Ihr Gehirn war fast abgestorben – jetzt lacht sie wieder

Redaktion PraxisVITA

Dass die kleine Eden wieder laufen und lachen kann, grenzt an ein Wunder – denn nach ihrem tragischen Badeunfall hatten Ärzte und Eltern schon fast die Hoffnung aufgegeben.

Eine Sekunde war ihre Mutter unaufmerksam gewesen – eine Sekunde, die das Leben der kleinen Eden und ihrer Familie veränderte. Während ihre Mutter im Schwimmbad duschte, entwischte das Mädchen aus einem Laufgitter, schlüpfte durch eine Tür und fiel in das abgesperrte Außenbecken des Schwimmbads. Erst 15 Minuten später wurde sie gefunden und aus dem fünf Grad kalten Wasser gezogen. Zu spät – ihr Herz schlug nicht mehr.

Edens Mutter begann sofort mit der Herz-Lungen-Massage. Doch erst zwei Stunden später konnte das Mädchen wiederbelebt werden – in einem Krankenhaus in Fayetteville in Arkansas. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Gehirn der kleinen Eden bereits großen Schaden genommen. Sie konnte weder laufen noch sprechen und reagierte nicht auf Ansprache, ihr Kopf machte unkontrollierte Bewegungen.

Eden Carlson
Eden kann nach ihrem tragischen Badeunfall wieder lachen, sprechen und laufen – dank dem beispiellosen Erfolg einer Sauerstofftherapie© YouTube/Eden Carlson Miracles

Fast zwei Monate nach dem Unfall begann der Spezialist Paul G. Harch mit einer Sauerstofftherapie. Zweimal täglich wurde Eden durch eine Nasenkanüle 45 Minuten lang reiner Sauerstoff zugeführt. Der Erfolg der Therapie setzte schon nach wenigen Stunden ein: Die unkontrollierten Bewegungen hörten auf, Eden wirkte wieder wacher. Nach drei Wochen konnte sie wieder ihre Arme und Beine bewegen, sie begann zu lachen und zu greifen.

 

Beispiellose Genesung

Edens Ärzte beschlossen, die Sauerstoff-Therapie noch zu intensivieren und ließen das Mädchen in einer Überdruckkammer reinen Sauerstoff atmen. Nach 39 Sitzungen war das Unvorstellbare geschafft: Edens geistige Leistungsfähigkeit war völlig wiederhergestellt und sie konnte sogar besser sprechen als vor dem Unfall. 162 Tage nach dem tragischen Unfall zeigten MRT-Scans, dass die Hirnschäden nahezu vollständig zurückgegangen waren.

Die Erklärung für diese Wendung: Der Sauerstoff linderte die Entzündungen in Edens Gehirn und unterstützte ihre Gehirnzellen bei der Regeneration. Dass der Erfolg der Therapie aber so groß sein würde, konnten selbst Edens Ärzte kaum glauben: Von einer solchen Genesung sei „bei keiner Therapie je berichtet worden“, schreiben sie in ihrem Bericht über den Fall.

 

Der Fall Gardell

Eine Rolle könnte auch die Kälte im Pool gespielt haben. Der Fall erinnert an die Rettung eines zweijährigen Jungen, der bereits 105 Minuten klinisch tot war. Hier die bewegende Geschichte:

Es ist Anfang März: Wie so oft spielt der zweijährige Gardell mit seinen Geschwistern am Bach, der das Grundstück der Familie säumt. Doch die Schneeschmelze hat das Rinnsal in einen reißenden Fluss verwandelt. Als Gardell in das eiskalte Wasser fällt, wird er fortgespült – seine Geschwister können ihn nicht mehr sehen, ihm nicht helfen. Erst 35 Minuten später findet ein Nachbar den Jungen: kalt, ohne Puls, ohne Atmung. Der eintreffende Notarzt beginnt sofort mit der Reanimation. Doch im Grunde ist er ohne Hoffnung: Nach mehr als 30 Minuten ist die Chance, dass der kleine Junge überlebt, nahe null.

Als Gardell schließlich in die Notaufnahme des Krankenhauses zu Dr. Frank Maffei gebracht wird, ist der Junge bereits seit einer Stunde klinisch tot. Dieser feststehende medizinische Begriff bezeichnet den sogenannten Kreislaufstillstand: Das Gehirn zeigt zwar noch letzte Aktivitäten, aber Atmung und Herztätigkeit sind zusammengebrochen. Die Organe werden nicht mehr mit Sauerstoff versorgt. Ein normaler Mensch überlebt diesen Zustand fünf Minuten. Gardell schwebt bereits seit mehr als einer Stunde in dieser Welt, die nicht mehr das Leben ist, aber auch noch nicht der Tod, ein Raum zwischen den Grenzen – in der allein der Arzt entscheidet, ob eine Rückkehr ins Leben überhaupt noch versucht werden sollte.

Und Dr. Maffei wird die Entscheidung leicht gemacht: Alle Monitore, jegliche Parameter sagen, dass eine Reanimation vergeblich ist. Trotzdem gibt er nicht auf. „Ich habe ihn irgendwie gespürt“, sagt Maffei „Er war noch da.“ Damit überschreitet er eine Grenze; lässt das Rationale, die Gesetzmäßigkeiten der Wissenschaft hinter sich – und beginnt zu hoffen. Nach mittlerweile fast 100 Minuten…

Plötzlich piept es. Ein Herzschlag! Ein Lebenszeichen! „Ich fühle den Puls seiner Beinarterie!“ Das erste Wunder – aber nur ein kleines. Zwar schlägt Gardells Herz, pumpt Sauerstoff durch den blassen, kleinen Körper. Doch Jubel? Freudentränen? „Es ist viel zu früh, um die Eltern zu informieren.“ Gehirn, Herz und Nieren reagieren äußerst empfindlich auf eine solch lange Unterbrechung der Sauerstoffversorgung. Schwere geistige und körperliche Behinderungen sind wahrscheinlich. Vielleicht erlangt er nie wieder das Bewusstsein. Aber wer weiß schon, was geschehen wird. Gardell bewegt sich längst jenseits jeder medizinischen Erkenntnis. Wie also stehen die Chancen? „Das Eiswasser hat den Jungen sehr schnell auf etwa 25 °C heruntergekühlt“, sagt der Notarzt. „Das ist gut.“ Denn es setzt einen Überlebensmechanismus in Gang: Durch die niedrige Temperatur wird der Stoffwechsel extrem heruntergefahren, das Gehirn kommt mit nur 30 Prozent des normalen Sauerstoffbedarfs aus. So überlebte er die 35 Minuten im Wasser. Dann folgt die Reanimation und die Erwärmung des Körpers. Dadurch kann der Kreislauf aufrecht erhalten werden, bis bei etwa 28 °C der erste eigene Herzschlag einsetzt.

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