Hyaluronsäure – die 10 häufigsten Fragen

Kapitel
  1. 1. Hyaluronsäure – Wirkstoff-Guide
  2. 2. Die 10 häufigsten Fragen
  3. 3. Nebenwirkungen
  4. 4. Dosierung
  5. 5. Medikamente

Der Begriff Hyaluronsäure ist geläufig. Aber kommt sie nur in kosmetischen Produkten vor? Ist Hyaluronsäure besser als Botox? Und ist sie auch für Vegetarier geeignet?

Unser Experte Prof. Dr. Hartmut Göbel, Facharzt für Neurologie und spezielle Schmerztherapie von der Schmerzklinik Kiel, beantwortet die zehn häufigsten Fragen zum Wirkstoff Hyaluronsäure.

 

Warum ist Hyaluronsäure ein so beliebter Anti-Aging-Wirkstoff?

Forscher haben herausgefunden, dass sich mit zunehmendem Alter die meisten Stoffwechselvorgänge verlangsamen – das betrifft auch die Produktion des Feuchtigkeitsspeichers Hyaluronsäure. Der körpereigene Stoff wird in jungen Jahren von den Zellen selbst hergestellt, er polstert die Haut auf und stützt ihre straffenden Kollagenfasern. Sinkt ihr Gehalt, sind Falten und ein fahler Teint die Folge. Wird er dem Körper nun in synthetischer Form zugeführt, wird die Haut dadurch aufpolstert, dass die Hyaluronsäure effektiv Feuchtigkeit gibt und hilft, neues Kollagen zu bilden. Das kann zu einem frischeren und jüngeren Aussehen verhelfen.

Tiefe Falten können mit einer hyaluronsäurehaltigen Creme jedoch nicht gemildert werden
Hyaluronsäure in Cremes oder Lotionen dringt in die obere Hautschicht ein, versorgt die Haut mit Feuchtigkeit und lässt sie dadurch voller erscheinen. Tiefe Falten können mit einer hyaluronsäurehaltigen Creme jedoch nicht gemildert werden© Fotolia
 

Sind Cremes mit Hyaluronsäure wirksam genug, um Falten aufzupolstern?

Ja, aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Eine sogenannte fragmentierte Hyaluronsäure kann in die oberen Hautschichten eindringen und hat dort den sogenannten Plump-up-Effekt, der sofort sichtbar ist. Gerade im Hinblick auf aufpolsternde Inhaltsstoffe wie Hyaluronsäure macht eine längere Anwendung Sinn, da sie in der Haut Depots anlegt. Hier wird Feuchtigkeit gespeichert, mit dem Effekt, dass die Haut praller und glatter wirkt. Tiefe Falten sind mit einer Creme jedoch nicht zu behandeln. Hier muss wirklich zur Injektion gegriffen werden, um die Falte zu unterspritzen und somit verschwinden zu lassen.

Generell sollte man einer Creme mindestens vier Wochen Zeit geben, damit sie ihre Wirkung voll entfalten kann und Verbesserungen sichtbar werden. Wer dagegen ständig neue Cremes ausprobiert, riskiert Hautreizungen, wenn nicht sogar allergische Reaktionen.

 

Wie lange bleibt Hyaluronsäure in den Gelenken?

Mit zunehmendem Alter kann die Knorpelschicht des Knies abgerieben werden. Sie liegt damit nicht mehr als Dämpfung zwischen den Knochenenden, die im Knie aufeinandertreffen. Zudem ändert die umliegende Gelenkflüssigkeit ihre Zusammensetzung und versorgt den Knorpel dadurch mit weniger Nährstoffen.

Um dem Knorpel auch weiterhin mit Nährstoffen zu versorgen, kann Hyaluronsäure ins Gelenk gespritzt werden. Dabei handelt es sich um ein Eiweiß aus der Gelenkflüssigkeit. Durch die Injektion wird die Fließkraft der Gelenkschmiere gesteigert und der Stoffwechsel wieder aktiviert.

Eine Therapieserie besteht meist aus fünf Injektionen im Abstand von je einer Woche. Die schmerzlindernde Wirkung hält 6–12 Wochen. Wie schnell der Wirkstoff abgebaut wird, ist von Mensch zu Mensch oder auch von dem verabreichten Präparat abhängig.

