Hustensaft am Steuer – so gefährlich wie Alkohol?

Hustensaft auf Löffel
Hustensaft ist bei Erkältungen ein beliebtes Arzneimittel. Doch Vorsicht, einige Nebenwirkungen von Hustensaft können gefährlich werden – besonders beim Auto fahren © Fotolia

Husten kann nur mit Hustensaft behandelt werden? Diese Meinung ist nicht nur falsch, sondern kann sogar gefährlich werden – etwa beim Autofahren. Welche Gefahren die Einnahme von Hustensaft bergen kann und wie Sie sie am besten meiden – hier erfahren Sie alles was Sie wissen sollten.

 

Mythos Hustensaft – jetzt wird aufgeklärt

Hustensaft ist ein sehr beliebtes Arzneimittel bei Erkältungen. Die meisten Hustensaft-Sorten sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich, können leicht eingenommen werden und schmecken sogar einigermaßen angenehm. Besonders beim sogenannten „unproduktiven“ Husten – also ohne Schleimbildung – wird Hustensaft gerne eingenommen, da er beim Abhusten helfen und so die Viren, die als Ursache gelten, aus dem Körper herausbefördern soll. Weil uns bei einer Erkältung gerade der lästige Hustenreiz nicht nur den Atem, sondern auch den letzten Nerv raubt – besonders nachts – greifen viele Betroffene zum beruhigenden Hustensaft.

 

Gefährliche Nebenwirkung von Hustensaft mit Codein

Das Problem: verschreibungspflichtiger Hustensaft enthält häufig Codein. Dieser Stoff zählt zu den sogenannten Opiaten. Sie machen müde und benommen. Patienten, die Medikamente mit diesem Wirkstoff nehmen, sollten unbedingt während der Behandlung komplett aufs Autofahren verzichten, da Codein das Reaktionsvermögen nachweislich verlangsamt. Besondere Vorsicht gilt auch bei Hustensäften, die Alkohol enthalten, da sie überdosiert die gleiche Wirkung wie mehrere Gläser Bier oder Wein haben können.

Ist Hustensaft am Steuer strafbar?

Wer unter Medikamenteneinfluss einen Autounfall verursacht, muss mit denselben rechtlichen Konsequenzen rechnen, wie Fahrer unter Alkohol- oder Drogeneinfluss.

Richtig gefährlich werden kann es dann, wenn Sie zusätzlich noch andere Arzneimittel nehmen! Die Wirkungen der einzelnen Mittel können sich nicht nur addieren, sondern gegenseitig verstärken. Patienten sollten sich unbedingt vor der Hustensaft-Einnahme bei ihrem Arzt, in der Apotheke oder auf dem Beipackzettel nach der Fahrtauglichkeit unter Medikamenteneinfluss informieren.

 

Dürfen Kinder Hustensaft nehmen, damit sie besser schlafen?

Für viele Familien ist der Umgang mit Hustensaft bei Erkältungen zur Routine geworden, dabei könnten mehr Informationen über das Arzneimittel nicht schaden:

Denn gerade für Kinder können sogenannte Hustenstiller zur echten Gefahr werden, wenn sie falsch eingesetzt werden. Leidet das Kind an produktivem, also schleimigem Husten – der durchaus auch heftige Hustenattacken verursachen kann – verhindert ein reizstillender Hustensaft den Abtransport von Schleim aus den Bronchien. So kommt es im Schlaf zu einer Schleimansammlung. Im schlimmsten Fall wird dadurch die Atmung behindert. Es droht ein Sauerstoffmangel mit gefährlichen Folgen.

Wie lange darf ich Hustensaft einnehmen?

Die meisten Hustensäfte sollten nicht länger als eine Woche gegeben werden. Grundsätzlich sollten Sie mit Hustensaft keine Selbstmedikation betreiben, sondern Ihren Arzt oder Apotheker nach der Häufigkeit und Dauer der Anwendung befragen, um eine mögliche Überdosierung und damit verbundene Nebenwirkungen zu vermeiden.

 

Muss es immer Hustensaft sein? Natürliche Alternativen

Honig ist in seiner Wirkung sogar Hustensaft überlegen. Denn seine Inhaltsstoffe alarmieren die zelleigene Abwehr, die einen Infekt in den oberen Atemwegen bekämpft. Besonders gut wirkt hier dunkler Buchweizen-Honig: abends vor dem Schlafen 1-2 EL auf der Zunge zergehen lassen. Da aber Honig bei Kleinkindern den sogenannten infantilen Botulismus auslösen kann – eine Bakterieninfektion –, eignet sich das Bienen-Produkt nicht zur Behandlung von Kindern. Agavensaft, der eine durch seine dicke sirupartige Form eine ähnliche physikalische Eigenschaft wie Honig hat, könnte deswegen als Ersatz dienen.

Zwiebeln
Der Saft der scharfen Knolle wirkt stark schleimlösend und ist daher eine gute Alternative zum Hustensaft

Auch die Zwiebel kann bei Husten helfen: Der Saft der Zwiebel wirkt stark schleimlösend. Daher ist er ein ideales Mittel bei Husten, Bronchitis und Nasennebenhöhlen-Entzündungen. Denn der Zwiebel-Saft löst festsitzenden Schleim in den Atemwegen und erleichtert das Abhusten. Rezept für einen Hustensaft: Zwei Zwiebeln reiben, zu dem Brei fünfmal so viel Zucker oder Honig geben, zehn Minuten ziehen lassen. Den Saft teelöffelweise über den Tag verteilt einnehmen.

 

Wirkt Hustensaft überhaupt?

In einer Studie der Universität von Bristol wurde die Wirksamkeit von freiverkäuflichen Hustensäften in Europa untersucht. Dabei kam heraus, dass von den 300 getesteten Hustensäften nur 15 überhaupt in klinischen Studien am Menschen überprüft wurden, der Rest waren reine Labortests. Das Ergebnis: Keine Studie konnte beweisen, dass Hustensäfte einen Einfluss auf die Besserung des Hustens hatten.

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