Hypnobirthing – ist eine Geburt ohne Schmerzen möglich?

Mona Trautmann
Schwangere Frau meditiert auf dem Bett
Hypnobirthing soll Frauen mithilfe von Meditation und anderen Entspannungstechniken eine Geburt ohne Angst und mit wenig Schmerzen ermöglichen © iStock/fizkes
Inhalt
  1. Was ist Hypnobirthing?
  2. Der Ursprung des Hypnobirthings
  3. Wie funktioniert Hypnobirthing?
  4. Entspannt und selbstbewusst in die Geburt - das lernen Schwangere beim Hypnobirthing
  5. Ist die Geburt mit Hypnobirthing schmerzfrei?
  6. Für wen ist Hypnobirthing geeignet?
  7. Vorteile von Hypnobirthing
  8. Hypnobirthing: Kritik an der Methode
  9. Wie viel kostet ein Kurs?
  10. Wann sollte ich beginnen, die Technik zu lernen?

Der Geburt ihres Kindes blicken viele Frauen mit Vorfreude entgegen - und voller Angst. Die Sorge vor Schmerzen, Verletzungen und Komplikationen ist während der Schwangerschaft ständiger Begleiter der meisten Frauen. Hypnobirthing soll werdenden Mütter Ängste nehmen und eine schmerzarme Geburt ermöglichen. PraxisVITA hat sich das Konzept angeschaut.

 

Was ist Hypnobirthing?

Hypnobirthing ist eine Methode zur Geburtsvorbereitung, bei der Schwangere lernen, sich beim Geburtsvorgang selbst in einen tranceähnlichen Zustand zu versetzen. Ziel ist eine sanfte, sichere und schmerzarme Geburt. Das Konzept beruht auf der Annahme, dass Angst und Anspannung den Geburtsvorgang stören und starke Schmerzen verursachen. In Hypnobirthing-Kursen lernen Frauen, Ängste abzubauen und diese in Kontrolle und Selbstvertrauen während der Geburt umzuwandeln.

Schwangere Frau schläft mit den Händen am Bauch
Beim Hypnobirthing lernen Schwangere vor der Geburt, sich in einen tranceähnlichen Zustand zu versetzen © iStock/Helios8
 

Der Ursprung des Hypnobirthings

Angst erzeugt Spannung und Spannung führt zu Schmerzen - diese These stellte der Londoner Gynäkologe Dr. Grantly Dick-Read auf. Er setzte sich in den 1930er Jahren für die natürliche Geburt mit möglichst wenig ärztlichen Eingriffen und Schmerzmitteln ein. Bei seinen Studien mit afrikanischen Naturvölkern beobachtete er, dass Gefühle und Grundstimmung der Gebärenden einen großen Einfluss auf den Verlauf der Geburt hatten. Er vertrat die Meinung, Geburtsschmerz sei eine Zivilisationskrankheit und setzte sich zum Ziel, Frauen eine angstfreie, schmerzarme Geburt zu ermöglichen. Dick-Read hielt deshalb dazu an, werdende Mütter über den Geburtsvorgang aufzuklären, ihnen Angst zu nehmen und sie Entspannungsübungen zu lehren. 

Etwa fünfzig Jahre später (1980) entwickelte die amerikanische Buchautorin Marie F. Morgan auf Basis dieser Erkenntnisse Entspannungs- und Atemtechniken, die Frauen die Geburt erleichtern sollen. Inzwischen ist Hypnobirthing eine immer bekannter und beliebter werdende Methode der Geburtsvorbereitung. Auch Kate Middleton soll ihre beiden Kinder mithilfe dieser Technik zur Welt gebracht haben.

 

Wie funktioniert Hypnobirthing?

In der Schwangerschaft lernt die werdende Mutter in einem Kurs Meditations- und Entspannungstechniken, die sie während der Geburt eigenständig oder mit Unterstützung des Partners anwendet. Diese Art der Selbsthypnose beruht auf der Einstellung, dass die Frau von Natur aus dazu in der Lage ist, ohne medizinische Hilfe schmerzarm zu gebären. Ziel ist nicht, die Frau während der Geburt mithilfe von Hypnose zu betäuben - vielmehr soll der tranceähnliche Zustand zu einem bewussten Auseinandersetzen mit dem Geburtsvorgang führen und der Frau das Gefühl von Selbstkontrolle geben. Mithilfe von Hypnobirthing soll die Gebärende den Schmerz spüren ohne sich vor Angst zu verkrampfen und gegen den natürlichen Geburtsvorgang zu arbeiten.

