Immer mehr Kinder verhaltensauffällig – So beugen Sie vor

Redaktion PraxisVITA

Die aktuellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI), die anlässlich des Kinder- und Jugendärztetages in Berlin bekannt gegeben wurden, bereiten den Ärzten große Sorgen. Demnach zeigt etwa jedes fünfte Kind psychische Auffälligkeiten. Doch wie äußern sich diese und welche Möglichkeiten der Vorbeugung gibt es?

Im Mittelpunkt des diesjährigen Kinder- und Jugendärztetages stand die seelische Gesundheit. Da psychische Auffälligkeiten und Störungen bei Kindern und Jugendlichen häufig unbehandelt bleiben, sehen Experten hier einen großen Handlungsbedarf. Demnach haben bislang nur 11,8 Prozent der grenzwertig auffälligen und 18,6 Prozent der als auffällig klassifizierten Kinder und Jugendlichen Kontakt zu einem Psychiater, Psychologen oder der Jugendhilfe. Wie wichtig der Ausbau präventiver Maßnahmen ist, machen die jüngsten Zahlen des RKI deutlich. Ihnen zufolge sind ein Fünftel (20,2 Prozent) der Kinder und Jugendlichen im Alter von drei bis siebzehn Jahren nach Einschätzung ihrer Eltern einer Risikogruppe für psychische Auffälligkeiten zuzuordnen. „Ein Großteil derjenigen, die im Kindesalter auffällig sind, haben ab dem Jugendalter oder als Erwachsene behandlungsbedürftige Symptome,“ warnt der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte Deutschlands (BVKJ), Wolfram Hartmann.

Trauriger Junge
Immer mehr Kinder entwickeln psychische Auffälligkeiten warnt der BVKJ anlässlich des Kinder- und Jugendärztetages. Die meisten von ihnen sind traurig und ziehen sich zurück © Shutterstock
 

Kinder sind aggressiv oder ziehen sich völlig zurück

Die psychischen Auffälligkeiten äußern sich auf vielfältige Weise. Die betroffenen Kinder zeigen Aggressionen, ziehen sich zurück, sind scheu, traurig oder überfordert. Bevor sie in die Schule kommen, zeigen Mädchen und Jungen bereits immer öfter Anzeichen von Depressionen. Ursachen können Experten bislang nur vermuten. Als Auslöser für Verhaltensauffälligkeiten könnten demnach Überforderung und Vernachlässigung gelten. Die meisten Kinder werden nicht behandelt. Medikamente gegen psychische Auffälligkeiten sind mit Ausnahme von ADHS beim Kinderarzt kein Thema. Doch zumindest die Vorbeugung müsse sich verbessern, fordert Hartmann.

 

5 einfache Tipps zur Prävention von Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen

1. Richtige Ernährung

Immer mehr Studien zeigen, dass manche Lebensmittel schlecht für Kinder sind. Nicht wenige von ihnen sind so bedenklich, dass seit Kurzem sogar vor ihnen gewarnt werden muss: „Der Inhalt dieses Produkts kann die Psyche Ihres Kindes beeinträchtigen“ – dieser Hinweis findet sich nun auf vielen bunten Lebensmittelverpackungen. Die darin enthaltenen Azofarbstoffe lösen in hoher Dosis bei Kindern Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsstörungen aus. Sie verstecken sich u. a. in Gummibärchen, Cola, Brausepulver, Pudding oder Eiscreme, also jenen Speisen, die von Kindern so gerne verzehrt werden. Dabei sind die Hinweise auf den Packungen oft so klein, dass sie leicht überlesen werden. Sehen Sie daher beim Einkauf genau auf die Liste der Zusatzstoffe – und meiden Sie Produkte, die E 102, E 104, E 122, E 129 oder E 124 enthalten.

2. TV und Handy verbannen

Kinder, die im Alter zwischen einem und drei Jahren Fernsehen, entwickeln mit sieben Jahren häufig Verhaltensauffälligkeiten. Eine Studie des Children Hospital and Regional Medical Center in Seattle hat gezeigt, dass jede Stunde TV-Konsum in diesem Alter die Rate an Verhaltensstörungen um fast zehn Prozent ansteigen lässt. Im Kinderzimmer sollte kein Fernseher stehen. Der Fernsehkonsum übersteigt bei vielen Kindern die Fähigkeit alle Eindrücke, Reize und Belastungen zu verarbeiten. Die Folgen: Ausdauer und Konzentration nehmen dramatisch ab. Vereinbaren Sie gegebenenfalls feste Nutzungszeiten, z. B. täglich höchstens 15 Minuten Computer und Handy sowie maximal zwei TV-Stunden für unter Zehnjährige, höchstens 30 Minuten Computer/Handy und maximal drei TV-Stunden für unter 14-Jährige.

3. Risiko-Spiele

Kinder haben einen Bewegungsdrang. Wer keinen Garten hat, sollte oft mit ihnen auf den Spielplatz, in den Park, in den Wald gehen – am besten mit vielen Spielkameraden. Gut ist es auch, mit anderen Müttern „Spieldienste“ zu verabreden, die abwechselnd mit den Kleinen zum Toben, Rennen, Klettern in den Bäumen losziehen. Erst kürzlich hat eine Studie bewiesen, dass Kinder gefährliche Spiele brauchen: sie fördern soziale Interaktionen, stärken die Kreativität, regen zum Bewegen an und spielen eine wichtige Rolle in der Persönlichkeitsbildung.

4. Ausreichend Schlaf

Finnische Forscher der Universität von Helsinki und des Nationalen Gesundheits- und Sozialamts in Finnland untersuchten, ob zu wenig Schlaf zu Verhaltensauffälligkeiten führt. Die Kinder, deren aufgezeichnete Schlafdauer unter 7,7 Stunden lag, waren eher hyperaktiv und impulsiv. „Diese Ergebnisse legen nahe, dass eine sinnvolle Schlafzeit für Kinder wichtig ist, um solche Verhaltensauffälligkeiten zu vermeiden,“ betonen die Forscher. Experten empfehlen zwischen neun und zwölf Stunden.

5. Keine Energy-Drinks

Während der bittere Geschmack von Kaffee Kinder und Jugend­liche abschreckt, sind die süßen und angesagten Energy-Drinks für sie attraktiv. Bei ihnen steht die Süße im Vordergrund und über­deckt den bitteren Geschmack des Koffeins. Energy-Drinks enthalten dreimal mehr Koffein als Cola und noch weitere aufputschende Substanzen. Dieser Energie-Kick kann bei Schulkindern auf die Dauer unerwünschte Folgen haben: Greifen sie häufig zu stark gesüßten Energy-Drinks, erhöht dies die Gefahr für Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit, sagen US-Forscher. Sie hatten über 1.600 Kinder befragt, die im Bundesstaat Connecticut die Mittelschule besuchten. Die Wissenschaftler raten dazu, dass Kinder auf Energy-Drinks am besten ganz verzichten sollten. Diese enthielten hohe Mengen an Zucker, zum Teil bis zu 40 Gramm.

Hamburg, 15. Juni 2015

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