 

Sind bei Kniegelenksarthrose Hyaluronsäure-Kapseln besser als Spritzen?

Man hört und liest auch immer wieder, dass alternativ zur Spritze auch Kapseln eingenommen werden können. Der Vorteil soll hierbei sein, dass sich die Hyaluronsäure im ganzen Körper verteilt. Jedoch kommt im Kniegelenk davon meist so wenig an, dass sie bei Erkrankungen wie Arthrose keine Linderung bringen.

 

Was ist vernetzte Hyaluronsäure?

Bei Hyaluronsäure unterscheidet man zwischen vernetzter und unvernetzter Hyaluronsäure. Je nachdem in welchen Bereich der Wirkstoff eingesetzt werden soll, wird entweder die vernetzte oder die unvernetzte Hyaluronsäure gebraucht.

Die vernetzte Hyaluronsäure wird beispielsweise zur Behandlung von einzelnen tiefen Falten eingesetzt, während die unvernetzte mehr für größere Hautbereiche verwendet wird. Zudem wird die unvernetzte Hyaluronsäure schneller wieder abgebaut, da sie nicht in so tiefe Hautschichten injiziert wird, wie die vernetzte.

 

Was ist besser: Hyaluronsäure oder Botox?

Beide Wirkstoffe sind wirksam, sie werden jedoch aus unterschiedlichen Gründen eingesetzt.

Auch Vegetarier oder Veganer können sich mit Hyaluronsäure behandeln lassen, da die meisten Präparate inzwischen ohne tierische Bestandteile hergestellt werden
Auch Vegetarier oder Veganer können sich mit Hyaluronsäure behandeln lassen, da die meisten Präparate inzwischen ohne tierische Bestandteile hergestellt werden© Fotolia

Betrachten wir gerade mal nur Hyaluronsäure und Botox für kosmetische Behandlungen. Welcher Wirkstoff zur Behandlung eingesetzt wird, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, z.B. davon, wie tief die Falte ist, die behandelt werden soll, welche Veränderung der Patient sich wünscht und auch das Alter spielt eine entscheidende Rolle.

Bei Botox handelt es sich um das Nervengift Botulinumtoxin. Eine Wirkung entsteht dadurch, dass im Injektionsbereich Muskeln entspannt werden. Dadurch verschwinden Falten die durch Muskelanspannung hervorgerufen werden. Bei Personen, bei denen die Dosierung übertrieben wurde, kann es passieren, dass die Stirn nicht mehr gerunzelt oder die Augenbraue hochgezogen werden kann. Das Gesicht wirkt wie eingefroren oder erstarrt. Nach einer Botox-Behandlung hält die Wirkung häufig mehr als 6 Monate an.

Im Gegensatz zu Botox hat Hyaluronsäure einen natürlichen Effekt. Das liegt zum einen daran, dass Hyaluronsäure auch auf natürliche Weise im Körper vorkommt. Zum anderen wirkt das Gesicht nach einer Hyaluronsäure-Behandlung frischer und erholter, da die Falten lediglich ein wenig an Tiefe verlieren, nicht jedoch ganz verschwinden. Da Natürlichkeit des Gesichts und auch die volle Funktionsfähigkeit aller Gesichtsmuskeln bleibt voll erhalten. Hier hält die Wirkung ungefähr drei bis sechs Monate an.

Jeder der eine der beiden Behandlungsmöglichkeiten in Betracht zieht, sollte sich von einem Mediziner ausführlich zu den jeweiligen Wirkstoffen beraten lassen und die Vor- und Nachteile – gerade im kosmetischen Bereich – gründlich gegeneinander abwägen.

 

Kann man sich Hyaluronsäure selber spritzen?

