Ich höre Stimmen – bin ich schizophren?

Frau hört Stimmen
US-amerikanische Wissenschaftler zeigten jetzt in einer Studie: Wer Stimmen hört, muss nicht krank sein © Fotolia

Was bedeutet es, wenn Menschen Stimmen hören? Wie fühlt sich das für die Betroffenen an und deutet es immer auf eine psychische Störung hin? Eine aktuelle Studie klärt diese Fragen erstmals im Detail.

Für ihre Untersuchung befragten Wissenschaftler der britischen University of Durham und der US-amerikanischen Stanford University 153 Menschen, die angaben, Stimmen zu hören – damit bezeichnet man die akustische Wahrnehmung von Worten, die nur der Betroffene hören kann.

 

Stimmen im Kopf: So hören und fühlen sie sich an

Bei der Analyse der Antworten fiel zunächst auf, dass nicht nur Menschen mit einer psychischen Störung wie Schizophrenie Stimmen hören – bei 26 der Probanden wurde keine solche Diagnose gestellt.

Außerdem stellten die Forscher folgende Beobachtungen an:

  • Die meisten Probanden (81 Prozent) gaben an, mehrere Stimmen zu hören.
  • 70 Prozent konnten die Stimmen außerdem verschiedenen Charakteren zuordnen.
  • Für 45 Prozent der Betroffenen hörten sich die „Stimmen im Kopf“ nicht genauso an wie reale Stimmen, sondern entweder wie „gedachte“ Worte oder wie eine Mischung aus gedachten und real wahrgenommenen Worten.
  • 66 Prozent der Betroffenen gaben an, die Stimmen körperlich zu spüren, durch Wärme oder Kribbeln in Händen und Füßen.
  • Stimmen, die mit körperlichen Symptomen einhergingen, waren häufiger beleidigend oder bedrohend und in einigen Fällen wurden sie mit Traumata in der Vergangenheit in Zusammenhang gebracht.
  • Die Mehrheit der Betroffenen assoziierte Angst, Stress und Depressionen mit dem Hören der Stimmen, doch 31 Prozent gaben an, auch positive Gefühle damit zu verbinden.
 

Ab wann fängt eine psychische Störung an?

Experten schätzen, dass bis zu 15 Prozent aller Erwachsenen irgendwann in ihrem Leben Stimmen hören. Das muss nicht durch klassische psychische Erkrankungen hervorgerufen werden – das Phänomen kann beispielsweise auch durch Medikamenten-Unverträglichkeiten oder eine Alkoholabhängigkeit verursacht werden. Als Warnsignal einer psychischen Störung nennen Experten häufig auftretende Trugwahrnehmungen, die so real erscheinen, dass Betroffene sie nicht mehr von der Realität unterscheiden können.

Ein ständiges Bedürfnis, Autos zu zählen, den Schlüssel in der Tasche zu ertasten oder jeden Hund zu grüßen: Auch bei zwanghaftem Verhalten ist die Grenze zwischen „normaler“ Gewohnheit und Störung häufig nicht leicht zu ziehen – erfahren Sie hier, wie Experten solche Grenzfälle einordnen.

Hamburg, 11. März 2015

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