Immer in Bewegung bleiben – zu viel Sitzen verursacht Krebs

Zu viel sitzen steigert Krebsrisiko
Forscher der Universität Regensburg fanden in einer Meta-Studie heraus, dass zu viel Sitzen das Risiko für Darm- und Gebärmutterkrebs deutlich steigert © Fotolia

Zu viel Sitzen – im Büro, vor dem Fernseher oder im Auto – steigert das Risiko für Darm- und Gebärmutterkrebs deutlich. Das zeigten deutsche Wissenschaftler in einer nun veröffentlichten Meta-Studie. Die statistisch gewonnenen Erkenntnisse belegen zudem erstmals, dass „Vielsitzer“ ihr Krebsrisiko durch vermeintliche Ausgleichsaktivitäten – wie Sport oder Gymnastik – nicht kompensieren können. Praxisvita hat für Sie die Fakten.

Deutsche Forscher haben jetzt einen direkten Zusammenhang zwischen „zu viel Sitzen“ und einem erhöhten Risiko für Darm- und Gebärmutterkrebs nachgewiesen. Die kürzlich in der US-amerikanischen Fachzeitschrift Journal of National Cancer Institutes veröffentlichte Studie zeigt ein deutlich gesteigertes Krebsrisiko bei Menschen, die täglich mehrere Stunden sitzen.

Für die Untersuchung waren die Ergebnisse von insgesamt 43 wissenschaftlichen Studien neu ausgewertet worden. Dabei wurden Daten von über vier Millionen Probanden berücksichtigt.

 

Kein Grenzwert für „Vielsitzer“ bestimmbar

Wie viel Stunden in sitzender Position als „zu viel“ angesehen werden müssen, geben die Wissenschaftler nicht an. Die Untersuchung zeigt keinen absolut bestimmbaren Wert – wie ein zeitliches Maximum, das ein Mensch pro Tag gefahrlos sitzen kann –, sondern vielmehr ein proportionales Verhältnis einer gewissen Zeit in sitzender Position zu der daraus entstehenden Steigerung des Krebsrisikos.

Demnach erhöht sich durchschnittlich für alle zwei Stunden, die man täglich sitzt, das Risiko Darmkrebs zu bekommen um acht Prozent – im Vergleich zu einem Menschen, der nicht sitzt. Die Gefahr, an Gebärmutterkrebs zu erkranken, steigt im Schnitt noch stärker und wurde von den Wissenschaftlern mit einer Zunahme von mindestens zehn Prozent alle zwei Stunden beziffert.

 

Wo Sie sitzen macht einen Unterschied

Berechnet auf die durchschnittliche Anzahl der Stunden, die ein Mensch sitzend verbringt, ergab sich nach Aussagen von Studienautorin Daniela Schmid von der Universität Regensburg für „Vielsitzer“ ein gesteigertes Risiko für Darmkrebs von rund 24 Prozent und für Gebärmutterkrebs von mehr als 32 Prozent – pro Tag.

 

Das Krebsrisiko durch Sitzen ist nicht umkehrbar

Angesichts dieser deutlichen Steigerung des Krebsrisikos durch zu viel Sitzen sprachen die Forscher in der Studie von dem „wichtigsten modifizierbaren Risikofaktor für Gebärmutterkrebs“.

Die Untersuchung legt außerdem nahe, dass der Risikofaktor Sitzen durch Aktivitäten wie Sport oder Gymnastik nicht ausgeglichen werden kann. Sitzt man also beinahe den ganzen Tag im Büro, im Auto oder vor dem Fernseher, lässt sich der bereits ausgelöste, steigernde Effekt auf das Krebsrisiko – zum Beispiel durch den Besuch in einem Fitnessstudio – nicht rückgängig machen.

Sitzen erhöht Krebsrisiko
Der Effekt des gesteigerten Krebsrisikos durch zu viel Sitzen lässt sich nach Angaben der Forscher nicht umkehren – auch nicht durch Sport. Die einzige Chance, dieser Gefahr vorzubeugen, ist das regelmäßige Unterbrechen der individuellen Sitzintervalle© Fotolia
 

Das Sitzen unterbrechen

Um das Krebsrisiko durch zu viel Sitzen verringern zu können, empfehlen die Forscher, die individuellen Sitzzeiten nach Möglichkeit zu mindern. Wer aus beruflichen Gründen den ganzen Tag an den Stuhl gefesselt ist, sollte das Sitzen aber regelmäßig unterbrechen – zum Beispiel durch einen kleinen Spaziergang. Besonders vor dem Hintergrund, dass eine nachträgliche Kompensation des im „Tagesverlauf ersessenen“ Krebsrisikos nicht möglich ist, sind unterbrochene und somit kürzere Sitzintervalle der vielleicht einzige Schutz gegen ein deutlich erhöhtes Krebsrisiko durch zu viel Sitzen.

Hamburg, 19. Juni 2014

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