Hygiene-Skandal im Krankenhaus machte einen Sportler zum Schwerbehinderten

Eine unbehandelte Wundinfektion kann eine Sportlerkarriere beenden
Wenn ein Ärztepfusch die Sportlerkarriere beendet: Eine zu spät behandelte Wundinfektion kann zur Versteifung von Gliedmaßen führen – im Extremfall ist eine Amputation notwendig © Fotolia

Als Peter Schmidt eine Infektion im operierten Ellenbogen bekam, ließen sich die Ärzte mit der Behandlung monatelang Zeit. Das kostete ihn fast sein Leben.

Halbnackte Männerkörper im gleißenden Scheinwerferlicht, glänzende Muskeln, hart wie Stahl und bis zum Äußersten gespannt. Und ganz oben auf dem Siegertreppchen: Peter Schmidt – ein Mann mit einem Körper wie aus Marmor gemeißelt. Jung, vital und voller Lebenskraft.

 

Berufsunfähig nach Hygiene-Skandal

Derselbe Mann zwei Jahre später: Kraftlos hängt sein linker Arm herab, seine linke Schulter ist steif, die Hand kann er nicht bewegen, zwei Finger sind gelähmt. Tag und Nacht plagen ihn unsagbare Schmerzen. Selbst die stärksten Medikamente bringen ihm keine Linderung. „Man kann es drehen, wie man will”, sagt der gelernte Elektriker traurig, der mit 35 Jahren Frührentner und 50 Prozent schwerbehindert ist, „ich bin und bleibe ein Krüppel.”

Peter Schmidt träumte immer davon, eines Tages Deutscher Meister zu werden, vielleicht sogar eine Karriere wie Arnold Schwarzenegger zu machen. Er war gerade dabei, in seiner Wohnung Vorhänge anzubringen, als er von der Leiter abrutschte und auf den linken Ellenbogen fiel. Da er sehr starke Schmerzen hatte, den Arm überhaupt nicht mehr bewegen konnte, ließ er sich von einem Freund ins Krankenhaus fahren. Dort stellte man einen Bänderriss fest. Die durchtrennten Bänder wurden zusammengenäht, der Arm eingegipst.

 

Zu späte Behandlung der Wundinfektion

„Dabei kam es zu einer Wundinfektion”, sagt Peter Schmidt. „Mein Arm schwoll unter dem Gips so stark an, daß ich es schließlich vor Schmerzen nicht mehr aushielt.”

Die Ärzte spülten die inzwischen eiternde Wunde aus und verabreichten ihrem Patienten ein Breitband-Antibiotikum. „Stattdessen”, sagt der Tübinger Jurist Dr. Bernhard Giese, Leiter des Instituts für Medizinschaden-Begutachtung, „hätten sie sofort eine Erregerbestimmung vornehmen müssen, um die Wundinfektion ganz gezielt zu bekämpfen.”

 

Staphslokokken-Infektion

Das aber geschah erst sage und schreibe drei Monate später. Dabei stellte man fest, dass sich sein linkes Ellbogengelenk mit Staphylokokken vom Typ „aureus” infiziert hatte. Hierbei handelt es sich um eine der gefährlichsten Bakterienarten überhaupt, die vorwiegend in Kliniken mit schlechtem Hygienestand auftaucht.

Die Folgen für Peter Schmidt: Insgesamt neun Monate musste er in Quarantäne abgeschirmt werden, 27 Operationen über sich ergehen lassen. „Schließlich stellte man mich vor die Alternative”, sagt er, „den Arm amputieren oder versteifen zu lassen. Ich entschied mich für die zweite Möglichkeit.”

Damit ist seine berufliche wie auch seine sportliche Zukunft besiegelt. Weil seine monatliche Rente nicht reicht, verlangte er Schadenersatz und Schmerzensgeld. Doch die Klinik will nicht zahlen. „Wundinfektionen”, teilte ihm deren Versicherung mit, „gehören zu den unvermeidbaren Operationsrisiken”...

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