Ich bin Arzt: Was ich tun und nicht tun würde

Was würde ein Arzt tun?
Welche Therapien würden Ärzte eigentlich selber ablehnen, wenn Sie betroffen wären? © Fotolia

Was machen Ärzte eigentlich, wenn sie selber krank sind? Wir haben Mediziner gefragt, welche Therapien sie als Patient grundsätzlich ablehnen würden. Sie verraten unter anderem, warum eine HPV-Impfung Folgen wie Gürtelrose haben kann oder warum der PSA-Wert möglicherweise kein zuverlässiger Indikator für Prostata-Krebs ist. Und warum es sich lohnt, möglichst oft barfuß zu laufen.

 

Was ich niemals tun würde ...

... ohne guten Grund einen PSA-Test machen lassen.

Dieser Test soll Ihnen sagen, ob Sie Prostatakrebs haben. Tatsächlich ist er sehr ungenau: Zwei Drittel aller Männer, deren Blut einen erhöhten PSA Wert aufweist, haben gar keinen Prostatakrebs. Studien haben gezeigt, dass sich die durchschnittliche Lebensdauer von Prostatakrebspatienten durch so einen Test nicht verbessern lässt. Dafür werden nach falsch positiven Diagnosen viele Männer unnötigerweise operiert. Nur zehn Prozent der Operierten haben dadurch einen Vorteil. Dafür sind fast 30 Prozent der Patienten nach einer solchen Operation inkontinent. Je nach Studie werden zwischen 20 und 80 Prozent der operierten Männer sogar impotent.

Dr. Michael Fritz, Allgemeinmediziner und Sportarzt

... meine Tochter zur HPV-Impfung schicken.

Auch meinen Patientinnen rate ich ab. Diese Impfung soll angeblich vor Gebärmutterhalskrebs schützen. Ob sie das tatsächlich kann, ist bis heute nicht belegt. Dafür ist sie riskant. Nach dieser Impfung kam es zu Todesfällen, die immer noch ungeklärt sind. Ein Zusammenhang lässt sich nicht ausschließen. Auch die Impfung gegen Windpocken halte ich für überflüssig. Bevor sie vor wenigen Jahren eingeführt wurde, galten die Windpocken als harmlose Kinderkrankheit, fast jeder der heute Erwachsenen hat sie problemlos überstanden. Durch die Impfung haben immer weniger Menschen Kontakt mit Windpockenviren. Dadurch sinkt die Abwehrkraft. Und das erhöht wiederum das Risiko, bei einem späteren Kontakt mit diesen Viren an einer Gürtelrose zu erkranken, einer unangenehmen, sehr schmerzhaften Hauterkrankung. Als Folge der Windpockenimpfung wird deshalb vermutlich die Zahl der Gürtelrosenerkrankungen steigen.

Michael Friedl, Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin



... eine Chemotherapie machen,

wenn ich Brustkrebspatientin wäre. Vier von fünf Frauen haben überhaupt keinen Nutzen davon. Dafür leiden sie unter den starken Nebenwirkungen. Die Kombination von Operation und Bestrahlung reicht in der Regel aus, um den Brustkrebs zu therapieren. Und ich würde mir niemals, auch nicht nach einer Brustkrebsoperation, ein Silikonkissen implantieren lassen. Diese Implantate sind nie richtig dicht: Dann kann das Silikon in den Körper gelangen und eine rheumaähnliche Erkrankung hervorrufen. Ich habe als Arzt die Erfahrung gemacht, dass Patientinnen ohne ein Implantat genauso zufrieden waren. Auch ihre Partner kamen damit gut zurecht. Kein Mann nimmt wegen einer Operationsnarbe gleich Reißaus.

Dr. Hans-Joachim Koubenec, Gynäkologe



... Antidepressiva ablehnen,

nur aus Angst, dass sie süchtig machen. Viele Menschen glauben das. Es ist aber falsch. Beruhigungs- und Schlafmittel machen abhängig, Antidepressiva nicht. Für diese Medikamente gibt es keinen Drogen-Schwarzmarkt, die Dosis muss nicht gesteigert werden. Sie machen nicht "high" und verändern auch nicht die Persönlichkeit. Wie viele andere Medikamente auch sollten sie trotzdem nicht von einem Tag auf den anderen abgesetzt werden.

Prof. Ulrich Hegerl, Psychiater



... einen Gentest im Internet machen.

Man kann dort eine Speichelprobe einsenden und bekommt dann eine Analyse seines genetischen Risikos für 99 Krankheiten. Eine Beratung findet nicht statt. Es ist aber ein Irrtum, dass das bloße Wissen über genetische Risiken auch das Krankheitsrisiko senken kann. Wenn es um Krankheiten geht, schafft ein solcher Gentest auch keinesfalls Sicherheit. Er ist bestenfalls beunruhigend und zieht weitere Tests nach sich. Wenn ich ein hohes genetisches Risiko für eine bestimmte Krebsart habe, heißt das nur, dass ich die kommenden 30 Jahre mit der Unsicherheit lebe, eventuell Krebs zu bekommen - keineswegs, dass ich ihn wirklich bekomme. Ebenso wenig, dass ich einmal daran sterben werde. Das senkt meine Lebensqualität erheblich - einen Nutzen bringt es mir nicht. Es gibt Vorsorgeuntersuchungen, die deutlich sinnvoller sind.

