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IGeL-Leistung – welche Vorsorge lohnt sich wirklich?

Redaktion PraxisVITA
IGeL-Ultraschall
IGeL-Leistungen wie Ultraschalluntersuchungen beim Frauenarzt sollen zusätzliche Sicherheit in der Krebsfrüherkennung aber auch in der Schwangerschaft bringen Foto:  istock/AndreyPopov
Inhalt
  1. "IGeL-Check" – ein Ratgeber zu Individuellen Gesundheitsleistungen für Patientinnen und Patienten
  2. IGeL-Leistung: Wann lohnt sich die Investition?
  3. IGeL – häufige Angebote im Check Teil 1
  4. IGeL – häufige Angebote im Check Teil 2

Gerade beim Frauenarzt werden uns gern noch Zusatzangebote, sogenannte IGeL-Leistungen, angeboten. Experten sehen das eher kritisch. Erfahren Sie hier, wann die Investition sinnvoll ist – und wann nicht.

IGeL – was ist das?

IGeL sind die mehr als 300 Untersuchungen, Behandlungsmethoden und Serviceleistungen, die nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) enthalten sind und deswegen aus der eigenen Tasche bezahlt werden müssen.

Frauen wird von Ärzten häufig zu Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) geraten – rund 42 Prozent erhalten die Empfehlung, ein kostenpflichtiges Gesundheitsextra in Anspruch zu nehmen. Bei den Männern sind es dagegen nur 23 Prozent. Das Problem: Diese Zusatzangebote gehören nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen. Wenn also die eigene Versicherung nicht dafür aufkommt, muss der Patient zahlen. Das kann teuer werden. Allerdings: Auch wenn eine medizinische Leistung nicht erstattet wird, kann sie für den Patienten nützlich sein und Aufschluss über die eigene Gesundheit geben.

Allerdings fühlt sich jeder dritte Deutsche nur mäßig oder schlecht über den Nutzen von IGel-Leistungen vom Arzt informiert. Darum gibt es inzwischen Internet-Seiten wie www.igel-monitor.de zu Vor- und Nachteilen der Leistungen.

 

"IGeL-Check" – ein Ratgeber zu Individuellen Gesundheitsleistungen für Patientinnen und Patienten

Bei mehr als 360 verschiedenen Untersuchungen für Selbstzahler ist es schwer, den Überblick zu behalten. Laut Umfrage der AOK sind viele Patienten überfordert, zwischen überflüssigen und medizinisch notwendigen Angeboten zu unterscheiden. In diesem Fall hilft der offizielle Leitfaden „IGeL-Check“ im Internet unter www.igel-check.de, eine Entscheidung zu treffen.

 

IGeL-Leistung: Wann lohnt sich die Investition?

Wurden Sie vom Arzt angemessen über eine kostenpflichtige Leistung beraten? Dann sollten Sie folgende Fragen mit Ja beantworten können:

IGeL-Leistung: So treffen Sie die richtige Entscheidung
  1. Hat Ihnen der Arzt erklärt, warum die IGeL notwendig oder empfehlenswert für Sie ist?
  2. Hat der Arzt Sie informiert, ob es für den Nutzen der IGeL wissenschaftliche Belege gibt?
  3. Fühlen Sie sich verständlich zu Nutzen, möglichen Risiken oder Nebenwirkungen beraten?
  4. Gibt es eine schriftliche Vereinbarung zu geplanten IGeL und deren voraussichtliche Kosten?
  5. Haben Sie das Gefühl, dass Sie sich frei für oder gegen eine vom Arzt vorgeschlagene IGeL entscheiden können?
  6. Haben Sie für diese wichtigen Entscheidung eine angemessene Bedenkzeit bekommen?
  7. Sind Sie informiert worden, dass Sie sich eine Zweitmeinung einholen können?
 

IGeL – häufige Angebote im Check Teil 1

Doch welche Vorsorge ist denn nun nötig, um langfristig fit zu bleiben? Wir haben vier IGeL-Leistungen beim Gynäkologen unter die Lupe genommen.

IGeLIGeL DünnschichtzytologieIGeL-Ultraschall
Wozu dient sie?Der Abstrich für den PAP-Test zur Gebärmutterhalskrebsvorsorge wird zusätzlich gereinigt. So werden weniger Krebszellen übersehen. Zugleich kann auf HP-Viren getestet werden, die das Tumorwachstum auslösen können.Wird bei sehr dichtem bzw. knotigem Brustgewebe als eigenständige Früherkennungsuntersuchung oder ergänzend zur Mammografie (alle 2 Jahre Kassenleistung für Frauen zwischen 50 und 69) angeboten.
KostenBei auffälligem PAP-Test eine Kassenleistung, sonst 40 bis 55 Euro26 und 60 Euro, unter Umständen übernimmt die Versicherung die Kosten
ExpertenmeinungLaut Studien ist die Treffsicherheit dieser-Zelluntersuchung dem herkömmlichen PAP-Test nicht überlegen. Einziger Vorteil: die direkte Bestimmung des HP-Virustyps. Bewertung: keine gesundheitlichen Vorteile – außer bei positivem PAP-Test.Es gibt Hinweise auf einen geringen Nutzen, da man in der Regel kleinere Knoten findet als bei einer Tastuntersuchung. Allerdings können Fehlalarme und unnötige Eingriffe folgen. Bewertung: bei familiärer Vorbelastung oder Auffälligkeiten sinnvoll.
 

IGeL – häufige Angebote im Check Teil 2

IGeLIGeL Ultraschall der EierstöckeIGeL Urintest
Wozu dient sie?Mithilfe des Ultraschalls lassen sich bereits frühzeitige Veränderungen an Eierstöcken und Gebärmutter erkennen, die mit der Tastuntersuchung (ab 20. Lebensjahr einmal jährlich, Kassenleistung) nicht feststellbar sind.Blasenkrebs macht sich erst bemerkbar, wenn er weit fortgeschritten ist. Diese Untersuchung soll frühzeitig auf Substanzen reagieren, die vom Tumor gebildet und über den Urin ausgeschieden werden.
Kosten25 bis 53 Euro, bei familiärer Vorbelastung oder Verdacht zahlt die KasseEtwa 30 Euro
ExpertenmeinungDie Treffsicherheit zur Krebsfrüherkennung ohne Anfangsverdacht ist gering. Ein Nutzen ist somit nicht belegt. Die Schattenseite: Bei jedem dritten Fehlalarm wurde laut Studie der Eierstock umsonst entfernt. Bewertung: negativ.Selbst für Menschen, die einer Hochrisiko-Gruppe angehören (z. B. beruflich mit krebserregenden Stoffen arbeiten), gibt es keine aussagekräftigen Studien. Die Treffsicherheit ist mangelhaft, Gefahr von Fehlalarmen groß. Bewertung: tendenziell negativ.

 

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