Igel-Stachelbart (Hericium): Welche Wirkung hat der Pilz?

Michael van den Heuvel Medizin- und Wissenschaftsjournalist

Die traditionelle chinesische Medizin (TCM) schätzt Igel-Stachelbart, auch Hericium genannt, bei Erkrankungen des Magens, des Darms und des Immunsystems. Diese schreibt dem Pilz auch eine Wirkung bei stressbedingten Beschwerden und bei Veränderungen im zentralen Nervensystem zu.

Igelstachelbartpilz
Der Pilz wächst auf alten, teilweise zerstörten Laubbäumen Foto:  iStock/ueapun

Hericium erinaceus ist ein Pilz, der in Europa weit verbreitet ist. Aufgrund seines fadenartigen Äußeren, das an Stachel erinnert, heißt er auch Igel-Stachelbart. Weitere Namen sind Affenkopfpilz, Löwenmähne und Yamabushitake. Der Pilz wächst auf alten, teilweise zerstörten Laubbäumen, deren Wunden dieser als Parasit befällt. In China wird Hericium seit mehreren Jahrhunderten kultiviert. Der begehrte Speisepilz kommt auch in der traditionellen chinesischen Medizin auf vielfältige Weise zur Anwendung. 

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Welche Anwendungsgebiete und welche Wirkung hat der Igel-Stachelbart?

Heilpraktiker schätzen die Wirkung von Hericium bei Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts. Der Igel-Stachelbart soll dort die Schleimhäute stärken. Zum anderen soll damit gleichzeitig verhindert werden, dass Allergene aus Lebensmitteln in den Körper gelangen. Ziel dieser Behandlung ist es, Beschwerden von Allergien oder Hauterkrankungen wie Neurodermitis zu verringern. Als weitere Hericium-Anwendungsgebiete im Bereich der Verdauungsorgane nennt die traditionelle chinesische Medizin Sodbrennen (Reflux) und eine Entzündung der Magenschleimhaut (Gastritis). Bei entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn wird der Igel-Stachelbart ebenfalls empfohlen und soll auch einen durch Stress gereizten Magen oder Darm beruhigen. In China setzen TCM-Ärzte Hericium zudem bei Krebs im Verdauungstrakt ein, um schulmedizinische Therapien unterstützen. Zu den Krankheitsbildern gehören Magenkrebs, Krebs der Speiseröhre und Dickdarmkrebs. Nicht zuletzt wird dem Igel-Stachelbart nachgesagt, Nervenzellen zu beruhigen. Das macht man sich bei Multipler Sklerose zunutze: einer Erkrankung, bei der das Immunsystem Isolatoren (Myelinscheiden) von Nervenbahnen angreift.

 

In welcher Dosierung sollte man den Igel-Stachelbart einsetzen?

Einheitliche Angaben zur Dosierung gibt es nicht. Informationen gibt beim Heilpraktiker oder TCM-Arzt. Eine Besonderheit gibt es bei allen Heilpilzen: Diese werden schonend getrocknet, pulverisiert und dann als Tabletten oder Kapseln in den Handel gebracht. Grundsätzlich wird die Tagesdosis auf mehrere Portionen verteilt. Dazu sollte man etwa zwei Liter Wasser oder ungesüßten Tee trinken. Als Nebenwirkung kann es in den ersten Tagen zu Magen-Darm-Störungen kommen, bis sich der Körper an Hericium gewöhnt hat. 

Foto: iStock
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Ist die Wirkung des Igel-Stachelbarts belegt?

Die Studienlage zu Hericium ist vergleichsweise dünn. In vielen Fällen wurden nur Effekte bei Tieren oder bei Zellen im Labor beobachtet. Solche Daten kann man nicht eins zu eins auf Menschen übertragen. Es wird daher geraten, auf ärztliche Empfehlungen zu hören und alle verordneten Medikamente zu nehmen, die von Ihrem Arzt festgelegt werden. Der Igel-Stachelbart kann die Behandlung gegebenenfalls ergänzen.

Hinweis: Die spezifische Wirksamkeit von Homöopathie wird in der Wissenschaft diskutiert. Dennoch ist Homöopathie als sanfte Heilmethode sehr beliebt.

Quellen:

Döll, M. (2012): Vitalpilze für ein gesundes Leben: Immunstärkend - Stoffwechselanregend – Entgiftend. F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung, Stuttgart

Schmaus, F. (2018): Das große Handbuch der Mykotherapie: Heilen mit Pilzen: Gesundheit aus der Natur. MykoTroph, Limeshain

Schmaus, F. (2014): Die Natur als Apotheke nutzen – Heilen mit Pilzen: Krankheiten natürlich und ursächlich heilen und dauerhaft gesund bleiben. MykoTroph, Limeshain

Vitalpilze für die Krebstherapie in: Verbraucherzentrale

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