Ibuprofen – Die 10 häufigsten Fragen

Kapitel
  1. 1. Ibuprofen – Wirkstoff-Guide
  2. 2. Die 10 häufigsten Fragen
  3. 3. Nebenwirkungen
  4. 4. Dosierung
  5. 5. Medikamente

Den Wirkstoff Ibuprofen kennt fast jeder, denn es ist das meist verkaufte, rezeptfreie Schmerzwirkstoff in Deutschland. Grund genug den Wirkstoff einmal genauer zu betrachten.

Unser Experte Prof. Dr. Hartmut Göbel, Facharzt für Neurologie und spezielle Schmerztherapie von der Schmerzklinik Kiel, beantwortet die zehn häufigsten Fragen zum Wirkstoff Ibuprofen.

 

Wogegen nimmt man Ibuprofen?

Der Wirkstoff Ibuprofen wird meist als Schmerzmittel eingesetzt. Sowohl bei Kopfschmerzen, Regelschmerzen, aber auch bei Gelenkschmerzen kommt Ibuprofen zur Anwendung. Ibuprofen hat die Eigenschaft, dass der Wirkstoff nicht nur Schmerzen, sondern auch Entzündungen mindern und sogar Fieber senken kann. Der Wirkstoff wird beispielsweise auch nach sogenannten Ablationen (Herzkatheder-OPs) eingesetzt, um möglichen Entzündungen am Herzen vorzubeugen.

Der Arzneiwirkstoff wird im Allgemeinen gut vertragen, deswegen ist Ibuprofen auch der meistverkaufte, rezeptfreie Schmerz-Wirkstoff in Deutschland.

 

Wie wirkt Ibuprofen?

Der Wirkstoff Ibuprofen ist ein sogenanntes nicht-steroidales Antiphlogistikum/Analgetikum (NSAR), wie zum Beispiel auch Diclofenac oder ASS (Acetylsalicylsäure). NSAR wirken dabei alle nach dem gleichen Prinzip: Sie hemmen ganz bestimmte Gewebshormone, die Mediziner als Prostaglandine bezeichnen. Diese Prostaglandine spielen eine zentrale Rolle in der Regulation von Entzündungsprozessen und damit auch in der Schmerz-Produktion. Vereinfacht ausgedrückt: Die Wirkformel von Ibuprofen lautet also: weniger Prostaglandine = weniger Schmerz und weniger Entzündungen.

Frau mit Unterleibsschmerzen
Nicht nur bei Kopf- sondern auch bei Unterleibsschmerzen ist Ibuprofen ein beliebter Schmerzwirkstoff© Fotolia
 

Ab welcher Menge/Dosis wird Ibuprofen gefährlich?

Die maximal empfohlene Tagesdosis des Wirkstoffs Ibuprofen liegt bei 1200 mg. Dies entspricht einer Dosis, wie sie für die Selbstmedikation zugelassen ist. Nach Möglichkeit sollte dieser Wert auch nicht überschritten werden. Dennoch muss man ganz klar sagen, dass sich die empfohlene Tagesdosis an einem Durchschnittsgewicht von 70 kg orientiert. Dementsprechend wirken 400 mg Ibuprofen bei einem 200 cm großen und 100 kg schweren Menschen anders als bei einer 150 cm kleinen und 48 kg leichten Person. Hier ist also immer der Einzelfall zu berücksichtigen. Wer sich vor der Einnahme einer Dosis Ibuprofen unsicher ist, sollte sicherheitshalber noch einmal bei seinem Arzt oder Apotheker nachfragen.

Es gibt jedoch auch Patienten, bei denen die doppelte Tagesdosis, also 2400 mg, zur Behandlung notwendig sind. Das erfolgt jedoch immer nur unter ärztlicher Aufsicht. Kein Patient sollte sich diese Menge eigenhändig verordnen, denn das Risiko, unter dieser Dosis einen Schlaganfall, Herzinfarkt oder eine andere kardiovaskuläre Erkrankung zu erleiden, steigt rapide an.