Schwangere Frau hält lachend Teddy in der Hand
Beim Hypnobirthing steht die Vorfreude auf das Baby im Vordergrund © iStock/vgajic
 

Entspannt und selbstbewusst in die Geburt - das lernen Schwangere beim Hypnobirthing

In Hypnobirthing-Kursen lernen werdende Mütter, der Geburt mit einer positiven Grundstimmung entgegenzublicken: Wehen heißen Wellen und das Wort "Schmerz" wird vermieden. Der Fokus liegt nicht auf Angst, sondern auf der Vorfreude auf das Kind. Um dieses Gefühl zu vermitteln, behandeln die Kursleiter folgende Themenfelder:

  • Autogenes Training (eine Entspannungstechnik)
  • Geburtsvorgang (Ablauf, mögliche Geburtspositionen)
  • Meditationstechniken
  • Selbsthypnoseverfahren
  • Visualisierungstechniken (Die werdende Mutter lernt, mit positiven Bildern vor dem geistigen Auge zu arbeiten. So stellen sich manche Frauen eine sich öffnende Blüte als Metapher für den Muttermund vor).

Viele Frauen nutzen zusätzlich zum Kurs Bücher über Hypnobirthing, um sich mit der Methode vertraut zu machen.

 

Ist die Geburt mit Hypnobirthing schmerzfrei?

Viele Frauen, die Hypnobirthing angewendet haben, berichten von einer schmerzarmen, aber keiner schmerzfreien Geburt. Allerdings hilft die Methode, mit Schmerzen oder eventuell auftretenden Komplikationen gelassen umzugehen.

 

Für wen ist Hypnobirthing geeignet?

Die Methode eignet sich sowohl für Erstgebärende als auch für Frauen, die ein traumatisches Geburtserlebnis oder einen Kaiserschnitt hatten. Die Methode kommt für alle Frauen in Frage, die vor der Geburt Ängste abbauen wollen. Schwangere, die sich für diese Geburtsvorbereitungsmethode interessieren, sprechen am besten ihren Frauenarzt oder die Hebamme darauf an. Sie können über Kursangebote informieren und dabei helfen, geeignete Anbieter zu finden.

Glückliche Eltern halten Baby im Arm
Die Geburt ist ein Erlebnis, das viele Paare enger zusammenschweißt. Beim Hypnobirthing bekommt der Partner vor der Geburt feste Aufgaben zugeteilt © iStock/Mikolette
 


Vorteile von Hypnobirthing

  • Der Abbau von Unsicherheiten und Ängsten steht im Vordergrund der Therapie. Das fördert das Selbstbewusstsein der Frau während der Geburt.
  • Der Partner wird in die Geburt aktiv miteinbezogen und bekommt im Vorhinein Aufgaben zugeteilt.
  • Die Geburt ist für die werdende Mutter weniger kräftezehrend, da statt des Pressens Atemtechniken angewendet werden.
  • Einige Hebammen und Mütter berichten, dass Hypnobirthing die Dauer des Geburtsvorgangs verkürzt.
  • Durch die erlernte Atemtechnik kann die Frau ein Hyperventilieren vermeiden.
  • Geburtsverletzungen sind seltener, da die Frau nicht presst, sondern die Gebärmuttermuskeln arbeiten lässt. So hat das Gewebe Zeit sich zu dehnen.
  • Weniger Schmerzmittel sind notwendig, da die weichen Muskeln den Geburtsvorgang erleichtern, berichten Hebammen und Ärzte.
 

Hypnobirthing: Kritik an der Methode

  • Hohe Erwartungen: Die Methode verleitet dazu, sich eine komplett schmerzfreie Geburt vorzustellen. Das kann zu Enttäuschungen führen, wenn die Realität von dieser Vorstellung abweicht, wie einige Hebammen und Ärzte aus Erfahrung berichten.
  • Schuldgefühle: Einige Frauen machen sich für auftretende Schmerzen selbst verantwortlich. 
  • Die Krankenkasse beteiligt sich nicht in allen Fällen an den Kosten eines Kurses. Bisher gibt es dazu keine festgelegten Regelungen.
 

Wie viel kostet ein Kurs?

Ein Hypnobirthing-Kurs kostet pro Paar zwischen 350 und 500 Euro. Die Preise variieren je nachdem, ob Gruppen- oder Einzelstunden gebucht werden. Die Kursdauer beträgt in den meisten Fällen zwölf Stunden. Häufig bekommen die Teilnehmer Kursmaterialien, die im Preis inbegriffen sind.

 

Wann sollte ich beginnen, die Technik zu lernen?

Etwa zu Beginn der 20. Schwangerschaftswoche sollten Frauen beginnen, die Methode zu erlernen. So bleibt bis zur Geburt genug Zeit, die Techniken zu verinnerlichen. Je sicherer Frauen die Methoden beherrschen, desto schneller versetzen sie sich auch in Stresssituationen in den Trancezustand. Kursleiter empfehlen, 30 Minuten am Tag zu Hause zu üben.

 
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