Dr. Stefan Reinsch, Arzt



... mein Kind zur Ernährungsberatung schicken.

Studien haben gezeigt, dass dicke Kinder dadurch nicht dünner werden, sondern höchstens depressiv. Wenn ihnen eingeredet wird, dass es gute und böse Nahrungsmittel gibt, schürt das unnötige Ängste und fördert Essstörungen. Ohnehin ist die Übergewichtsepidemie unter Kindern ein reines Märchen und durch keine verlässliche Studie belegt. Eltern sollten sich entspannen: Die Bedeutung der Ernährung für Krankheiten wird maßlos überschätzt. Wenn ein Kind wirklich sehr stark unter Übergewicht leidet und das in der Familie untypisch ist, würde ich einen Arzt aufsuchen. Ein guter Arzt würde es vorurteilsfrei auf Infektionskrankheiten oder organische Störungen untersuchen.

Dr. Gunter Frank, Allgemeinmediziner
 

 



Was ich immer tun würde ...

... erst einmal abwarten, bevor ich zum Arzt gehe.

Gerade leichte bis mittelstarke Beschwerden verschwinden oft ganz von alleine. Ich vertraue auf die Selbstheilungskräfte des Körpers und nehme auch nur sehr selten Medikamente, obwohl ich 76 Jahre alt bin. Wenn ich zum Arzt gehe, dann bin ich vor allem bei den akademischen Koryphäen vorsichtig. Häufig neigen diese dazu, teure Therapien und Diagnosemethoden auf mich loszulassen - ohne dass mir dadurch wirklich geholfen wird. Bei neuen Therapieformen und Medikamenten frage ich immer erst einmal nach. Wenn ein Arzt noch nicht genug Erfahrung damit hat, bleibe ich auf der Hut. Ich persönlich habe das Glück, seit Langem einen wunderbaren älteren Internisten zu kennen, dem ich absolut vertraue.

Prof. Bruno Müller-Oerlinghausen, klinischer Pharmakologe



... versuchen, barfuß zu laufen.

Und zwar nicht nur zu Hause in der Wohnung, sondern am besten in der Natur. Das trainiert wichtige Muskeln am Fuß. Wir laufen viel zu wenig und zwängen unsere Füße dabei viel zu oft in Schuhe ein. Niemals würde ich High Heels tragen: Bei hohen Absätzen wird der Fuß auch noch falsch belastet. Wenn wir schon Schuhe tragen müssen, dann am besten welche mit weicher und flacher Sohle. So bleibt der Fuß auf natürliche Weise in Kontakt mit dem Boden - das hält ihn gesund.

Dr. Thomas Schneider, Orthopäde



... zur Hautkrebsvorsorge gehen.

Eine Vorsorgeuntersuchung wird alle zwei Jahre von den Krankenkassen bezahlt: Das ist zu viel zu selten. Ich würde immer mindestens einmal pro Jahr zur Vorsorgeuntersuchung gehen, bei einem Verdacht auch zweimal jährlich. Die Gefahren durch den schwarzen Hautkrebs werden immer noch unterschätzt. Deshalb würde ich auch niemals in die Sonne gehen, ohne Sonnencreme zu benutzen. Überschätzt wird hingegen die Gefahr durch den weißen-Hautkrebs, der oft harmlos verläuft und sich gut behandeln lässt.

Dr. Gisela Delventhal, Hautärztin



... zu einem Spezialisten für Kinder-Radiologie gehen,

um mein Kind röntgen zu lassen. Bei Kindern ist es sehr wichtig, die Strahlendosis möglichst gering zu halten. Das gelingt einem Spezialisten besonders gut: Er kann am besten beurteilen, ob es überhaupt nötig ist, ein Kind zu röntgen. Und er macht weniger Fehler. In einer Kinder-Radiologie liegt die Fehlerquote beim Röntgen um bis zu zehnmal niedriger als bei Ärzten, die nicht spezialisiert sind. Das heißt, es müssen auch zehnmal weniger Aufnahmen gemacht werden. Wer unerfahren ist, macht hingegen oft unnötig viele Röntgenaufnahmen. Aber: In Notfällen, wie zum Beispiel nach einem schweren Unfall, können Röntgenuntersuchungen und Computertomografie Leben retten. Dann ist es wichtig, dass möglichst schnell eine Aufnahme gemacht wird - egal von wem.

Dr. Karl Schneider, Radiologe

Gesund essen schüetzt vor Prostata-Krebs
Gutes und reichhaltiges Essen hält im Alter gesund!© Fotolia

... gut essen, wenn ich alt und krank bin.

In jüngeren Jahren mag eine schlanke Linie gesünder sein. Im Alter erhöhen reichhaltiges Essen und leichtes Übergewicht die Widerstandskraft gegen viele Krankheiten. Um Ihren Cholesterinwert müssen Sie sich im Alter von 80 Jahren keine Sorgen mehr machen. Und ich würde Bettruhe immer meiden - soweit es möglich ist. Dabei werden zu viele Muskeln abgebaut. Bei den meisten Beschwerden im Alter hilft es am besten, in Bewegung zu bleiben.

Dr. Rupert Püllen, Altersmediziner

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