Grundsätzlich gilt: Schmerzmittel sollten – selbst wenn sie rezeptfrei erhältlich sind und in der zugelassenen Tagesdosis eingenommen werden – bei einer Selbstmedikation nicht länger als vier Tage am Stück eingenommen werden.

 

Ist ein Magenschutz bei Ibuprofen notwendig?

Wer mal Kopfschmerzen hat und deshalb eine Schmerztablette mit dem Wirkstoff Ibuprofen einnimmt, braucht nicht zwangsläufig einen Magenschutz dazu. Anders sieht das hingegen aus, wenn der Arzneiwirkstoff über eine längere Behandlungsdauer eingenommen werden muss.

Experte Prof. Dr. Göbel: "Wie schnell Ibuprofen wirkt, hängt u.a. von der Zusammensetzung der Tablette und dem Gewicht des Patienten ab."© privat

Bei allen Schmerzmitteln, deren Wirkstoffe zu den sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) zählen, können bei einer längeren Einnahme Durchfälle, Magenschmerzen, Übelkeit, im schlimmsten Falle sogar Blutungen oder Geschwüre auftreten. Das liegt daran, dass bei der Hemmung der sogenannten Prostaglandine, die Magenschleimhaut ihren Schutz vor der Magensäure verliert. Dadurch können schnell Magenschmerzen entstehen. Wird aber zusätzlich ein Magenschutz eingenommen, wird durch die Gabe dieses Medikamentes die aggressive Magensäure reduziert, sodass die Magenschleimhaut nicht mehr angegriffen wird. Meist werden dazu sogenannte Protonenpumpen-Inhibitoren, wie z.B. Pantoprazol oder Omeprazol verschrieben.

 

Darf man Ibuprofen in der Schwangerschaft nehmen?

Gravierende Erkrankungen, wie beispielsweise Rheuma, müssen natürlich auch in der Schwangerschaft behandelt werden. Aber grundsätzlich gilt für jede werdende Mutter die Risiko-Nutzen-Abwägung. Egal um welches Medikament es sich handelt, die Einnahme während der Schwangerschaft sollte immer nur nach Rücksprache mit dem Arzt erfolgen.

Laut bisherigen Studien kann bis zum zweiten Drittel der Schwangerschaft der Wirkstoff Ibuprofen vorübergehend und nach Absprache mit dem behandelnden Arzt angewendet werden. Im letzten Drittel der Schwangerschaft ist von Wirkstoffen der NSAR-Gruppe aber absolut abzuraten, da u.a. das ungeborene Kind geschädigt werden kann.

 

Darf man Ibuprofen auf nüchternen Magen nehmen?

Ibuprofen-Präparate können auf nüchternen Magen eingenommen werden, jedoch immer mit einem großen Schluck Wasser, da sonst die Magenschleimhaut sehr strapaziert wird. Für die Wirksamkeit des Arzneistoffes ist es tatsächlich am besten, die Tablette einzunehmen, wenn man noch keine Nahrung im Magen hat. Der Grund: Wird das Medikament zusammen mit Nahrung eingenommen, verzögert sich die Wirkstoffaufnahme im Körper. Ibuprofen kann also besser und schneller wirken, wenn der Magen leer ist.

 

Wie schnell wirkt Ibuprofen?

Wie schnell ein Arzneiwirkstoff wirkt, hängt von diversen Faktoren ab, die den Eintritt der Wirkung beeinflussen können, wie z.B. Zusammensetzung der Tablette, Gewicht des Patienten, ob der Patient die Tablette auf leeren Magen nimmt oder nicht, ob sich bei ihm schon ein gewisserer Gewöhnungseffekt bei häufiger Tabletteneinnahme eingestellt hat, etc.

