würden, Aussagen über den Immunschutz zu treffen und individuelle Empfehlungen für den richtigen Zeitpunkt der dritten Impfung abzugeben.

Eine im Fachmagazin „nature medicine“ veröffentlichte Studie könnte in diesem Punkt nun einen wichtigen Fortschritt gemacht haben.  

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Immunität nach Corona-Impfung: So wichtig sind Antikörper

Wie gut und wie lange man durch die Impfung vor dem Coronavirus geschützt ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab – z.B vom Alter und der individuellen Leistungsfähigkeit des Immunsystems. Entscheidend ist aber auch die Menge an Antikörpern, die der Körper nach der Impfung gegen das Coronavirus bildet. Sie verhindern nämlich, dass das Virus in die Zellen dringt und sich vermehrt.

Zirkulieren viele Antikörper im Blut, ist der Körper besser gegen das Coronavirus gewappnet, sodass sich das Risiko einer (symptomatischen) Erkrankung stark reduziert. Andersherum ist der Schutz vor einer Infektion bei einer niedrigen Antikörpermenge nicht gewährleistet. Aber ab welchem Wert ist die Zahl der Antikörper ausreichend, um vor einer Corona-Infektion und einem symptomatischen Verlauf geschützt zu sein?

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Studie: Geimpfte sind ab dieser Antikörpermenge gegen Corona geschützt

Ein Forscherteam der Universität Oxford wollte genau das herausfinden. Für ihre Studie rekrutierten sie 1.575 vollständig geimpfte Teilnehmer:innen der Zulassungsstudie des Astrazeneca-Vakzins. Der Antikörperspiegel wurde bei ihnen zunächst 28 Tage nach der zweiten Impfung bestimmt. Innerhalb von 90 Tagen nach der zweiten Impfung steckten sich 171 Menschen mit Corona an, davon entwickelten 74 Personen Symptome. Die Infizierten wurden schließlich nochmals zum Antikörpertest gebeten. Aus den Ergebnissen leiteten die Forscher:innen Grenzwerte für zwei verschiedene Antikörper ab.

Vor einer symptomatischen Corona-Erkrankung seien vollständig Geimpfte geschützt, wenn 28 Tage nach der zweiten Impfung der Gehalt an IgG-Antikörpern 264 Einheiten pro Milliliter Blut beträgt.

Was sind Immunglobuline G (IgG)?

Die Antikörper – auch Immunglobuline genannt – werden gemäß ihrer Funktion Kategorien zugeordnet. Der Körper kann bis zu 100 Millionen unterschiedliche Antikörper bilden, die auf die jeweiligen Krankheitserreger passgenau zugeschnitten sind. 75 bis 80 Prozent der Antikörper gehören zur Gruppe der Immunglobuline G (IgG). Sie werden etwa drei Wochen nach einer Infektion oder einer Impfung gebildet und tragen wesentlich zur Immunität gegen einen Krankheitserreger bei. Denn dank ihnen kann der Körper ein Immungedächtnis ausbilden, das bei erneutem Kontakt mit dem Erreger die Antikörper mobilisiert.

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Neben den IgG wurde die Menge an Antikörper bestimmt, die gegen das Spike-Protein gerichtet sind – also gegen die Virushülle von SARS-CoV-2, die das Andocken an die Wirtszelle erst ermöglicht. Das Spike-Protein ist als rezeptorbindende Domäne (RBD) definiert. Liegt der Gehalt an Anti-RBD-IgG höher als 506 pro Milliliter Blut, besteht ein 80-prozentiger Schutz vor einer symptomatischen Erkrankung, so das Ergebnis der Studie.

Die Bestimmung der Antikörpermenge erfolgt über eine Blutprobe. Dabei wird das Blutserum, also der flüssige Anteil des Bluts, in mehreren Schritten labortechnisch auf IgG hin untersucht. Die Kosten eines solchen Antikörper-Nachweises werden nur dann von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, wenn ein:e Corona-Infiziert:e klinische Symptome hatte und ein PCR-Test keinen Erregernachweis mehr erbringen kann –  das ist besonders bei milden Verläufen bereits eine Woche nach Symptombeginn der Fall.

 

Antikörpermenge nach Corona-Impfung: Kein zuverlässiger Wert?

Eine im Preprint (noch nicht von unabhängiger Seite überprüfte) veröffentlichte Studie legt ähnliche Zahlen für das Moderna-Vakzin vor. Doch trotz der präzisen Werte der britischen Forscher:innen besteht Unsicherheit darüber, wie genau und zuverlässig diese sind. Eingeschränkt wird die Aussagekraft der Ergebnisse z.B dadurch, dass nur wenige ältere Personen und nur Menschen aus Großbritannien an der Studie teilgenommen haben. Somit können die ermittelten Antikörper-Grenzwerte nicht auf die breite Bevölkerung, vor allem die anderer Länder, übertragen werden.

Allerdings geben die Werte zumindest eine erste Orientierung dafür, ab welcher Antikörpermenge nach der zweiten Corona-Impfung mit einem vollständigen Immunschutz zu rechnen ist.

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Quelle:

Feng, Shuo [u.a] (2021): Correlates of protection against symptomatic and asymptomatic SARS-CoV-2 infection, in: nature.com

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