Zwar gibt es im Internet Anleitungen, bei denen Laien zeigen, wie man sich Hyaluronsäure selber spritzen kann, aber ich kann jedem nur davon abraten, diesen Selbstversuch zu wagen. Unerfahrene stechen schnell mal in viel zu tiefe Hautschichten. Zudem können Nerven verletzt werden. Hinzu kommt, dass sie sich schnell zuviel Hyaluronsäure spritzen, was hässliche Beulen hinterlässt, da Hyaluronsäure eine gallertige Konsistenz hat. Zwar baut sich die Säure nach einiger Zeit von alleine wieder ab, bis dahin kann aber ein großer Leidensdruck entstehen, da das Gesicht regelrecht entstellt sein kann. Auch von Hyaluronsäure-Selbstbehandlungen am Kniegelenk kann ich nur abraten. Hier ist die Infektionsgefahr und auch das Risiko, schlimme Schädigungen am Knie hervorzurufen, viel zu groß.

Prof. Dr. Hartmut Göbel
Experte Prof. Dr. Göbel: "Botox hält zwar länger als Hyaluronsäure, wirkt aber oft sehr künstlich, während bei Hyaluronsäure die natürlichen Gesichtszüge erhalten bleiben."© privat
 

Können sich Vegetarier oder Veganer mit Hyaluronsäure behandeln lassen?

Vegetarier oder Veganer, die mit dem Gedanken spielen, sich einer Hyaluronsäure-Behandlung (egal ob Gelenk- oder Anti-Falten-Therapie) zu unterziehen, sollten den behandelnden Arzt immer erst fragen, um was für ein Präparat es sich handelt und ob es tierische Bestandteile enthält. Zum Hintergrund: Früher wurde Hyaluronsäure aus Hahnenkämmen gewonnen. Bei manchen Produkten ist dies auch heute noch der Fall. Doch die meisten Hersteller sind inzwischen dazu übergegangen, Hyaluronsäure rein auf biotechnologischem Weg zu gewinnen und die sogenannte fermentierte Hyaluronsäure zu vertreiben. Dies ist nicht nur ein Vorteil für Vegetarier oder Veganer, sondern auch für Personen, die unter einer Hühnereiweiß-Allergie leiden.

 

Warum sollte man nach einer Hyaluronsäure-Behandlung nicht in die Sauna gehen?

Auf Saunagänge, aber auch auf Sonnenbäder sollte die ersten drei bis fünf Tage nach der Behandlung verzichtet werden. Ebenso sollte das Sportprogramm etwas herunter gefahren werden. Der Grund: Durch zu viel Hitze, vermehrte Bewegung und einem erhöhten Stoffwechsel baut sich Hyaluronsäure schneller ab, da die Durchblutung in den behandelten Bereichen gesteigert wird. Es sollten daher einige Tage vergehen, sodass der Wirkstoff vom Körper richtig aufgenommen werden kann. Zudem kann es immer einmal vorkommen, das leichte örtliche Entzündungen durch die Injektion entstehen, die erst einmal abgeklungen sein sollten, bevor man wieder in die Saune geht oder aktiv Sport macht.

 

Wie viel Hyaluronsäure wird pro Eingriff benötigt?

Wie viel Hyaluronsäure tatsächlich bei einem Eingriff verwendet wird (z.B. bei einer Anti-Falten-Therapie), hängt ganz davon ab, was gemacht werden soll und wie tief beispielsweise die Falten sind. Bei der berühmten Zornesfalte werden ungefähr ein Mililiter bei einer eher oberflächlichen Falte und etwa zwei Mililiter bei einer stark ausgeprägten Falte verwendet. Bei größeren Bereichen, wenn z.B. die Wange aufgefüllt werden soll, können auch schon mal bis zu vier Mililiter Hyaluronsäure zum Einsatz kommen.

Die Angaben sind nur ungefähre Richtwerte. Jeder Fall ist anders, jeder Körper, jedes Gesicht ist unterschiedlich. Da wird dann bei jedem einzelnen Patienten genau hingeschaut und dementsprechend dosiert, um ein natürliches Ergebnis zu erhalten.

Bei der Hyaluronsäure-Einspritzung ins Gelenk werden meist zwei Mililiter pro Injektion verwendet. Das entspricht dem Inhalt einer Ampulle. Die Injektionen sollten wöchentlich wiederholt werden, damit die Hyaluronsäure den Gelenkknorpel gut „schmieren“ kann und Schmerzen nachlassen.

Nebenwirkungen
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.