Im Allgemeinen kann man aber sagen, dass Ibuprofen meist sehr schnell wirkt und dass nach etwa 30 – 45 Minuten eine Besserung der Beschwerden eintritt.

 

Ab wann ist Ibuprofen verschreibungspflichtig?

Arzneimittel mit dem Wirkstoff Ibuprofen sind ab einer Dosierung von 600 mg pro Tablette verschreibungspflichtig. Tabletten mit einem Wirkstoffgehalt von 400 mg sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Dasselbe gilt auch für Gele, Salben, Zäpfchen oder auch für einige Kindersäfte, die zur Behandlung von akuten Schmerzen oder zur Fiebersenkung dienen und höchstens einen Wirkstoffgehalt von 400 mg haben.

Ab einem Wirkstoffgehalt von 600 mg ist Ibuprofen verschreibungspflichtig
Ab einem Wirkstoffgehalt von 600 mg ist Ibuprofen verschreibungspflichtig© Fotolia
 

Was wirkt besser: Ibuprofen oder Paracetamol?

Sowohl Ibuprofen als auch Paracetamol wirken auf ihre Weise. Die Einnahme dieser Arzneiwirkstoffe richtet sich immer danach, welche Art Schmerz vorliegt. Paracetamol ist sowohl bei Erkältungen als auch bei Kopfschmerzen sehr beliebt. Ein weiterer Vorteil: Auch Babys kann schon Paracetamol verschrieben werden. Ibuprofen dürfen Kinder aber erst ab sechs Monate nach ärztlicher Verordnung einnehmen. Umfangreiche internationale epidemiologische Studien legen jedoch den Verdacht nahe, dass durch die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft und in der frühen Kindheit das Risiko erhöht ist, das die Kinder, im späteren Leben an Asthma erkranken. Die Studien belegen, dass Paracetamol einen Einfluss auf die Entwicklung fötaler Stammzellen der Leber hat. Diese sind bedeutsam für die Entwicklung des Immunsystems. Eine Störung kann die Immunabwehr im späteren Leben negativ beeinflussen. Dieser Mechanismus kann erklären, warum Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft Paracetamol eingenommen haben, im späteren Leben häufiger an Allergien und Asthma leiden. Paracetamol während der Schwangerschaft erhöht nach neuen Studien bei den Kindern jedoch auch das Risiko für schwergradige Entwicklungsstörungen, Aufmerksamkeitsdefizit-/Überaktivitätsstörungen (ADHS) und Hyperaktivitätssyndrom (HAS). Kinder, die vor der Geburt mit Paracetamol in Kontakt kamen, weisen eine substanzielle neuronale Entwicklungsstörung drei Jahre nach der Geburt auf. Da der Wirkstoff in zu hohen Dosen auch die Leber- oder Nierenfunktion stark schädigen kann, muss unbedingt auf die richtige Dosierung geachtet werden. Ibuprofen hat hingegen den Vorteil, dass der Wirkstoff sowohl schmerzlindernd, fiebersenkend und auch entzündungshemmend wirkt. Zudem schädigt dieser Wirkstoff die Leber und Nieren nicht, wie es bei Paracetamol der Fall ist.

 

Wann ist Ibuprofen im Körper abgebaut?

Ibuprofen hat in der Dosis von 400 mg eine Halbwertszeit von ca. 2-3 Stunden. Er wird also in dieser Zeit bereit zur Hälfte abgebaut. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Wirkung nach zwei Stunden sofort nachlässt. Der Wirkstoff reichert sich im entzündeten Gewebe und in den Gelenken an und kann so noch nachwirken. Wie lang der Körper jedoch braucht, um den Wirkstoff komplett zu verstoffwechseln, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Aus diesem Grund wirkt eine Dosis von 400 mg bei einem 190 cm großen Menschen auch anders als bei einer 160 cm großen Person. Generell lässt sich nur sagen, dass der Wirkstoff zu etwa zwei Drittel über die Nieren und zu einem Drittel über die Leber abgebaut wird.

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