Hypochonder: So äußert sich die Angst vor Krankheiten

Redaktion PraxisVITA

Wer unter Hypochondrie leidet, wird häufig als „Simulant“ abgestempelt. Dabei hat man als Hypochonder reale Ängste auszustehen, die zu einer großen Belastung im Alltag werden können.

Frau liegt ängstlich am Bett und hält sich fest
Hypochonder leiden unter ihrer Krankheitsangst Foto:  iStock/valentinrussanov
Inhalt
  1. Was versteht man unter Hypochondrie?
  2. Symptome der Hypochondrie
  3. Wie macht sich Hypochondrie bemerkbar?
  4. Was ist Cyberchondrie?
  5. Behandlung von Hypochondrie
  6. Diagnose Hypochonder: Was passiert in der Therapie?
  7. Selbsttest: Bin ich ein Hypochonder?

Die Angst, es könnte etwas Schlimmes hinter Beschwerden wie Kopf- oder Rückenschmerzen stecken, kennt jeder. Und das ist ganz normal. Doch bei manchen Menschen entwickelt sich daraus eine stark belastende Krankheitsangst – die Hypochondrie.

 

Was versteht man unter Hypochondrie?

Die Bezeichnung „Hypochondrie“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „Gegend unter den Rippen.“ Kennzeichen einer Hypochondrie ist die gesteigerte Besorgnis um die eigene Gesundheit und den eigenen Körper; einhergehend mit einer gesteigerten Körperwahrnehmung als Krankheitszeichen. 

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Symptome der Hypochondrie

Menschen mit Krankheitsangst, auch Hypochonder genannt, beschäftigen sich übermäßig damit, eine ernsthafte Erkrankung, wie zum Beispiel Krebs oder einen Herzinfarkt, zu haben oder zu bekommen. Viele Betroffene suchen immer wieder bestimmte Körperstellen ab, auch Body Checking genannt, recherchieren im Internet oder gehen häufig zum Arzt. Bei pathologischer Krankheitsangst liegen diese Merkmale längere Zeit vor und stellen für die Betroffenen eine starke Beeinträchtigung dar.

Es gibt zwei Arten von Hypochondern: Die einen sind davon überzeugt, an einer bestimmten Krankheit – wie zum Beispiel HIV – zu leiden, die anderen bemerken immer wieder eine Vielzahl an Symptomen, die auf unterschiedliche Krankheiten hinweisen können. 

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Wie macht sich Hypochondrie bemerkbar?

Verschiedene Verhaltensweisen gelten als Merkmale von Hypochondern:

  • Body Checking (Absuchen bestimmter Körperteile)
  • Doctor Hopping (Aufsuchen verschiedener Ärzte)
  • Übertriebene Internet-Recherche (auch Cyberchondrie genannt)
 

Was ist Cyberchondrie?

Eine bestimmte Form der Hypochondrie kristallisierte sich in den vergangenen Jahren heraus: Die Cyberchondrie. Der Begriff ist eine Wortkombination aus „Cyber“ und „Hypochondrie“ und bezieht sich darauf, dass Krankheitsängste ganz gezielt durch das Internet ausgelöst oder verstärkt werden. Das Problem: Viele Krankheiten weisen zunächst sehr unspezifische Symptome auf. Die allesamt auf diversen Quellen aus dem Internet verschiedenen Krankheiten zugeordnet werden.

Durch das Recherchieren im Internet wird die Angst der Betroffenen vor einer schlimmen Krankheit regelrecht verschärft. Symptome, die zu einem bestimmten Krankheitsbild passen, werden idealerweise mitgeliefert und Beschwerden wie etwa Schwindel oder Kopfschmerzen werden auf eine wolmöglich lebensbedrohliche Krankheit zurückgeführt. Der Arzt braucht eine Diagnose gar nicht mehr stellen, die Diagnose hat sich der unter Hypochondrie Betroffene bereits selbst geliefert und ist häufig nicht mehr davon abzubringen. 

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Behandlung von Hypochondrie

Wer unter Krankheitsängsten leidet, sollte einen Psychotherapeuten aufsuchen. Dieser sichert die Diagnose ab und plant bei Bedarf die Behandlung. Sie wird von den Kassen bezahlt.

 

Diagnose Hypochonder: Was passiert in der Therapie?

„Bei der kognitiven Verhaltenstherapie üben wir mit den Betroffenen, den Fokus nicht ständig auf bestimmte Körperteile zu richten“, erklärt Psychotherapeutin Carolin Wolters von der Ambulanz für Krankheitsangst der Universität zu Köln. „Bei belastenden Symptomen erarbeiten wir alternative Erklärungen, z. B. ‚Mein Herz klopft schnell, weil ich mich eben angestrengt habe‘ statt ‚Etwas stimmt nicht mit meinem Herzen‘. Zudem lernen Betroffene, die Angst besser auszuhalten und nicht dauernd zum Arzt zu gehen.“

 

Selbsttest: Bin ich ein Hypochonder?

Ab wann macht sich eine Hypochondrie überhaupt bemerkbar? Und leiden Sie vermutlich sogar selbst an übertriebener Angst vor Krankheiten? Machen Sie den PraxisVITA-Selbsttest! Er gibt Ihnen erste Hinweise, ob Sie Symptome einer Hypochondrie aufweisen. Doch Achtung! Der Test ersetzt in keinem Fall eine ärztliche Diagnose.

Quellen:

Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 260. Auflage (2004), Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, Berlin

Krankheitsangst: Keine Bagatelle, Ärzteblatt (2010), www.ärzteblatt.de, Abrufdatum: 11.09.2019, https://www.aerzteblatt.de/archiv/79602/Krankheitsangst-Keine-Bagatelle

Unsere Expertin: Psychologische Psychotherapeutin Carolin Wolters, Ambulanz für Krankheitsangst der Universität zu Köln, www.krankheitsangst.koeln

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